Fragen über Fragen, auf der Bühne und bei den Zuschauern. Wir befinden uns in einer Art Seminarsaal, zwei drei Stühle, ein Tischchen, der Beamer und der PC scheinen in Betrieb. Der Moderator ist eine Art ungelenker Videokünstler, ein Performer, schweizerisch bescheiden und doch nebenbei erwähnend, dass auch New Yorker Freunde im Saal seien, er habe eine Trilogie geschaffen, nämlich «Past, Present and Future». Man kommt nicht draus und findet anfänglich auch nicht richtig hinein, weil nichts funktioniert.

Unser Moderator muss eine Panne nach der andern überbrücken und erzählt uns in Verlegenheit, wer am Tisch sitzt und was das Video und die Performance eigentlich will. Es ist eine Live-Aufnahme, die als Kunst eingespielt wird. Existenzielle Kunstfrage: Wie lange geht es, bis das letzte Stück Brot aus dem Körbchen genommen ist? Wagt es jemand, die letzte Praline zu nehmen?

Bös-Absurdes tritt in den Vordergrund. Die Fragen häufen sich: Kann man alles zu «Kunst» erklären, ist es ein böses Spiel, das Rittmeyer mit uns treibt? «Nur blinde Katzen träumen von schwarzem Schnee», man weiss nicht, ob man lachen oder aufschreien soll. Eine Parodie des Kunst-Erklärers ist glänzend. Oder: Was spricht man so am Tisch? Übergewicht? Gletscherschwund? Nairobi? Tanzkurs? Seine Bekannte lacht immer, wenn sie Nein sagt, mit langgezogenen I, Neiineiii.

Wenn wir am Bankschalter den OK-Button drücken, schauen wir immer kurz links und rechts. Viele sind modische Stumm-Niesser geworden. Neue Berufe gibt es auch: den Digitalfoto-Löscher-Fachmann Und es gibt einen Mann, der auf der Toilette im Zug das grösste Problem hat, wenn die Schüssel verschmutzt ist, wenn er kommt, denn wenn er geht, könnte der Nächste glauben, er habe sie verschmutzt. Also putzt er intensiv. Aber dann: Ist das letzte Papierchen an der WC-Rolle Kunst, eine Performance, die man nicht entfernen, geschweige denn brauchen darf?

Eigene Kunst langweilt

Rittmeyer geht an szenische Grenzen, ringt nach Worten, spielt einen richtig schlechten Künstler und Moderator, phasenweise geht gar nichts mehr, er scheint überfordert, mit seiner Fantasie am Ende, er wird langsam, man hat das Gefühl, er laufe nächstens von der Bühne. Seine eigene Kunst scheint ihn zu langweilen. Das ist grosse Klasse. Aber bei aller Detail-Fülle: Es fehlt dem Abend vor Alltagsbeobachtungen und kunterbunt-kruden Einfällen das Verbindende, der Tiefgang, das Sortierte. Es sind Blätter, kein Buch. Eine Schlusspraline: Die scheiternde Lippenleser-App bei Mundart! Ein gefundenes Fressen! «Noch Fragen?» So brüsk gefragt: Sicher nicht! Heimlich aber ist es klar: Hunderte!

Weitere Vorstellungen bis 4. Februar jeweils Donnerstag bis Samstag 20.30 Uhr.