Schwulenhass

Jetzt äussert sich die Polizei zu den Vorfällen: Homosexuelles Paar wird in Basler Bar verprügelt

Die Dunkelziffer für Hate Crimes, Verbrechen aus Schwulenhass, sei gross, sagt Pink Cross.

Die Dunkelziffer für Hate Crimes, Verbrechen aus Schwulenhass, sei gross, sagt Pink Cross.

«Ich muss vorher schauen, wo genau ich hingehe. Ich muss alle Online-Bewertungen der Bars durchlesen. Gibt es keine, werde ich hellhörig», sagt der US-Amerikaner Erich Mynock. Mynock ist schwul und lebt mit seinem Partner, Thomas Mathis, seit zwei Jahren in Basel. Er traue sich nicht mehr, in eine unbekannte Bar zu gehen, sagt er. Der Hintergrund: Er und sein Partner wurden vor drei Wochen angegriffen.

An einem Freitag sei er mit Mathis in die Joggeli-Lounge an der Lehenmattstrasse gegangen. Dort sollen die zwei ausgiebig getanzt und ihren Spass gehabt haben. Kurz darauf griffen drei Männer zwischen 30 und 50 Jahren das Paar an. Mynock bekam direkt einen Faustschlag und Mathis wurde mehrmals geschlagen.

Was der Auslöser war? Das Paar weiss es nicht mit Sicherheit, tippt aber auf ihre Beziehung. «Es kann nur das sein. Wir haben ja niemanden provoziert. Wir haben einfach nur miteinander getanzt», erklärt Mathis. Damit habe die eigentliche Odyssee der beiden aber erst angefangen. «Wir haben dann die Polizei gerufen, die uns aber im Stich gelassen hat.» Die Polizei weist diese Darstellung zurück (siehe unten). 

Kritik am Verhalten der Polizei

Noch sehr benommen von dem Vorfall, traute sich das Paar erst einige Tage danach auf die Polizeistation. Da kam der nächste Rückschlag: «Wir wurden regelrecht abgewimmelt. Es sei zwecklos, hiess es von Seiten des Polizisten.» Daraufhin seien sie ein zweites Mal gegangen, diesmal mit einem ärztlichen Bericht, der besagte, dass Mathis’ Lippen geklebt werden mussten, er Prellungen am Brustkorb und den Ellenbogen erlitten hat, genauso wie Schürfungen an den Händen und Schwellungen an seiner linken Gesichtshälfte. Auch dieser Polizist habe sie zurückgewiesen und stattdessen den Opfern geraten, zu der Bar zu gehen und Videoaufnahmen zu verlangen. «Eine Frechheit. Niemals würde es uns in den Sinn kommen, dorthin zurück zu gehen. Wer weiss, was uns dann passiert!», sagt Mathis.

In ihm herrsche vor allem die Wut, sein Partner aber spricht stets mit bedrückter Stimme. Er könne es immer noch nicht fassen, die Angst und die Enttäuschung seien nun zu gross. 

Pinkcross zeigt sich schockiert

Um nicht untätig zu bleiben, hat sich das Paar an die Organisation Pinkcross gewandt, die für die Rechte der schwulen und bisexuellen Männer in der Schweiz kämpft. Auch dort zeigt man sich überrascht von dem Vorfall: «Ich war schockiert. Ich habe selbst in Basel gelebt und eigentlich herrscht dort ein recht offenes Klima», sagt Geschäftsleiter Roman Heggli.

Trotzdem weist er daraufhin, dass es kein Einzelfall sei, regelmässig würden solche Meldungen bei ihnen eingehen. «Sicher ein- bis zweimal die Woche, aber die Dunkelziffer ist natürlich extrem hoch. Nur die wenigsten Fälle werden wirklich gemeldet», sagt er. Normalerweise sei es schwierig, die Täter in so einem Fall zu ermitteln. Doch hier sieht Heggli Hoffnung: «Corona sei Dank müsste eine Liste mit den Besuchern vorliegen. So finden wir hoffentlich die Täter und können vor Gericht gehen.» Einen Anwalt habe er dem Paar schon zur Seite gestellt, jetzt gilt es abzuwarten. Der Barbetreiber war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Basel hinkt im nationalen Vergleich hinterher

Für Heggli hat die Angelegenheit aber auch eine politische Dimension. «Dass die Opfer solche schlechten Erfahrungen mit der Polizei machen mussten, ist auch der untätigen Basler Regierung geschuldet», sagt er. Seit 2017 ist ein Vorstoss aus dem Grossen Rat hängig, der eine Anlaufstelle für LGBTIQ-Personen fordert.

Zum Vergleich: Die Stadt Biel habe innert eines halben Jahres reagiert. Ein weiterer Vorstoss verlangt zudem eine Statistik zu Hate Crimes. 2019 hat Pinkcross dies in über zehn Kantonen gefordert. Während beispielsweise der katholische Kanton Fribourg diesbezüglich schon bald erste Daten veröffentlicht, steckt auch dieser Anzug noch bei der Regierung. Gefordert wird darin auch eine Sensibilisierung der Polizei für die Thematik.

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