Donnerstagmorgen
«Jetzt isch aber fertig!» - mit dem Ändstraich ist die Fasnacht zu Ende

Noch einen letzten Riemen und dann die grosse Leere – der Ändstraich ist der schwermütigste Moment der Fasnacht. Und der Auftakt für sehr viel Arbeit für die Stadtreinigung.

Silvana Schreier
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Ändstraich
13 Bilder
Der Ändstraich der Basler Bebbi.
Die Rhybord-Rueche speisen in der Gerbergasse.
Naarebaschi
Gemeinsam beim Ändstraich
Alti Glaibasler
Ändstraich
Die Furcht erregende, dischtere, unhaimelige Gstalte der VKB.
Nackt am Ändstraich: Die Basler Bebbi
Während auf der einen Seite noch gefeiert wird, wird auf der anderen Seite geputzt.
Nach dem Änstraich gehts an Aufräumen.
Rund 250 Tonnen Abfall hat die Stadtreinigung in den drei Tagen gesammelt.
Und dann ist Schluss.

Ändstraich

Roland Schmid

Ein letztes Mal durch das Räppli-Meer stapfen, einen letzten Marsch spielen, noch ein Mal im Goschdyym die Freie Strasse bis zum Marktplatz hinunter stolzieren. Dann heisst es: Ändstraich. Und: «Aadie, Fasnacht»!

Umringt von Dutzenden noch immer nicht müden Fasnächtlern und Schaulustigen stimmen die Basler Bebbi den Ändstraich an. Ein Liebespaar mit langen schwarzen Gewändern und düsterer Larve in der Hand liegen einander ein wenig abseits in den Armen. Mit Tränen in den Augen lauschen sie dem Trommeln und Pfeifen der Basler Bebbi. Als das Publikum nach den letzten Tönen in Applaus und Gejohle ausbricht, ist es um das Fasnächtler-Pärchen geschehen: Schluchzend halten sie sich aneinander fest. Das Ende der «drey scheenschte Dääg» ist jetzt, um vier Uhr morgens.

Traurige Fasnächtler nehmen Abschied

Während den einen langsam klar wird, dass sie sich nun ein Jahr lang gedulden müssen, bis sie Piccolo oder Trommel, Larve und Goschdyym wieder aus dem Schrank nehmen dürfen, taumeln die anderen weiter in der Kälte durch die Gassen. An ein Ende denken sie noch nicht. Bis die Sonne aufgeht, wollen sie jeden die restlichen fasnächtlichen Momente geniessen.

Zwischen traurigen Fasnächtlern und schwankenden Feierwütigen beginnen um 4 Uhr in der Früh die Stadtreiniger mit ihrer Arbeit: Räppli, Glasflaschen und Kartonschachteln müssen aus den Tramgleisen gesaugt, von den Strassen gefegt und weggebracht werden. Rund 250 Mitarbeitende und etwa 110 Putzfahrzeuge waren laut dem Basler Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) gestern im Einsatz. «Die Stadtreinigung hat rund 250 Tonnen Abfälle eingesammelt», sagt Daniel Hofer, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit des BVD. Das entspreche in etwa dem Durchschnitt der vergangenen Jahre.

Mit Schneepflügen, Besen, Schaufeln, grossen und kleinen Wischmaschinen, Kehrichtwagen, Kleinlastwagen und Baggern beseitigen die Reinigungskräfte während zweier Stunden das Fasnachts-Chaos. Bis um sechs Uhr, wenn die ersten Trams wieder durch die Stadt fahren, müssen die Strassen freigeräumt sein.

Wenn das Goschdyym im Abfall landet

Für zusätzlichen Abfall hat die Spale-Clique gesorgt: Ihr Goschdyym bestand aus gewöhnlichen Strassenkleidern, die sie mit silbernem Klebeband überklebten. Dieses entledigt sich die Clique nach dem Ändstraich auf dem Rümelinsplatz. Nach dem die Fasnächtler schliesslich den Weg nach Hause oder in den nächsten Cliquenkeller angetreten haben, bleiben lediglich kleine Klebebandhaufen zurück. Einzig die ebenfalls beklebten, silbrigen Larven werden vor dem Abfall bewahrt.

Über andere Probleme klagt eine Gruppe junger Partygänger: Alle Essensstände, Cliquenkeller und Bars wollen nach dem Ändstraich Feierabend machen. Getrieben von Hunger und Durst wollen sie an einem Wurststand die übrig gebliebenen Würste und Getränke abstauben. Umsonst natürlich. Der Verkäufer schüttelt müde den Kopf, das könne er nicht machen. Nach mehreren Überzeugungsversuchen der hungrigen Feiernden spendiert er ihnen schliesslich je einen Klöpfer und einen Becher Bier. Und sagt bestimmt: «Jetzt isch aber fertig.» Und das gilt auch für die Fasnacht, die hat Pause bis am 6. März 2017 um 4 Uhr.