Es geht vorwärts am Bahnhof SBB. Das ist die gute Nachricht. Der Westflügel und der Elsässer Bahnhof werden sogar schön und einladend. Mit viel Licht und viel Platz. Die schlechte Nachricht ist: Es dauert. Die SBB rechnen damit, dass der neue Westflügel im ersten Quartal 2021 eröffnet wird. Bis es soweit ist, ist von den 120 000 Personen, die den Bahnhof täglich frequentieren, Geduld gefragt. Der Umbau ist nämlich nur «en bloc» möglich, wie Marc Brunkhorst, der Gesamtprojektleiter, gestern vor den Medien erklärte. «En bloc» heisst: Alles muss raus.

Essen aus historischen Schaltern

Einige Läden ziehen während des Umbaus in ein Provisorium, andere wie die Brasserie schliessen ganz und eröffnen im umgebauten Westflügel wieder. Die Migros kommt neben die Rolltreppe unter die Fahrplan-Anzeige in die Schalterhalle. Damit sie nicht zu viel Platz einnimmt, werden die Rampe zur Passerelle abgebrochen und ein Ersatz beim Gleis 4 erstellt. Vis-à-vis hinter den historischen Schaltern entstehen die Theken der Gourmessa. Das grösste Provisorium entsteht für die Mitarbeiter des Zolls im französischen Bahnhofteil auf Gleis 35.
Die Arbeiten an den Provisorien beginnen demnächst und dauern bis im Frühling. Dann wird der Westflügel gesperrt und damit auch der Durchgang zwischen Elsässer Bahnhof und Schalterhalle. Wer aus Frankreich kommt oder nach Frankreich will, muss aussen am Bahnhofgebäude vorbeigehen. Dort trifft er mit grosser Wahrscheinlichkeit auf wartende Bus-Passagiere mit Rollkoffern, die an den Flughafen möchten. Es wird also eng; enger noch als es sonst schon ist rund um den Bahnhof. Deshalb wird das Trottoir bei der Bushaltestelle leicht verbreitert.

Der Umbau wird zu einer Geduldsprobe. Aber er ist nötig: Die Haustechnik ist völlig veraltet, ausserdem muss das Gebäude einer Asbestsanierung unterzogen werden. Im Westflügel wird das Zwischengeschoss entfernt, sodass die ursprüngliche Bogenstruktur sichtbar wird. Auch der Elsässer Bahnhof wird entrümpelt. Die Halle, die heute mit den klotzförmigen Bauten der Zollstelle versehen ist, wird mit einem Café und Tischchen aufgewertet.
Mit 7000 Quadratmetern bietet der neue Westflügel 1000 Quadratmeter mehr Hauptnutzfläche als heute. Die grösste neue Fläche entsteht im Untergeschoss des Elsässer Bahnhofs. Dort entsteht eine Migros-Filiale, die man über eine Rolltreppe erreicht. Der Zoll kommt nach dem Umbau nicht mehr in den Elsässer Bahnhof, sondern näher zu den Gleisen.

Visualisierung des Migros-Provisoriums in der Bahnhofhalle.

Visualisierung des Migros-Provisoriums in der Bahnhofhalle.

Denkmalschutz über alles

Für den Westflügel lag bereits 2010 ein fertiges Vorprojekt auf dem Tisch. Wegen Kostensteigerungen wurde dieses 2012/13 gestoppt. Nun liegt die Baubewilligung für die Provisorien vor, jene für die Sanierung ist beantragt. Dass es so lange gedauert hat, liegt auch an den schwierigen Rahmenbedingungen. Der Bahnhof Basel SBB ist in einem denkmalgeschützten Gebäude. Deshalb wurde die kantonale Denkmalpflege stark in die Planung miteinbezogen. So fügen sich sogar die Provisorien in der Schalterhalle nahtlos in ihre Umgebung ein.

Bei der Denkmalpflege ist man zufrieden, und auch der Heimatschutz kann unterdessen mit dem Projekt leben. Noch im März wehrte er sich gegen die Pläne. Der Grund war, dass die Schalterhalle mit Verkaufsständen vollgestopft werden sollte. «Da die SBB durch den Umbau den historischen Charakter des Bahnhofsgebäudes erhalten, finden wir uns damit ab», sagt Christof Wamister, Präsident des Basler Heimatschutzes. Sie hätten keine Einsprache eingereicht. Für die Pendler werde es zwar eng: «Aber das ist das Problem der SBB.»