Antoniuskirche

Jetzt schlägt die Stunde der Streitschlichter: Die Petition geht in die nächste Runde

Die Antoniuskirche: eine Freude für Architekturhistoriker, ein Leid für die Anwohner.Bild: Georgios Kefalas/Keystone (2. Juli 2010)

Die Antoniuskirche: eine Freude für Architekturhistoriker, ein Leid für die Anwohner.Bild: Georgios Kefalas/Keystone (2. Juli 2010)

Rund zwei Tage vor Ablauf der Unterschriften-Sammelfrist waren gestern die benötigten Unterstützer gefunden. Über hundert Stimmen erheben sich bereits gegen die in ihren Augen zu lauten Kirchenglocken der Antoniuskirche. Nun schaltet sich das Stadtteilsekretariat Basel-West ein und versucht, den Konflikt ohne rechtliche Schritte zu schlichten.

In letzter Zeit seien vermehrt Anwohner auf ihn zugekommen und hätten sich über das Kirchengebimmel beschwert, wie der Sekretariatsleiter Yorick Tanner berichtet. Zwar «brenne» es im Quartier noch nicht, das Problem sei aber ernst zu nehmen.

So will Tanner nun klagende Anwohner und kirchliche Vertreter zusammenbringen, um gemeinsam eine Lösung anzustreben. Im Optimalfall schalte sich das Stadtteilsekretariat bereits für Schlichtungsversuche ein, bevor solche Massnahmen wie Petitionen ergriffen werden.

Fehlende Rechtsgrundlage lässt Kirchen freie Hand

Ein Basler Regierungsratsbeschluss von 2011 spricht ohnehin gegen allzu grosse Hoffnungen seitens der Petenten. Damals verlautete die Regierung, dass es für Kirchengeläut «weder im Bundesrecht noch im kantonalen Recht konkrete Regelungen» gäbe, und deshalb im Einzelfall geprüft werden müsse, ob die Kirchenglocken die Bevölkerung «nach Stand der Wissenschaft erheblich» störe.

Grundsätzlich entscheide sich der Regierungsrat aber für das Kirchengebimmel: «Der Tradition sowie der religiösen Bedeutung des Geläuts ist ein grösseres Gewicht beizumessen als dem Ruhebedürfnis Einzelner.»

Auf Anfrage nach einer Einschätzung zum aktuellen Fall verweist das Basler Amt für Umwelt und Energie auf einen Bundesgerichtsentscheid aus dem Jahre 2017. Damals machte das nationale Gericht einen Entscheid des kantonalen rückgängig und gewährte der evangelisch-reformierten Kirche im Zürcherischen Wädenswil die Beibehaltung der nächtlichen viertelstündlichen Glockenschläge. Die Entscheidung wurde ebenfalls unter dem Argument der Traditionstreue getroffen.

Eine Alltags-Lärmquelle unter vielen Gesetzlich gelten durch Kirchenglocken erzeugte Lärmimmissionen laut Amt für Umwelt und Energie als «Alltagslärm». Somit existiere für das Geläute kein festgelegter Grenzwert. Es werde gleich behandelt wie beispielsweise Autolärm.
Zudem seien «Reklamationen wegen kirchlichem Glockengeläute in Basel im Vergleich mit anderen Lärmarten fast schon vernachlässigbar». In den letzten zwei Jahren seien beim Amt lediglich jeweils drei eingegangen, während des laufenden Jahres eine. Diese Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu geniessen: «Oftmals setzen sich die Betroffenen direkt mit der Kirchenverwaltung in Verbindung, um eine gemeinsame Lösung zu finden», so Harald Hilker, Leiter der Lärmschutzabteilung.

Auch einige Anwohner bezeichnen das Kirchengeläut als nur kleine Lärmquelle unter vielen. So seien in der an die Antoniuskirche angrenzenden Liegenschaft gewisse Lärmemissionen von Privatpersonen wesentlich schwerwiegender als jene der Kirche, wie eine Bewohnerin sagt.

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