Stolzes Jubiläum

Jodlerclub Echo ist einer der wenigen überlebenden Vereine

Der Jodlerclub Echo Basel am Jodlerfest in Bern im Juni 1949. Heute ist der Club immer noch vital.ZVG

Der Jodlerclub Echo Basel am Jodlerfest in Bern im Juni 1949. Heute ist der Club immer noch vital.ZVG

Den Jodlerclub Echo dar heuer jubilieren. Den Club gibt es bereits seit 75 Jahren. Und das mitten in einer grossen Stadt wie Basel. So manch anderer Verein musste aufgeben, doch der Jodlerclub hielt durch.

Einmal in der Woche fühlt sich Ernst Knaus wie neu geboren. Und zwar jeweils am Mittwoch – nach der wöchentlichen Probe mit dem Jodlerclub Echo Basel. «Danach bin ich ein anderer Mensch», erzählt Knaus lachend. Beschwingt und gut gelaunt.

Mitten in Basel wird gejodelt und gesungen, was das Zeug hält. Und das seit 75 Jahren. So lange gibt es den Jodlerclub Echo Basel schon; jetzt wird Jubiläum gefeiert. Über 300 Mitglieder und Anhänger zählt der Verein. Aktiv machen rund 25 Personen mit; sie singen, jodeln und musizieren. «Aus dem zaghaft gewachsenen Pflänzchen ist ein stattlicher Verein geworden», schreibt Sekretär Ernst Knaus stolz auf der Club-Homepage.

Reibereien kurz nach Gründung

Dass ein Verein so lange überlebt, ist nicht selbstverständlich – besonders ein Verein, der etwas pflegt, das in der heutigen modernen Welt vielen nur ein müdes Lächeln entringt. «Unsere tolle Kameradschaft schweisst uns stets zusammen», erklärt Knaus. Doch auch der Jodlerclub hatte in seiner langen Geschichte einige Klippen zu umschiffen. Im Jahre 1947, zehn Jahre nach seiner Gründung, rumpelte es intern besonders heftig. Grund dafür war der damalige Präsident Albrecht Burger, der zwar sehr initiativ und engagiert war, aber gleichzeitig auch aggressiv und diktatorisch. Der Verein spaltete sich: Ein Teil der Aktivmitglieder trat aus und gründete später das Jodlerdoppelquartett «Alphüttli».

Momentan sei der Verein aber harmonisch unterwegs, versichert Knaus. Er selber ist bereits seit 45 Jahren dabei; seit 1974 als Sekretär. Für den Toggenburger war das damals der beste Weg, um in Basel heimisch zu werden. «In einem Verein lässt sich viel leichter ‹Würzeli› schlagen», hält er fest. Der Club hat ihn dann auch in der Region Basel fest behalten. Der Gemeinschaftsgeist im Jodlerclub sei toll. «Auch die Gesprächskultur ist sehr gut. Die Mitglieder kommen aus allen möglichen Berufsgruppen, und man kann über Gott und die Welt reden.» Gemeinsames Singen sei ein wunderbarer Ausgleich für den trüben Alltag, schwärmt Knaus.

Abstinente Jodler

Gegründet wurde der Verein im August 1937. Der aus dem Kanton Bern zugezogene Ernst Nussbaumer vermisste in Basel einen Jodlerchor. Zusammen mit seinem Schwiegervater in spe, Fritz Häsler, sowie Fritz Benz, Walter Süss und Sepp Bianchi gründete er kurzerhand einen. Mit den Namen «Enzian» setzte sich Nussbaumer jedoch nicht durch: Seine Kollegen, allesamt Abstinenzler, dachten dabei an Schnaps. Nussbaumer wiederum lehnte den Vorschlag «Abstinenzlerchörli» ab, da er auch Nicht-Abstinenzler aufzunehmen wollte. Schliesslich verkürzte man den Vorschlag «Echo von Blauen» auf «Echo».

Der Sekretär ist überzeugt, dass das «Echo» auch in einem Vierteljahrhundert noch ertönt und dann den 100.Geburtstag feiern kann. Bis dahin muss der Club aber schon noch Gegensteuer geben gegen die Überalterung: «Das Durchschnittsalter liegt bei 62 Jahren», schätzt Knaus. «Wir leiden unter einem Phänomen, das fast alle Vereine trifft: Die Jungen wollen sich nicht mehr binden.» Heute gehe man spontan ins Kino, wenn man Lust habe – ein Verein, der eine wöchentliche Anwesenheitspflicht mit sich zieht, sei da weniger attraktiv. Der Jodlerclub nimmt übrigens Frauen auf, auch wenn er wegen seines Repertoires als Männerclub gilt: Aktuell sind drei Jodlerinnen dabei.

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