Ein Blick reicht, um zu sehen, dass dieses Haus anders ist. Kunterbunt angemalt und besprayt sticht es heraus, zieht die Blicke auf sich, weil es nicht der Norm entspricht. Und auch wenn das Jugendhaus Neubad nicht extra dafür geschaffen worden ist, passt es perfekt zu «anyway». Denn der Basler Jugendtreff ist nicht irgendein Treffpunkt für Jugendliche, sondern für solche, die sich anders fühlen: für Anderssexuelle. Egal ob Lesben, Schwule, Bisexuelle, Asexuelle und Transgenders. Seit fünf Jahren schon gibt es diese Drehscheibe, wo sich junge Menschen, die sich anders fühlen, treffen und mit Gleichgesinnten sprechen können.

Pädagogisches Kennenlernen

Wie beispielsweise Yannick Frommherz. Der 21-Jährige Student war einst Besucher von «anyway», heute ist er Medienverantwortlicher und einer von zehn Leitern des Treffs. «Mir haben die Besuche sehr viel gebracht, und das will ich auch anderen ermöglichen.» Als er gemerkt habe, dass er nicht so sei, wie die anderen in seiner Klasse, sei es schwer gewesen, Anschluss an die Community zu finden. Natürlich hätte er im Internet schnell Gleichgesinnte gefunden. «Aber das ist nicht das Gleiche. Hier ist es viel persönlicher, du siehst die Menschen und merkst, dass das ganz normale Leute sind. Das hat mir geholfen, meine Sexualität besser zu akzeptieren.»

Eine Person, die ihm dabei geholfen hat, ist Saskia Lüdi. Die 29-Jährige ist seit vier Jahren Leiterin. «Was wir hier machen, ist eine Mischung aus pädagogischem Input und einfachem Kennenlernen. Die Besucher sollen dabei Selbstakzeptanz lernen.» Frommherz ist ein perfektes Beispiel. Aber auch sonst fällt die Bilanz nach den ersten fünf Jahren äusserst positiv aus. «Bei Jugendtreffs gibt es immer die Gefahr, dass sie irgendwann austrocknen. Bei uns sind durchschnittlich immer 18 Leute da, das ist sehr gut», sagt Lüdi.

Dass «anyway» zu einem solchen Erfolg werden würde – vor zwei Jahren konnte der Jugendtreff gar den Chancengleichheitspreis beider Basel gewinnen –, war anfangs nicht absehbar. «Der Treff entstand spontan bei einem Plausch zwischen ein paar Freunden. Sie haben sich damals gedacht, dass sie so etwas gebraucht und toll gefunden hätten», so Lüdi. Nach einem Jahr Entwicklungsphase wurde das Projekt dann gestartet. «Dass es so gut ankommt, haben wir uns mit Sicherheit nicht träumen lassen.» Denn «anyway» kommt nicht nur bei den Besuchern gut an. «Man kann nach diesen fünf Jahren sagen, dass wir fast schon eine Institution sind. Es gibt uns, man kennt uns, und man stellt uns nicht infrage», sagt Frommherz.

So erklären sich die beiden auch, dass mittlerweile ebenfalls Schulen auf sie zukommen und sie einladen, Schülerinnen und Schüler der Sek-I-Stufe aufzuklären. «Das ist natürlich nicht unser Kerngeschäft, aber wir sehen es auch als eine Art Pflicht an, für dieses Thema zu sensibilisieren und diese Präventions- und Aufklärungsarbeit zu machen», sagt Lüdi. Sie seien in früheren Jahren proaktiv auf diverse Schulen zugegangen, wurden damals aber abgelehnt. «Dass sie heute auf uns zu kommen, hat wohl auch damit zu tun, wie gut wir uns etabliert haben», so Frommherz, der vor allem den geringen Altersunterschied zwischen den Schülern und den «anyway»-Leitern als grossen Vorteil sieht.

Weit weg von selbstverständlich

Ganz frei von Kritik und Sorgen ist «anyway» aber doch nicht. Besonders ihre Tram-Plakataktion im letzten Jahr sorgte für Aufsehen und harsche Kritik. Die Plakate, auf denen küssende Homosexuelle zu sehen waren, waren Einigen zu anstössig. «Das hat uns gezeigt, dass Anderssexuelle zwar mittlerweile stillschweigend akzeptiert werden, viele Leute aber nach wie vor Probleme haben, wenn sie damit konfrontiert werden», sagt Frommherz. Die Debatte um Homosexuelle, die eine Familie gründen wollen, gehe in die gleiche Richtung, so Lüdi: «Dort merken wir immer wieder, dass wir zwar okay sind, aber dass Gays als Eltern immer noch etwas sind, was irgendwie nicht geht.»

Auch deshalb wünschen sich die beiden für die Zukunft, dass sich die allgemeine Haltung noch verbessert. «Wir sind noch weit entfernt von der Selbstverständlichkeit», meint Frommherz und fügt an: «Irgendwann wird es uns hoffentlich nicht mehr brauchen.» Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. «Wir sehen uns nicht als etwas Besonderes, sondern machen das, solange es uns braucht», sagt Lüdi. Sie seien eigentlich ein ganz normales Jugi. Einfach etwas anders. Bunter.

www.anyway-basel.ch