Fasnacht
Jetzt ist Schluss: Schnitzelbängg bitten zum Stelldichein

Die Värsli-Dichter feiern ihren inoffiziellen Ändstraich jeweils erst am Samstag nach der Fasnacht.

D’ Hummele
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Schlussabend Schnitzelbängg

Schlussabend Schnitzelbängg

Weil sich die Schnitzelbängger untereinander während der Fasnacht nicht live sehen können, ist vor vielen Jahren dieser Schlussabend entstanden. Es ist eine Erfolgsgeschichte; denn wenn der Vorverkauf beginnt, ist der Anlass innert weniger Stunden ausverkauft.

Die Bängger gehen am Klosterberg beim Kulissen- und Lieferanteneingang in den Musentempel und da treffen sie im Innern auf prickelnde Theaterluft. Kulisse, Stühle, Kostüme, Larven, Helgenständer, Instrumente sind ein Idyll.

Die Tambouren der Knaben- und Mädchenmusik stimmen gekonnt in den Abend ein. Dann der Eröffnungsvers von Dieter Moor: Er verflicht viele Themen in reinem Dialekt elegant und mit Tiefgang. Sensationell wie eh und je – so hat vermutlich im alten Rom Cicero begeistert - es ist Basler Rhetorik in höchster Vollendung. 1500 begeisterte Gäste applaudieren fest und warten auf 28 Bänke.

Die ganze Bandbreite der Bänggerwelt ist vertreten. In einem Vergleich mit der Musik reichte die Palette von Mozarts kleiner Nachmusik (Singvogel) bis Mussorgskys «Bilder einer Ausstellung» (Hansli Bargäld); von Stephan Eicher bis Metallica.
Es geht los. Der vierte Bangg ist Pierrot – und mit ihm kommt es zur ersten von vielen Ehrungen an diesem Abend. Er erhält einen wunderbaren Helgen für beeindruckende 30 Jahre auf der Route.

Immer allein, nicht einmal ein Helgenträger begleitet ihn - fast wie der einsame Hirte. Liebevoll seine Hommage an seine Frau. Ohne sie wäre er nicht auf der Route und sie näht auch die Kostüme, gibt er bekannt. Das Jubiläumsgoschdyym ist ihr besonders gut gelungen. Darin holt er sich den verdienten Dankesapplaus des Publikums ab.

Ein Grosser tritt ab

Der achte Bangg ist die Gasladärne - alle wissen es, es ist einmalig: 40 Jahre auf der Route, was für eine Leistung. Die Ehrung des Comités ist ergreifend und drückt die tiefe Bewunderung aus. Die schöne Überraschung der Gasladärne - sie sind noch so fit und zwääg, dass sie weitersingen. Chapeau. Ja, das Publikum freut sich ebenfalls. Ein lautes Bravo mit Applaus begleitet die fünf klassisch, würdig aussehenden Bängger an den Bühnenausgang.
Der letzte Bangg vor der Pause heisst Peperoni, es kommt zur nächsten Ehrung.

Auch er ist 30 Jahre auf der Route, der klassische, virtuose Bängger in der Kuh, er istkaum von der Fasnachtszene wegzudenken. Er erhält auch einen Helgen und den wörtlichen Dank vom Comité für seine jahrelangen Verdienste um das Schnitzelbanggwesen. Er eröffnet eine grosse Überraschung - die Kuh kommt nicht mehr, sie geht in den Stall, sagt der Bangger. Das Publikum reagiert spontan mit einer stehenden Ovationen des ganzen Theaters, Verneigung und Wehmut zugleich schwingen mit beim Abschied dieses Spitzenbanggs.
Die Bajassclique eröffnet den zweiten Teil. Bald kommt das Glettyse - auch 30 Jahre Jubiläum - die zwei schrägen Putzfrauen erhalten ebenfalls einen Helgen und die entsprechenden Lobesworte des Comités.

Schlussabend Schnitzelbängg
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Schlussabend Schnitzelbängg
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Schlussabend Schnitzelbängg

Das Glettyse verabschiedet sich mit besonderen Basler Worten vom Publikum und der aktiven Fasnacht; dies mit der anschaulichen Diskrepanz (Kostüm!) zwischen Wurstsalat und Lachsbrötli - Bier und Cüpli, hemdsärmlig und Fliege. Mit einem letzten Pas de deux; tättäh-tättäh -tättäh gehen die beiden nicht eleganten Wyber mit Putzkessel und Bürschteli zum Bühnenausgang - das Theater-Publikum begleitet die beiden ebenfalls mit Standing Ovations.
Nach weiteren Bänggen steht das Anggewegglimaitli auf der Bühne.

Ihr wird die fünfte Ehrung an diesem Abend zuteil. Den Arm in der Schlinge, nimmt sie fast andächtig die Ehrung des Comités in Empfang. Warmherzig, wie sie ihren textlich eigenen und passenden Schachersepp intoniert. Dem Publikum gefällts und dann fliegen noch ihre Weggli in die Runde. Nach dem letzten Bangg dröhnt der Wettsteinmarsch durch den Saal.

Ein guter Jahrgang

Der sehr gute Jahrgang der Bängger und die Comitémitglieder mit ihren passenden Worten zu den Jubiläen bereicherten den wunderbaren Abend.
Die Fasnacht ist ja ein Höhepunkt-Ereignis an sich. Für d’ Hummele gibt es zwei Edelsteine obendrauf; die Laternenausstellung (ein ausländischer Journalist sagte; es ist die grösste Kunstausstellung der Welt) und eben dieser Comité - Schnitzelbank-Schlussabend.
Die Vorfasnachtsveranstaltungen, die vielen Stubete und der *Schlussabend sind der Beweis, dass die Fasnacht mehr als drei Tage dauert. Schön so. Bis zum 19.Hornig 2018.