Es ist ein Countdown der speziellen Art, der zurzeit beim Amt für Umwelt und Energie (AUE), wo die kantonale Fischereiaufsicht angesiedelt ist, stattfindet. Wann erreichen die Rheintemperaturen 25 Grad? Heute? Morgen? Am 1. August – oder gar nicht? Derzeit ist der Rhein in Basel 24,7 Grad warm. Was menschliche Schwimmer als Segen empfinden, ist für Fische ein Fluch: Sie leiden unter dem für sie zu warmem Wasser und generell unter der Hitze. Was tun sie? Sich in der Tiefe, wo es noch kühl ist, verkriechen. Wie lange hilft das noch?

Denn wenn die Hitzewelle anhält und der Rheinpegel weiter sinkt, könnte auch dieser Fluchtort nicht mehr genug Abkühlung bringen, wie AUE-Chef Matthias Nabholz weiss: «Je wärmer der Rhein wird, desto kritischer wird es für die Fische.» Die kritische Grenze sei einmal bei 25 Grad festgelegt worden, wobei das nicht heisse, dass dann alle Fische sterben würden.

«Bei Fischen verhält es sich wie bei Menschen. Die einen ertragen die Hitze besser, die anderen schlechter», sagt Nabholz. Im Hitzesommer 2003 betrug die Rheintemperatur in Basel zeitweise 26 Grad und mehr, dennoch kam es damals zu keinem Massensterben im Rhein. Tote Fische aber, das gab es: Hunderte Aale gingen in Basel zugrunde und die Forellenpopulation nahm ab. Die Bilder von damals erinnerten gar an die Chemiekatastrophe von Schweizerhalle 1986.

Hitze-Gewinner ist ein Fremdling

Während Aale und Forellen auch jetzt wieder leiden, ist es ausgerechnet ein Rheinfremdling, dem die Hitze nichts ausmacht: Die Grundel erträgt die Hitze besser als andere Arten, was wiederum der Fischereiaufsicht Bauchschmerzen bereitet: Diese Art, die vor einem Jahr offiziell als invasiv deklariert wurde, stellt eine Konkurrenz für die einheimischen Arten dar. «Die warmen Temperaturen scheinen der Schwarzmeergrundel zu gefallen, zumindest nimmt deren Population nicht ab», sagt Matthias Nabholz.

Beliebte Arten wie die Äsche oder die Bachforelle hingegen seien ernsthaft bedroht. Der Fischereiaufsicht sind die Hände gebunden: «Während wir die Tiere in kleinen Gewässern abfischen können, bleibt uns bei sieben Kilometern Rhein nichts anderes übrig, als zu hoffen, dass sich dieser nicht noch mehr erwärmt», sagt Nabholz. Er wisse, dass dies wohl ein frommer Wunsch sei: Die Temperaturen steigen langsam, aber sie steigen.

Kein Problem seien die Baggerarbeiten im Rhein. Weil die Schifffahrtsrinne vertieft wird, müssen die dortigen Fische zwar ausweichen. Aber: «Das sollte kein Problem sein, da es rund um diese Baustelle noch genug tiefes Wasser gibt», sagt Nabholz. Bisher hätten seine Leute noch keine toten Fische im Rhein gefunden. «Mit knapp 600 Kubik pro Sekunde gibt es noch genug Wasser.»