Ausstellung
Jüdisches Museum zeigt Kampf um Gleichberechtigung

Erst vor 150 Jahren wurde die jüdische Bevölkerung in der Schweiz emanzipiert. Das jüdische Museum Basel würdigt diesen Anlass mit einer Jubiläumsausstellung.

Tobias Müller
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Das Porträt von alt Bundesrätin Ruth Dreifuss ist Teil der Jubiläumsausstellung.

Das Porträt von alt Bundesrätin Ruth Dreifuss ist Teil der Jubiläumsausstellung.

Nicole Nars-Zimmer niz

Wussten Sie, dass die Schweiz einer der letzten Länder in Europa war, wo die jüdische Bevölkerung emanzipiert wurde? Und wussten Sie, dass dies zu diesem Zeitpunkt, im Jahr 1866, eigentlich nur wegen wirtschaftlichen Drucks der USA und Frankreichs geschah, die damals Handelsverträge mit der Schweiz abschliessen wollten?

Vor 150 Jahren, am 14. Januar 1866, stimmten 53 Prozent der Schweizer für eine Teilrevision der Bundesverfassung, die den Juden die Gleichstellung und das Niederlassungsrecht gewährte. Durften sich Juden zuvor nur mit besonderem Erlaubnis und in bestimmten Kantonen aufhalten, so kam zwischen 1866 und 1874 mit einer Volksabstimmung auch hierzulande die Emanzipation zustande. Mit der Gewährung der Niederlassungsfreiheit wurden die Schweizer Juden den übrigen Schweizer Bürgern gleichgestellt. Seither haben sie die Entwicklung des Landes mitgeprägt, sei es in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft oder Kultur.

Das jüdische Museum der Schweiz in Basel erläutert nun all diese Hintergründe. In der vom Schweizerisch-Israelitischen Gemeindebund (SIG) konzipierten Jubiläumsausstellung «Schweizer Juden – 150 Jahre Gleichberechtigung» wird mit fotografischen Porträts die Geschichte der Gleichberechtigung der Schweizer Juden anschaulich gemacht und das gesellschaftlich wichtige Jubiläum gefeiert. Im Museum an der Kornhausgasss wurde die Wanderausstellung gestern von Regierungsrätin Eva Herzog feierlich eröffnet.

Die Ausstellung zeigt in drei Teilen die Geschichte der Emanzipation in der Schweiz. Der Prolog steht im Zeichen der Vergangenheit, was vor 1866 und dem Ja der Bevölkerung zur Niederlassungsfreiheit passiert ist. Bevor man sich in der Schweiz also zur Gleichberechtigung bekannt hat. Mit Stimmen aus dieser Zeit, präsentiert in Zeitungsartikeln, soll die Situation aus verschiedenen Blickwinkeln gezeigt werden. Dabei kommen Befürworter aber auch Gegner der Gleichberechtigungs-Abstimmung zu Wort. Im Mittelteil, dem Hauptteil der Ausstellung, werden 15 Porträts von verschiedenen jüdischen Bürgern in der Schweiz gezeigt.

Mithilfe von Statements sollen diese verschiedenen Personen Auskunft über die Bedeutung des Judentums und die Wichtigkeit der Gleichberechtigung geben.

Die Bilder werden für die kommenden sechs Monate bis zum 2. August in Basel ausgestellt sein. Im dritten Teil der Ausstellung wird in die Zukunft geschaut. Dabei werden auf weltweite Problematiken betreffend nach wie vor fehlender Gleichberechtigung hingewiesen, zum Beispiel Frauenrechte oder religiöse Minderheiten.

Stadtrundgang und Fotoprojekt

Naomi Lubrich, die neue Direktorin des Jüdischen Museums der Schweiz in Basel, hofft natürlich auf eine grosse Nachfrage von Interessierten.

«Wir haben über viele Kanäle versucht, auf den Event aufmerksam zu machen und hoffen daher, dass unsere Ausstellung gut ankommt. Die Thematik ist eine wichtige, das wollen wir mit diesem Projekt zeigen.»

Damit das Jubiläum auch entsprechend gewürdigt wird, organisiert das jüdische Museum auch Stadtrundgänge zum Thema «jüdisches Basel» sowie ein Fotoprojekt, wo Bilder und Statements von Interessierten zum Thema Emanzipation gesammelt und veröffentlicht werden.

Schweizer Juden – 150 Jahre Gleichberechtigung: Sonderausstellung vom
17. März bis 2. August 2016 im Jüdischen Museum der Schweiz