Basel
Jetzt machen die Basler gegen Warlord Kony mobil

Praktisch über Nacht wurde der Name des Warlords Joseph Kony durch eine Kampagne der Organisation Invisible Children auf der ganzen Welt bekannt. Nun wollen ihn auch die Basler hinter Gitter sehen und rufen auf Facebook zur Massendemonstration auf.

Adrian Gottwald
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Die Veranstaltung auf Facebook.

Die Veranstaltung auf Facebook.

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Wer sich zur Zeit auf sozialen Plattformen im Internet aufhält, kommt nicht darum herum, sich das Video «Kony 2012» anzusehen. Viele Personen haben den Link ihren Freunden gesendet, meistens mit der Aufforderung, diesen ebenfalls an möglichst viele Kontakte weiterzugeben.

Das Ziel des Films ist es, den Warlord Joseph Kony berühmt zu machen, um ihm bis Ende 2012 das Handwerk legen zu können (die bz berichtete.)

Im Film fordert Regisseur Jason Russel die Menschen dazu auf, den Namen Kony am 20. April auf der ganzen Welt zu verbreiten. Dazu sollen Plakate aufgehängt, Graffitis mit seinem Namen gesprayt und T-Shirts mit dem Schriftzug getragen werden.

Auch in Basel grosses Interesse

Diesem Aufruf wollen nun auch die Basler folgen. Der Veranstaltung, die auf Facebook erstellt wurde und sich dafür einsetzt, dass der Name «Kony» am 20. April überall in der Stadt zu lesen ist, haben bereits über tausend User zugesagt.

Bei der Kantonspolizei Basel-Stadt ist bis jetzt noch kein Gesuch für eine Bewilligung des Events eingegangen. Überhaupt weiss die Polizei von der Veranstaltung noch nichts, wie sie gegenüber bz sagt.

«Wir werden aber keine voreiligen Schlüsse ziehen», sagt Klaus Mannhart, Mediensprecher der Kantonspolizei. «Falls keine Bewilligung eingeht, werden wir zuerst das Gespräch mit den Veranstaltern suchen.»

Immer mehr Kritik

Selten hat ein Film in so kurzer Zeit, derart für Aufruhr gesorgt. Vor allem bei jungen Leuten fand der Streifen grossen Anklang.

Zwar sind sich alle einig, dass die schreckliche Herrschaft von Joseph Kony so schnell wie möglich ein Ende finden muss, trotzdem wird immer mehr Kritik laut.

Unter anderem, da gemäss 20min.ch nur ein Drittel der Spenden und Einnahmen, die bei Invisible Children eingehen, nach Uganda weitergeleitet werden.

Aber auch die Vorgehensweise der USA stösst bei vielen auf Unverständnis. Im Film wird gezeigt, wie die amerikanische Armee, durch den Druck der Organisation zum Handeln gefordert, einhundert Soldaten nach Uganda schickt.

Deren Aufgabe besteht darin, die ugandische Armee auszubilden und mit der neusten Technik zu versorgen. Der Fakt, dass diese Armee bereits unzählige Massenmorde an der eigenen Bevölkerung vollzogen hat und nun noch gestärkt wird, versetzt dieser Neuigkeit einen bitteren Nachgeschmack.

Keine Hinterfragung

Doch nicht nur die Produzenten des Films, sondern auch das Zielpublikum muss sich Kritik gefallen lassen. Vor allem die Tatsache, dass viele Jugendliche über das Thema Kindersoldaten kaum Bescheid wissen und trotzdem nun an vorderster Front dagegen ankämpfen scheint absurd.

Zudem wurde der Film bei den Jungen in der Region kaum hinterfragt. Keiner will sich der Massenbewegung und dem damit entstandenen Gemeinschaftsgefühl entziehen.

Bleibt zu hoffen, dass die unglaublichen Kräfte, die eine solche Vereinigung von Menschen mit sich bringt, auch in Zukunft nur für das Gute angewandt werden.