Wassersport in Basel

Jetzt auch noch Stand-Up-Paddler: Von der Übernutzung des Rheins und einem leidenden Traditionssport

Ein Stand-up-Paddler hat den Rhein ganz für sich. Die Realität sieht in diesen Tagen anders aus.

Ein Stand-up-Paddler hat den Rhein ganz für sich. Die Realität sieht in diesen Tagen anders aus.

Nicht nur am Rheinbord, sondern auch im Wasser droht die Übernutzung. Zum Nachteil eines Traditionssports.

Bei diesen Temperaturen gibt es nur eins: Ab ins Wasser! Sei es schwimmend, rudernd, stachelnd im Weidling oder auf dem trendigen Stand Up Paddle (SUP): Wassersport war selten so beliebt in Basel. Besonders das SUP findet auf dem Rhein immer mehr Anhänger. Simon Lang, der mit «Birs73» entsprechende Boards am Birsköpfli vermietet, zeigt sich zufrieden: «Die Nachfrage nach Einsteigerkursen ist deutlich höher als im vergangenen Jahr. Auch die Stadttour ist sehr beliebt.» Diese führe ab Birsköpfli flussabwärts bis zur Dreirosenbrücke.

Die Paddler sind dann meistens nicht in der Schifffahrtsrinne unterwegs, sondern, wie von der Rheinpolizei empfohlen, in der Schwimmzone. Dort also, wo sich auch all die Schwimmer und Wasserfahrer tummeln – zu Hunderten in diesen Tagen. Es droht akute Kollisionsgefahr. «Das Wochenende ist nicht ideal für solche Touren. Dann hat es einfach zu viele Menschen im Wasser», sagt Johann Pasqualini, der in diesem Sommer mit seinem SUP-Center Kaluha am Birsköpfli gestartet ist. Sein Kollege Lang sagt dazu: «Mit Schwimmern gibt es eigentlich nie Probleme. Hie und da reagiert ein Weidlingfahrer aggressiv auf uns.»

Wasserfahrer wünschen sich mehr Respekt

Darauf angesprochen, zeigt sich Roger Wyden überrascht. Er ist Präsident des ältesten Basler Wasserfahrvereins Rhein Club Basel, und er sagt, der grundsätzliche Tenor bei den Mitgliedern sei: «Es hat für alle Platz im Wasser. Aber es ist natürlich personenabhängig, wie jemand auf die engen Platzverhältnisse reagiert. Und diese sind nun mal die Realität.»

Wyden seinerseits beklagt stellvertretend für die Weidlingfahrer mangelnden Respekt und wenig Verständnis vonseiten der Schwimmer gegenüber dem Traditionssport: «Man will einfach den Bach runter schwimmen und schaut weder links noch rechts. So haben etwa Infoflyer, die für unsere Anliegen sensibilisieren sollten, nichts geholfen.» Die ignorante Haltung vieler Schwimmer verunmögliche das Training in einem bestimmten Abschnitt, geschweige denn Wettkämpfe in den Sommermonaten. «Wir weichen bereits seit vielen Jahren auf die Nebensaison aus, und trainiert wird meist zu Randzeiten», so Wyden.

Kanton behält Entwicklung im Auge

Der Frust unter den Wasserfahrern ist laut Wyden entsprechend gross. «Wir fühlen uns ungerecht behandelt.» Man wünsche sich wieder die Durchführung eines Wettkampfes im Sommer: «Es müsste doch möglich sein, einen bestimmten kleinen Abschnitt für wenige Stunden abzusperren. Leider sind wir bei der Rheinpolizei auf wenig Verständnis gestossen. Sie fühlt sich dafür nicht verantwortlich.» Wyden will deshalb im kommenden Jahr auf politischer Ebene aktiv werden.

Die Basler Polizei schätzt die Lage etwas anders ein. Es herrsche keine akute Platznot auf dem Rhein, sagt Sprecher Martin Schütz. «Aber tatsächlich gibt es punktuell, namentlich in den Sommermonaten an schönen Tagen, eine starke Nutzung des Rheins durch unterschiedliche Interessensgruppen.» Der Kanton habe diese Entwicklung aufmerksam im Blick.

Unter der Leitung der Kantons- und Stadtentwicklung ist etwa das Team des Projekts «Rhylax» unterwegs. Diese Vermittler sollen ein friedliches Miteinander fördern, allerdings konzentrieren sie sich laut Webseite auf das Rheinbord. Wäre es möglich, diese Aktivitäten ins Wasser auszuweiten? Roland Frank von der Kantons- und Stadtentwicklung sagt dazu, dass die Vermittler sehr wohl auch in der Schwimmzone aktiv seien. Ob Pläne bestehen, in diese zu intensivieren, beantwortet er nicht.

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