Jubiläum
Das Neue Orchester Basel geht auf eine Gedankenreise mit Bach und Gershwin

Das Neue Orchester Basel feiert diese Saison seinen 40. Geburtstag. An diesem Wochenende wird mit Bach und Gershwin gefeiert. Gast ist die junge Pianistin Mélodie Zhao.

Reinmar Wagner
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Im aktuellen Programm können sich die Musikerinnen und Musiker des Neuen Orchester Basel in zwei ganz unterschiedlichen Klangsphären beweisen.

Im aktuellen Programm können sich die Musikerinnen und Musiker des Neuen Orchester Basel in zwei ganz unterschiedlichen Klangsphären beweisen.

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Wenn ein «neues» Orchester seinen 40. Geburtstag feiern kann, dann scheinen ein paar Leute einiges richtig gemacht zu haben. Eine Lustfahrt im Luxusabteil war diese 40-jährige Reise aber keineswegs, seit das Neue Orchester Basel (NOB) 1982 vom ungarischen Dirigenten Béla Guyas, einem Schüler von Sergiu Celibidache, gegründet wurde. Es gab immer wieder auch unruhige und finanziell herausfordernde Zeiten, und als Guyas 2012 starb, war die Zukunft «seines» Orchesters ungewiss.

Dirigent und Orchesterleiter Christian Knüsel.

Dirigent und Orchesterleiter Christian Knüsel.

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Christian Knüsel, ein junger Musiker aus Basel, der aufgrund einer Krankheit sein Instrument, die Trompete, nicht mehr spielen durfte und sich zum Dirigenten ausbilden liess, konnte schliesslich erfolgreich in die Fussstapfen Guyas treten und wieder Stabilität ins NOB bringen. Beibehalten – oder sogar ausgebaut – hat Knüsel dabei das Kernanliegen des Ensembles, jungen Berufsmusikern eine Plattform im Orchesterspiel zu bieten.

Nachwuchsförderung und professionelle Qualität

Gerade dieses Markenzeichen und die damit verbundenen ständigen Wechsel unter den Musikern hat allerdings immer wieder beigetragen zu manchmal recht unterschiedlichen Konzertauftritten und etlichen mittelmässigen bis ziemlich miserablen Kritiken in den lokalen Zeitungen – die Guyas 2004 so stark erzürnten, dass er der «Basler Zeitung» temporär ein Hausverbot erteilte. Knüsel sieht es heute als eine seiner Hauptaufgaben an, neben der Nachwuchsförderung, die professionelle Qualität des Orchesters auf einem zuverlässig hohen Niveau zu halten.

Die junge Start-Pianistin Mélodie Zhao.

Die junge Start-Pianistin Mélodie Zhao.

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Im aktuellen Programm können sich die NOB-Musiker in zwei ganz unterschiedlichen Klangsphären beweisen: in barocker Orchestermusik von Bach und dem jazzigen Big-Band-Sound von George Gershwin. Für zusätzliche Farbtupfer sorgt Mélodie Zhao, die 27-jährige Westschweizer Pianistin, die heute in Berlin lebt. Das einstige Wunderkind hat sich souverän etabliert im Konzertleben, hat Tschaikowsky-Konzerte und alle Beethoven-Sonaten aufgenommen und zelebriert nach Lust und Laune ihre Auftritte zwischen Punk, Glamour und bravem Schulmädchen.

Nicht einfach «nur» Solistin

Aber sie ist nicht nur eine herausragende Pianistin, sie komponiert auch, sie singt, sie macht Popmusik oder leiht sich die Videoclip-Ästhetik für ein Liszt-Filmchen. Und sie improvisiert leidenschaftlich gern. Das wird sie auch in diesem Konzert demonstrieren, wenn sie die Motive und Themen von Bach und Gershwin mit auf ihre eigene Gedankenreise nimmt. Und auch wenn das Orchester spielt, ist sie nicht einfach «nur» Solistin in Gershwins «Rhapsody In Blue» und im d-Moll-Cembalokonzert BWV 1052 von Bach, sondern sie spielt ebenso gerne den unauffälligen Cembalo-Part in einer Bach-Suite und das Orchesterklavier in Gershwins «American In Paris».

Nicht nur junge Musiker erhalten viel Platz beim NOB. Auch das junge Publikum wird gepflegt. Zum Beispiel mit einer Kompositionswerkstatt. Und die Konzerteinführungen sind frei als Podcasts verfügbar. Zum aktuellen Programm etwa finden sich nicht nur Informationen und Tonbeispiele zu den Werken von Bach und Gershwin, sondern auch ein Interview mit Mélodie Zhao, in dem sie erzählt, wie sie im Greyerzerland aufwuchs, warum sie schon als Zweijährige unbedingt Klavier spielen wollte, wie sie Partituren lesen lernte, bevor sie die Buchstaben kannte. Wie sie in Pandemiezeiten jede Woche ein Youtube-Konzert spielte und vor allem, warum das Improvisieren auf dem Klavier für sie eine unverzichtbare tägliche Notwendigkeit darstellt.

Neues Orchester Basel.
12. November, 19.30 Uhr, Katholische Kirche Aesch
13. November, 19.30 Uhr, St.Katharinenkirche Laufen
14. November, 17.00 Uhr, Martinskirche Basel
www.neuesorchesterbasel.ch

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