«Findet es statt?», fragt ein Jugendlicher einige ältere Demonstrantinnen und Demonstranten. Niemand weiss es. In kleinen Grüppchen versammeln sich am Mittwoch um elf Uhr Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf dem Messeplatz. Sie sind dem Aufruf «Querstellen fürs Klima» zu einer «Blockade» gefolgt. Der Whatsapp-Aufruf hatte keinen Absender.

Nach elf kommen dann Leute mit Musikanlage und Transparenten dazu, sie wissen, was geplant ist. Per Megafon begrüsst einer: «Wir haben uns heute im Namen des Klimas versammelt.» Aber Klimastreik war doch bisher freitags? «Wenn häufiger schulfrei wäre, wäre auch häufiger Klimastreik», sagt ein Schüler der bz. Wegen der kantonalen Lehrerkonferenz haben an diesem Mittwoch alle Schülerinnen und Schüler frei.

Der Redner am Megafon spricht nicht über Greta Thunberg: «Hinterfragen wir das System!» Eine Veränderung des Konsumverhaltens reiche nicht. «In den Chefetagen der Multis kann kein Umdenken stattfinden, da ihr Reichtum auf diesen Ausbeutungsmechanismen beruht.» Deshalb wolle man heute vor dem Syngenta-Hauptsitz demonstrieren. Jubel bei den mittlerweile etwa 100 Versammelten.

Pause vor der Syngenta

Danach setzt sich der Demonstrationszug in Bewegung. Anwohner winken vom Fenster; eine ältere Dame zeigt den erhobenen Daumen. So viel Sympathie bekommt eine Demo selten, vor allem eine Demonstration mit solchen Parolen. «Brecht die Macht der Banken und Konzerne!», schallt es durch die Rosentalstrasse. Nach einer kurzen Pause beim Syngenta-Eingang in der Schwarzwaldallee dreht der Demozug um. Trotz der radikalen Worte ist von einer «Blockade» wenig zu spüren. Bis dahin verzögerte das «Querstellen fürs Klima» bloss eine Tramabfahrt um wenige Sekunden.

Die Blockade findet auf dem Rückweg statt. Erst stehend, dann sitzend versperren die Demonstranten den Syngenta-Eingang in der Rosentalstrasse. Von drinnen blicken um die zehn Mitarbeitende durch die Scheiben – teils skeptisch, teils belustigt. Die Blockade ist nur symbolisch: Ein Herr, der ins Gebäude muss, kann passieren. In kurzen Ansprachen kritisieren nun Redner Syngenta für genmanipuliertes Saatgut und Pestizide, die laut NGOs für den Tod von etwa 20 indischen Bauern verantwortlich sind. Das treibt den Adrenalinspiegel hoch: Als danach eine Frau zwischen den Demonstrierenden Richtung Eingang geht, begleitet sie ein Chor aus Buhrufen. Einzelne schimpfen «assassini» – Italienisch für Mörder.

Nach etwa einer Viertelstunde marschiert der Demozug wieder in munterer Stimmung durchs Kleinbasel, bis er sich um 12.30 Uhr nahe des Horburgparks auflöst. Ein Polizeiaufgebot begleitet die gesamte Aktion und filmt die Teilnehmer. Polizei-Sprecher Toprak Yerguz spricht von einer «ruhigen Demonstration mit leichten Verkehrsbehinderungen».

Pauline Lutz von Klimastreik Basel bedauert auf Anfrage der bz, dass bei der symbolischen Blockade eine Einzelperson an den Pranger gestellt worden sei. «Es sind nicht die Angestellten, sondern die Konzernleitung ist verantwortlich für Umweltzerstörungen.» Diese Kundgebung sei von eher linkeren Kreisen innerhalb der Klimabewegung organisiert worden, so Lutz weiter. Die Klimabewegung wolle aber so breit wie möglich bleiben.