Nur zu gerne standen sie am Frauenstreiktag vom 14. Juni im Scheinwerferlicht. Die Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann und Finanzdirektorin Eva Herzog gaben dem Kantonspersonal frei für eine gemeinsame Pause im Hof des Rathauses und solidarisierten sich mit dem Kampf der Frauen gegen Lohnungleichheit.

Kein Wort verloren sie allerdings darüber, dass gleichentags ein Teil der Staatsangestellten just in einem Beruf, den grösstenteils Frauen ausüben, auf die Strasse ging: Logopädinnen protestierten dagegen, dass sie bei der kantonalen Überprüfung der Lohneinreihungen 2015 um eine Lohnklasse heruntergestuft worden waren. Auch reichten sie, unterstützt vom Deutschschweizer Logopädinnenverband, der Sektion der Region Basel sowie der Freiwilligen Schulsynode, Einsprache bei der Regierung ein. Diesen Herbst wird der Basler Regierungsrat darüber befinden.

Nur Basel-Stadt stellt Logopädinnen schlechter

Dass sich die knapp 60 Basler Logopädinnen wehren, lässt sich anhand der blanken Zahlen einfach nachvollziehen: In Basel-Stadt verdient eine fertig ausgebildete Logopädin zu Beginn pro Monat 6418 Franken. Das sind im Jahr 83 431 Franken, 13. Monatslohn inklusive. Eine Primarlehrerin kommt im Stadtkanton auf 6881 respektive 89 450 Franken. Die Lehrerin, die den jungen Schülern das nötige Wissen vermittelt, verdient also deutlich mehr als jene Fachperson, die teils mit denselben Kindern pädagogisch-therapeutisch an Sprech- und Hörbehinderungen arbeitet. Brisant: In der Deutschschweiz kennt kein anderer Kanton diese finanzielle Schlechterstellung von Logopädinnen gegenüber Primarlehrerinnen.

«Lange waren wir Logopädinnen ruhig, doch jetzt reicht es», sagt Mirjam Kohli zur bz. Die 58-Jährige arbeitet an der Primarschule Wasgenring und unterstützt die Lohneinsprache. Die Herabstufung sei schlicht nicht nachvollziehbar. «Wir leisten vergleichbare Arbeit wie Heilpädagogen», ist sie überzeugt. Diese sind sogar zwei Lohnklassen bessergestellt, Primarlehrer eine. Dass Heilpädagogen einen Masterabschluss vorweisen müssen und bei Logopäden ein Bachelor genügt, könne die Diskrepanz nicht ganz erklären. «Ich selber helfe bei der Weiterbildung von Heilpädagogen», sagt Kohli. Gleichwohl nennt sie als ihr Minimalziel, zumindest mit Primarlehrerinnen gleichgestellt zu werden.

Dort sei ein Hauptargument des Basler Erziehungsdepartements (ED), dass Logopädinnen keine Klassenverantwortung hätten. «Wir müssen dafür medizinisches, linguistisches, psychologisches und pädagogisch-therapeutisches Fachwissen vorweisen», so Kohli. Ausserdem würde ihnen gemäss geplanten Richtlinien des ED noch mehr Verantwortung übertragen. Und seit der Baselstädtische Logopädische Dienst 2012 aufgelöst wurde und man direkt den Schulleitungen unterstellt worden sei, sei die Arbeit viel komplexer und anspruchsvoller geworden.

«Schulleiter sind natürlich nicht vom Fach, können nun aber entscheiden, welche Schüler uns zugeteilt werden.» Kohli betont explizit, dass sie nicht aus Frust über ihre persönliche Arbeitssituation handle, denn ihre Schulleitung zeige viel Verständnis. Ob der Basler Regierungsrat die Herabstufung zurücknimmt, sei schwierig einzuschätzen. Kohli gibt sich aber grundsätzlich zuversichtlich. Auf Anfrage der bz wollten weder das ED noch der Regierungssprecher zum laufenden Verfahren Stellung nehmen.