«Räumen, abreissen, absperren.» Für den Basler SVP-Grossrat Joel Thüring ist die Strategie am Allschwiler Weiher klar. Für die 30 bis 50 Leute, die den leerstehenden ehemaligen Schiessstand am letzten Freitag besetzt haben, hat er wenig Verständnis. Und er will, dass die Baselbieter Polizei rasch handelt: «Sei es der Schiessstand oder das Hafenareal, diese Besetzungen erinnern an die Villa Rosenau. Ich bin der Ansicht, man sollte hier eine Nulltoleranz-Strategie fahren.»

Ganz anders beurteilt SP-Grossrätin Sarah Wyss die Lage auf dem Grundstück, das zwar in Allschwil liegt, aber dem Kanton Basel-Stadt gehört: «Einfach zu räumen bringt gar nichts. Man sollte mit den Leuten in Kontakt treten, fragen, was sie dort machen und was sie vorhaben.» Und Basta-Chef Urs Müller pflichtet ihr zu, wenn sie eine Kontaktaufnahme fordert: «Man soll das Gespräch suchen, damit der Auszug dann stattfindet, wenn dort wirklich etwas gebaut werden soll.»

Ausgangslage ist klar

Die Fakten: Seit dem letzten Freitag halten drei bis vier Dutzend Personen den ehemaligen Schiessstand Allschwilerweiher besetzt. Sie haben das historistische Gebäude zur Trutzburg der Zwischennutzung umgewandelt. Über dem Eingang hängt ein Fabelwesen, Parolen prangen an den Wänden und im und um den Schiessstand üben sich die Besetzer in szenetypischen Freizeitaktivitäten; von langen politischen Diskussionen bis zum Bogenschiessen. Gespräche mit den Besetzern sind schwierig, wie bereits einige Journalisten erfahren mussten: «Bitte halten Sie sich in Ihrer Funktion als Medienschaffende vom Allschwiler Schiessplatz fern», steht nun auf einem Internetblog zu lesen. Unterzeichnet wurde auch hier mit «die Besetzenden» Anonymität ist den Neu-Allschwilern wichtig.

Der Sprecher der Baselbieter Polizei, Meinrad Stöcklin, sieht eine eindeutige rechtliche Lage: «Die Besetzer haben Hausfriedensbruch begangen und es liegt eine Anzeige der Besitzerin, vor. Die Besetzer wissen, dass sie sich illegal auf dem Gelände aufhalten, darüber haben wir sie aufgeklärt.» Dass die städtische Immobilienverwaltung Anzeige erstattet hat, ist Müller ein Dorn im Auge: «Diese Anzeige hat es nicht gebraucht.» Joel Thüring dagegen findet den Schritt richtig und fordert nun eine sofortige Räumung.

Nicht abwarten sondern räumen

Dass die Baselbieter Polizei einen geeigneten Moment für die Räumung abwarten will, hält er für verfehlt: «Man kann nicht beim Harassenlauf mit einem Militärhelikopter jugendliche Biertrinker verfolgen und dann bei Vorliegen einer Anzeige ein besetztes Gebäude nicht räumen.» Seine Intimfeindin Wyss widerspricht: «Räumen an einem Ort führt zu einer Besetzung an einem anderen Ort.»
In einem Punkt sind sich die beiden aber einig: Der Kanton habe die Schiessanlage zu lange leer stehen lassen. Das stimme so nicht, sagt die Sprecherin von Immobilien Basel, Barbara Neidhardt. Die Planung sei weit fortgeschritten, aber aufgrund der Bodenbelastung mit Blei nicht einfach gewesen: «Ein Grossteil der Anlage soll ein öffentlich zugänglicher Grünpark sein. Wo heute die Parkplätze liegen, sollen Wohnungen gebaut werden.» Der seit 2008 leer stehende Schiessstand solle teilweise erhalten und öffentlich genutzt werden.