Geldmangel

Jüdischer Schule Basel droht der Konkurs

Die Jüdische Schule befindet sich direkt neben der Synagoge. 25 Kinder gehen an die Primarschule Leo Adler in der Leimenstrasse.

Die Jüdische Schule befindet sich direkt neben der Synagoge. 25 Kinder gehen an die Primarschule Leo Adler in der Leimenstrasse.

Die Schule benötigt einen Überbrückungskredit von 95'000 Franken. Ansonsten ist Ende Jahr Lichterlöschen.

Die Jüdische Primarschule Leo Adler steckt in finanziellen Nöten. 25 Kinder drücken an der Leimenstrasse die Schulbank. Aber wie lange sie das noch tun können, ist ungewiss. Entscheidend wird die Mitgliederversammlung der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB) von nächster Woche sein. Die jüdische Schule hat den Antrag für einen Überbrückungskredit von 95'000 Franken gestellt, versehen mit einem Ultimatum. «Ohne Bewilligung der Anträge müssen wir die Schule im Dezember 2019 schliessen», heisst es im Schreiben.

Die Gründe für den finanziellen Engpass seien nicht ganz klar, sagt Schulratspräsident Peter Bollag. Dass die Verlängerung der Primarschulzeit von vier auf sechs Jahre den Ausschlag gegeben habe, kann er nicht bestätigen. Nach den Gründen werde momentan gesucht.

Ist Bildung Kernaufgabe der Gemeinde?

Selbst wenn die Basler Juden der Primarschule, in der neben den profanen Fächern auch Hebräisch und jüdische Religion unterrichtet werden, viel Sympathie entgegenbringen, ist an der kommenden Mitgliederversammlung eine Debatte zu erwarten. Denn es herrschen Verteilkämpfe. Die IGB ist klamm, die Mitgliederzahlen nehmen seit Jahren ab. Bei seinem Amtsantritt vor einem Jahr stellte der Gemeindepräsident Manuel Battegay klar: «Die IGB ist ein Sanierungsfall. Die Verhältnisse sind wirklich kritisch. Wir müssen jetzt etwas machen, sonst sind wir in sieben bis zehn Jahren konkurs.» Ein Jahr später hat sich bei den Juden bereits die nächste Baustelle aufgetan. Battegay schmeisst den Bettel, weil er neben seinem Job als Chefarzt nicht genug Zeit für das Präsidialamt aufbringen kann.

Der Schulratspräsident Peter Bollag sieht der IGB-Versammlung gespannt entgegen. Eine Schulschliessung wäre für ihn «doppelt schade», wie er betont. Zum einen hängt er emotional an der Schule. Bollag war Schüler erster Stunde, nun drückt sein Sohn hier die Schulbank. Zum anderen sagt Bollag, dass die Jüdische Primarschule in den Ratings vom Erziehungsdepartement immer die besten Ratings bekomme. «Das war nicht immer so. Ich erinnere mich zwar daran, wie ich als Kind in Riehen mit dem Taxi abgeholt wurde. Aber die Qualität der Schule ist heute sicher besser als damals.»

Auch das wird Argumente liefern im Hinblick auf die Debatte über den Kredit, der das Überleben der Schule sichern soll. Es ist alles andere als in Stein gemeisselt. Der IGB-Vorstand liess im vergangenen Jahr verlauten, man werde sich künftig auf die Kernaufgaben konzentrieren müssen. Namentlich seien dies die Koscherversorgung, Religiöses, Friedhofsbelange sowie die Fürsorge und die Sicherheit. Die jüdische Schule wurde nicht hervorgehoben, obwohl sie einen grossen Brocken der Fixkosten der IGB ausmacht. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Die Institution stellt in ihrem Antrag klar, dass sie neben dem Überbrückungskredit von 95'000 Franken auch – wie bis anhin – eine Jahressubvention von 120'000 Franken braucht.

Schule an der Ahornstrasse für einige zu orthodox

Sollte der Geldhahn für die Bildungsinstitution abgedreht werden, müssen sich die jüdischen Primarschüler bereits auf anfangs Jahr eine neue Schule suchen. Die orthodoxe jüdische Schule an der Ahornstrasse ist besonders für liberalere jüdische Eltern keine Alternative – deren Kinder würden deshalb wohl in eine nichtjüdische Schule eingeschult. Und dies wiederum hätte zur Folge, dass das Nachwuchsproblem der Juden zusätzlich verschärft würde.
Gratis wäre es zudem nicht, den Primarschulunterricht an der Leimenstrasse ein für allemal zu beenden. Für den Fall, dass der Kredit abgelehnt wird, beantragt die Primarschule 80'000 Franken zur Abwicklung/Einstellung des Schulbetriebs per 1. Januar 2020.

Meistgesehen

Artboard 1