SP-Knatsch
Jetzt entschuldigt sich Rechsteiner für seine Attacke: «Ich habe einen schrecklichen Fehler gemacht»

Nachdem er Nationalrätin Silvia Schenker öffentlich zum Rücktritt aufgefordert hatte, entschuldigt sich Parteikollege Rudolf Rechsteiner nun ebenfalls via Facebook.

Daniel Ballmer
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Blieb in der Minderheit: SP-Grossrat Rudolf Rechsteiner.

Blieb in der Minderheit: SP-Grossrat Rudolf Rechsteiner.

Kenneth Nars

«Ich habe einen schrecklichen Fehler gemacht», schreibt das Basler SP-Urgestein Rudolf Rechsteiner. Über das soziale Medium Facebook entschuldigt er sich öffentlich bei seinen Parteigenossen Silvia Schenker und Mustafa Atici. Über jenen Kanal, auf welchem das Unheil für den ehemaligen Nationalrat seinen Anfang genommen hatte.

In der vergangenen Woche hatte Rechsteiner für einen Eklat gesorgt. Via Facebook forderte er Schenker, die seit 2003 im Nationalrat sitzt, zum Rücktritt auf. Damit würde der Weg frei für den nachrückenden Atici. Vor allem Rechsteiner geharnischter Ton sorgte parteiintern für grosse Irritation: «Wann lesen wir von deinem Rücktritt? Wir warten. Und wir sind viele. Ein bisschen Anstand stände dir gut an. Wenigstens ein bisschen.»

Mit seinem Schreiben löste der 59-Jährige in den Reihen der SP einen Proteststurm aus. Genossen werfen Genossen mangelnden Anstand vor, fragen an, ob «es noch geht» und vermuten durch die Blume, es sei hier dem Alkohol zu stark zugesprochen worden. Irgendwann sah sich auch der Parteivorstand, gezwungen zu reagieren. Er nehme zur Kenntnis, dass sowohl Silvia Schenker als auch Beat Jans ihre Legislatur im Nationalrat bis zum Ende bestreiten wollen. Gleichzeitig stellte das Präsidium klar, «dass es den Ort und die Tonlage der öffentlichen Äusserungen von Parteimitglied Ruedi Rechsteiner (...) beanstandet».

«Ich liess mich hinreissen»

Mittlerweile scheint auch Rechsteiner eingesehen zu haben, dass er mit seiner Kritik zu weit gegangen ist. Während 12 Wochen habe er vergeblich versucht, bei Nationalrätin Schenker einen Gesprächstermin zu erhalten, erklärt er. «Zu nächtlicher Stunde liess ich mich darauf zu einem emotionalen Facebook Post hinreissen, der in Ton und Inhalt verletzend und in der Sache kontraproduktiv war.» Ein Streit über eine innerparteiliche Vereinbarung sei an die Öffentlichkeit getragen worden, der dort nicht hingehöre.

Gleichzeitig versichert Rechsteiner, dass er die Zusammenarbeit mit Schenker immer sehr geschätzt habe – gerade während seiner zeit in Bern: «Sie setzte sich mit Herz und Verstand für Benachteiligte und für soziale Sicherheit ein, was auch mir ein Anliegen war.» Auch Atici stehe ihm nahe. Dieser setze sich «ebenso beharrlich wie bescheiden und erfolgreich für das friedliche Zusammenleben für Menschen von unterschiedlicher Herkunft ein».

Schenker ihrerseits hatte bereits vergangene Woche klargestellt, dass sie bis zu den Wahlen 2019 in Bern bleiben wolle. Gleichzeitig wehrte sie sich gegen den Vorwurf, dass sie sich an ihr Mandat klammere. Schliesslich habe sie 2015 gar nicht mehr antreten wollen. Sie habe dies nur getan, weil sie von der Partei darum gebeten worden sei.