Stadtgärtnern

Jetzt hilft der Staat bei der Saat – auch im eigenen Garten

Basel 14.8.2017 - Urban Gardening. Photo by Roland Schmid

Urban Gardening ist im Trend. Basel will das fördern und bietet Beratung in der Stadtgärtnerei.

Basel 14.8.2017 - Urban Gardening. Photo by Roland Schmid

Wer einen Garten hat, kann sich bald von der Stadtgärtnerei beraten lassen, wie er diesen am besten bewirtschaften soll. Neue Stellen gibt es dafür aber keine.

Langsam? Von wegen! In manchen Angelegenheiten mahlen die Mühlen der Bürokratie aussergewöhnlich schnell: Die Stadtgärtnerei sucht seit einer Woche eine/n «Leiter/in der Abteilung Freizeitgärten und Gartenberatung» – und das, obwohl der Grosse Rat noch keine Gelegenheit hatte, über einen Vorstoss zum Thema zu debattieren.

Grossrat Raphael Fuhrer (Grünes Bündnis) kann es recht sein: Seine Forderung nach staatlicher Unterstützung landwirtschaftlicher Gartenaktivitäten Privater wird erfüllt, bevor im Parlament darüber gestritten werden konnte. Er hat den Anzug vor den Sommerferien eingereicht, noch hat das Parlament aber Sommerpause. Fuhrer kann sich trotzdem schon mal zurücklehnen, wenn auch nicht richtig entspannt.

Bildungsauftrag weit entfernt

Denn trotz Entwicklungen in die gewünschte Richtung ist man weit vom «Bildungsauftrag» entfernt, den Fuhrer und Konsorten der Stadtgärtnerei gern erteilen würden. Konkret soll die Stadtgärtnerei die Bevölkerung über «den Anbau, die Saisonalität und Artenvielfalt landwirtschaftlicher Produkte» aufklären. Das wird sie nun auch vermehrt tun, aber ohne Auftrag.

«Die Bildungsaufgabe wäre allenfalls die Weiterführung dieser neuen Stelle», sagt Stadtgärtner Emanuel Trueb. Wobei er das Wort «neu» in dem Zusammenhang nicht gern hört. Neu sei der Job nämlich nicht, bloss anders. Die jetzige Leiterin der Abteilung Freizeitgärten hat gekündet, doch statt einfach eine andere Person für ihren Job zu suchen, will Trueb «Synergien schaffen». 

Gemüse und Umweltschutz

Beratungen in Sachen Gemüseanbau, Umweltschutz, Baumfällungen und dergleichen sollen einen wichtigeren Teil als bisher ausmachen und gebündelt werden. Die neue Person wird nebst den Freizeitgärten auch für die Gartenberatung zuständig sein – dies mit Unterstützung eines «kleinen Teams» von sechs Mitarbeitern. 

Gleiche Leute, mehr Beratung

Wobei Trueb auch da relativieren muss: «Es wird keine einzige neue Stelle geschaffen.» Neu wird das bestehende Team der Kompostberatungsstelle mit den Familiengärten-Verantwortlichen als Gartenberatungsteam zusammenarbeiten. Zwar wie bisher nicht am selben Ort, aber im Gegensatz zu bisher als Team. Mehr kann Trueb zurzeit nicht tun, da die Regierung kein Geld für neue Stellen in diesem Bereich gesprochen hat. 

Der Vorstoss von Raphael Fuhrer wird trotz mehr Beratungstätigkeiten zu reden geben, da er sich auf den Artikel 17 der Kantonsverfassung beruft, wonach der Kanton für ein umfassendes Bildungsangebot zuständig sei. Ob er dieses bereits mit besser organisierten Beratungen durch die Stadtgärtnerei erfüllt sieht, ist zu bezweifeln. 

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