Viele junge Frauen stehen in einer langen Schlange vor dem Eingang und niemals kommen alle rein. Nein, das ist nicht der Auftritt der beliebtesten Teenie-Boygroup-Band aller Zeiten. Es ist eine Gerichtsverhandlung. Und ja, nach dem Entscheid dieser Verhandlung darf die Öffentlichkeit Eric Weber einen Nazi nennen. Gestern um 14 Uhr hat das Strafgericht Basel darüber befunden, ob der Polit-Querulant so bezeichnet werden darf. Es sei davon auszugehen, hiess es. Eric Weber beschuldigte in der Verhandlung Jürgen Saalfrank der Ehrverletzung, weil dieser ihn «Nazi» oder «Nazischwein» genannt haben soll.

Der Fall geht zurück auf den 12. März dieses Jahres. Weber verteilte Flugblätter vor der Post auf dem Claraplatz. Er wurde von einem Bodyguard begleitet. Zur gleichen Zeit hielt sich der Beschuldigte ebenfalls in der Stadt auf. Wie Saalfrank behauptet, sei er zufälligerweise an den beiden vorbeigelaufen. Er beschloss, auf Weber zuzugehen, und bezeichnete ihn als «Nazi». Daraufhin suchte Weber das Weite und Schutz hinter einem parkierten Auto. Ab hier gehen die Aussagen der Parteien auseinander.

Weber behauptet, Saalfrank sei ihm «massiv hinterhergerannt», habe ihm Flugblätter aus der Hand gerissen und gedroht. Ausserdem habe er ganze drei Mal «Nazischwein» und nicht «Nazi» gerufen. Sein Bodyguard kann das nicht bestätigen und spricht bloss von einem Mal, wirkt aber sehr unsicher. Saalfrank erlebte einen anderen Samstagnachmittag. Er sagt, dass er den Bodyguard nach der Flucht Webers zur anderen Strassenseite gefragt habe: «Bist du auch so ein Nazi wie der da?». Danach sei schon bald die Polizei gekommen.

Die ernste Nazi-Lachnummer

Die Wahrheit über den genauen Geschehnisablauf kann nicht voll und ganz geklärt werden. Weber bezeichnete sich selber als «Volkshelden Basels» und verneint jegliche Verbindung zum Nationalsozialismus. Er, als Grossrat, fühle sich besonders unter Beschuss. Das sorgt im Saal für Lacher. Saalfrank verzieht dabei aber die Miene: «Weber wird immer nur als Clown dargestellt, in Wahrheit ist er viel gefährlicher als eine Lachnummer.» Mit über 238 Seiten dokumentiert er die politische Biografie Webers und will damit beweisen, dass seine Beleidigung zutreffe. Im Dokument soll unter anderem gezeigt werden, dass Weber Kontakt zu berühmten Nazi-Anhängern wie etwa Karl Richter und Sigrid Schüssler hat.

Neben der Hauptverhandlung macht sich ein anderes Problem bemerkbar: Weber bekommt das Schlusswort und anders als angekündigt, versucht er während 30 Minuten die Vorwürfe der Gegner zu zerstreuen. Es kommt so weit, dass ihn der Gerichtspräsident Lucius Hagemann unterbrechen muss. Weber sagt gerade noch: «Ich bin kein Schwein!» Fest steht, dass die Bezeichnung Webers als Nazi amtlich freigesprochen wurde. Zumindest das dürfte die jungen Frauen gefreut haben.

Basler Politiker Eric Weber dreht durch

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Eric Weber, Grossrat des Kantons Basel verliert während eines Interviews mit der Basler Zeitung die Nerven und wettert gegen die Staatsanwaltschaft, die Schweiz, Basel und Ausländer.