Der FC Basel will den St. Jakob-Park kaufen. «Wenn man als Fussballclub in der Schweiz wirtschaftlich denkt und die eigenen Möglichkeiten auslotet, dann ist das ein Schritt, der interessant sein könnte. In welcher Form dies geschehen könnte, gilt es zu überprüfen», schreibt der Club, nachdem die «Basler Zeitung» die Pläne gestern publik gemacht hat. Dass bereits Gespräche stattgefunden haben, wird hingegen nicht bestätigt – weder vom FCB, noch von der Stadion-Genossenschaft. Deren Präsident, alt CVP-Nationalrat Markus Lehmann, sagt: «Bis jetzt hat es weder ein Angebot noch ein konkretes Gespräch gegeben.»

Die Genossenschaft hat rund 900 Mitglieder. Die bz hat mit mehreren von ihnen über die Möglichkeit eines Verkaufs gesprochen und die öffentlichen Jahresberichte durchleuchtet. Sowohl die Gespräche als auch die Zahlen in den Bilanzen legen nahe, dass es trotz Rückstellungen von 3,6 Millionen Franken künftig knapp werden könnte, das mittlerweile 18-jährige Bauwerk zu unterhalten. Im Jahresbericht von 2017 steht, dass sich der Unterhaltsaufwand des Gebäudes gegenüber dem Vorjahr verdreifacht habe und dass dieser finanzielle Mehraufwand nur dank Sondererträgen aus der Champions League gedeckt werden konnte. Zwei Jahre vorher schrieb Lehman sogar, dass es vom sportlichen Abschneiden des FCB abhängen werde, ob künftige Investitionen ins Stadion «ohne Unterstützung unserer beiden Kantone» möglich sein werden.

Ein Grund für die Skepsis ist der aktuelle Vertrag zwischen dem FCB als Mieter und der Genossenschaft als Vermieterin. Laut Lehmann läuft dieser noch bis 2020. Er sieht vor, dass der FCB in normalen Jahren 3,8 Millionen Franken Miete bezahlt, in Jahren mit Champions League 4,8 Millionen Franken. «Das sind effektiv relativ günstige Konditionen für den FCB», sagt Lehmann. Dennoch betont er, dass in den letzten Jahren genügend Rückstellungen getätigt worden seien und dass die Genossenschaft über gesunde Finanzen und ein Stadion, das «im Schuss» sei, verfüge.

Dass der FCB relativ wenig Geld für «sein» Stadion aufwenden muss, ist politisch gewollt. Der Baurechtsvertrag zwischen der Einwohnergemeinde Basel als Grundstückeigentümerin und der Genossenschaft sieht lediglich einen Baurechtszins von etwas über 22 000 Franken pro Jahr vor. Der Vertrag läuft bis 2099 und gemäss Angaben auf der Homepage der Genossenschaft wird der Baurechtszins alle zehn Jahre neu ausgehandelt. Es gibt Hinweise, dass es 2019 wieder so weit sein dürfte und dass der Kanton dann zusätzliche Forderungen stellen könnte, etwa an die energetische Sanierung des Gebäudes. Lehmann konnte gestern weder bestätigen, noch dementieren, dass diese Verhandlungen anstehen. Auch der Kanton beantwortet keine Fragen zu einzelnen Baurechtsverträgen.

Investor als Retter in der Not?

Wenn es so weit kommt, dass die Rückstellungen der Genossenschaft nicht ausreichen und die Kantone für die Sanierung aufkommen müssen, könnte der FCB tatsächlich als Retter einspringen. Sollte es Präsident Bernhard Burgener gelingen, gemeinsam mit einem Investor das Stadion zu kaufen und damit auch die finanzielle Verantwortung für die Instandhaltung zu übernehmen, ist ein Verkauf «grundsätzlich denkbar», wie mehrere Genossenschaftsmitglieder bestätigen. Auch Lehmann sagt, dass «über alles diskutiert werden darf» und dass das Kaufinteresse des FCB in der nächsten Vorstandssitzung ein Thema sein wird.