Heftige Vorwürfe

Jetzt hat auch die Basler Fasnacht ein Rassismus-Problem: «Wir werden keinen neuen Namen suchen»

Die traditionelle Basler Guggemusig Negro-Rhygass findet sich wegen ihres Namens und ihres Logos plötzlich in einer Rassismus-Debatte wieder. Mittlerweile wurden Website und Facebook-Page deaktiviert. Auch die Facebook-Page der Gugge Mohrekopf wurde gesperrt.

Der Schock sitzt tief bei den Kleinbasler Fasnachtstraditionalisten. Nachdem ein besorgter Bürger den Namen und das Logo der Guggemusig Negro-Rhygass öffentlich angeprangert und als diskriminierend darstellt hatte, gehen die Wogen hoch. Anlass dazu bot das Negro-Fescht vom vergangenen Samstag, ein Vereinsfest der Fasnächtler im Kleinbasel.

Seit am frühen Mittwochmorgen ein Beitrag auf dem Portal 20min.ch erschienen ist, der sich auf Aussagen des Leserreporters B.M. bezieht, ist am Mittwochmorgen kurz vor 9 Uhr die Website der Guggemusig vom Netz genommen worden. Ebenso wurde die Facebook-Site deaktiviert.

Auch andere Guggen betroffen

Der Leserreporter befand laut dem Bericht, dass «Negro-Clown als Kostüm» gar nicht gehe. Bei der Beratungsstelle Stopp Rassismus würden nun juristische Abklärungen laufen, berichtet das Portal.

Doch nicht nur die Negro-Rhygass ist betroffen: Stand Mittwochmorgen, 10.41 Uhr, wurde auch die Facebook-Page der Gugge Mohrekopf 1947 deaktiviert. Diese Massnahme kann Facebook treffen, wenn eine grössere Anzahl an Beschwerdemeldungen über die Site eingetroffen sind.

Die Solidaritätswelle mit der Negro-Rhygass hat indes ebenfalls Fahrt aufgenommen. Auf Facebook wird rege diskutiert, dass es sich bei der Namensgebung um einen Fasnachtsbegriff handle und ebenfalls ist ein erstes Solidaritäts-Meme aufgetaucht mit dem Slogan «Je suis Negro-Rhygass. Je suis Fasnacht». 

Mohren = Moor = Wildsau? 

Daniel Bachmann, Obmann der Mohrekopf-Gugge, sagt zur bz: «Ich kann die Aufregung um den Begriff nicht nachvollziehen. Unser Name hat mit unserer Gründungsgeschichte zu tun, er geht auf den Mohrekopf zurück, bekanntlich ein Schaumgebäck mit Schokoladenüberzug.» Mohre wiederum sei eine alte Bezeichnung für eine Wildsau.

Genau auf diese Namensherkunft bezog sich auch die Othmar Richterich AG aus Laufen, Herstellerin der Richterich-Mohrenköpfe. Die Firmensprecherin bezeichnete die Diskussion um den angeblich rassistischen Hintergrund der Bezeichnung ihres berühmten Produkts als «biireweich». Im Interview mit der bz sagte sie: «Wir ändern den Namen nie. Vorher hören wir auf.»

Rassismus-Debatte: Facebook sperrt die Negro-Rhygass und Mohrekopf

Mohrekopf und Negro-Rhygass am Sternmarsch am Fasnachtsdienstag 2018.

Die Gugge Mohrekopf erteilt allen Namensänderungs-Wünschen ebenso eine klare Absage. Auf der Webseite heisst es, die Formation werde sich – trotz der Diskussionen um die politische Korrektheit des Wortes Mohrenkopf – keinen neuen Namen suchen.

Der Bäckerlehrling wars

Laut Entstehungsgeschichte entstand der Name so: Unter den Gründungsmitgliedern der Gugge befand sich auch ein Bäckerlehrling. Der brachte zu den Treffen immer wieder Mohrenköpfe mit, deren Ablaufdatum abgelaufen war, die aber noch geniessbar waren. Bei der Frage, wie man sich nennen solle, sei dann jemand auf den Mohrenkopf gekommen. 

«Hätte der Lehrling damals Meitlibei mitgebracht», sagt Obmann Daniel Bachmann, «dann würden wir jetzt halt Meitlibei heissen.» Aber auch mit diesem Namen gäbe es jetzt wohl Proteste, vermutet Bachmann: «Es würde heissen, Meitlibei sei sexistisch und frauenverachtend. Man kann es nie allen Recht machen.»

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