Stimmen-Festival

José James verliert gegen den Regen

José James eröffnete das Stimmen-Festival 2016 im verregneten Rosenfelspark.

José James eröffnete das Stimmen-Festival 2016 im verregneten Rosenfelspark.

Pünktlich zum Konzertbeginn öffnete der Himmel seine Schleusen. Der Soulmusiker aus Brooklyn vermochte dem Nass am Stimmen-Festival wenig entgegenzusetzen und ging unter.

Malerisch ist er und eigentlich der bessere Spielort am Stimmen-Festival in Lörrach: der Rosenfelspark östlich des Bahnhofs. Schön also, dass die Eröffnung des Festivals für einmal hier stattfand und nicht auf dem Marktplatz oder im Burghof. Obwohl sich die Veranstalter letzteres wohl gewünscht hätten. Denn nachdem es am Dienstag erst nur leicht geregnet hatte, öffnete der Himmel pünktlich zu Konzertbeginn seine Schleusen und das Publikum rettete sich in die Zelte und unter die Bäume, sofern es denn überhaupt erschienen war.

José James beschwert sich

Schwierige Voraussetzungen für José James, dessen Musik eher im sanften Soul zu Hause ist. Eine Gruppierung der härteren Gangart hätte das Publikum vielleicht zum Tanz im Regen verführt. Sichtlich genervt beklagte James aber schon nach dem Opener «It’s all over your body» das feuchte Wetter und kündigte an, seine Gitarre mehrfach stimmen zu müssen. «This rain is making my guitar very unhappy» – und ihn offensichtlich auch. Stimmen am Stimmen also.

Dass in seinem zweiten Song dann die Regen-Metaphorik exzessiv bedient wurde, hatte fast etwas Ironisches. «Love like rain» heisst es beispielsweise in «Let it fall» und der Regen fiel und fiel, von Liebe aber keine Spur. Dazu war James Musik einfach zu seicht für diesen Moment. Nette mid-tempo Nummern und eine grossartige Stimme reichen unter diesen Bedingungen einfach nicht aus, zumal der Bass sehr dominant war und das Keyboard kaum durchdrang. So fehlte die Füllung in den Mittellagen.

Hätte er die Songs ein klein bisschen schneller gespielt, der Funke wäre womöglich übergesprungen. So aber gab es zwei starke Momente: Zum einen das Titelstück seines letzten Albums «While you were sleeping», das stark an die norwegischen Madrugada erinnerte und einen angenehmen Kontrast zum restlichen Programm darstellte. Diese Vielfalt hatte man sich gewünscht. Zum anderen der Klassiker «Aint’ no sunshine» von Billy Withers, den er mit seiner Band in die Ewigkeit ausdehnte. Da kam Spielfreude auf und man spürte wie das Publikum sich auf mehr vorbereitete. Tatsächlich folgte ein funky Teil, in dem James seine stimmliche Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellte, indem er zwischen Sprechgesang und voller Soul-Stimme souverän hin und her sprang.

Von dieser Lust am Experiment hätte es mehr gebraucht, mehr Wagnis. Stattdessen kehrte er zur Bedächtigkeit des Anfangs zurück und nach der kurzen Ankündigung eines letzten Songs war Schluss. Versprochen war ein Ausblick auf sein neues Album «Love in a time of Madness». Dafür war dieses Konzert eigentlich prädestiniert, aber eben …

Spielorte besser auswählen

Wenn man sich vorstellt, er hätte an einem lauen Sommerabend gespielt: Das Publikum hätte entspannt seiner Musik gelauscht, stehend oder sitzend, es wäre vielleicht ein gutes Konzert geworden. Die Umstände waren aber andere und der gute José James unternahm denkbar wenig, um gegen die Tristesse anzukämpfen. Wirklich schade. Dabei sind es genau diese Konzerte, die das Stimmen Festival trotz der mittlerweile grossen Konkurrenz einzigartig machen. Wirklich grosse Musiker aller Sparten an einem Festival. Atmosphärische Spielorte und das eine oder andere Grosskonzert auf dem Marktplatz, auch wenn die ganz grossen Acts nicht mehr zu finanzieren sind.

Umso wichtiger scheint es, die einzelnen Spielorte spezifischer auf das Programm und entsprechend das Publikum auszurichten. Im gastronomischen Bereich besteht da noch eindeutig Verbesserungspotenzial. Wenn wir auf das Bild von einem lauen Sommerabend zurückkommen, dann möchte das Publikum in dem Moment auch qualitativ hochstehende Getränke. In der Hoffnung auf eine Stimmungsaufhellung hatte ich einen Mojito bestellt. Er schmeckte scheusslich und half mir dementsprechend auch nicht weiter.

Das Konzert von Suzanne Vega von am Mittwoch wurde dann schon in den Burghof verlegt. Hoffen wir, dass Ed Motta am Donnerstagabend das Wetterglück hold ist, denn er passt wie kein Anderer in den Rosenfelspark.

Nächste Konzerte im Rosenfelspark: 14.7. 20 Uhr Ed Motta/Carmen Souza.  15.7. 20 Uhr Hindi Zhara/Holly Macve. 16.7. 20 Uhr Akua Naru/Rocky Dawuni. www.stimmen.com

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