Es muss schrecklich sein, wenn sich die eigenen Mitarbeiter in der Öffentlichkeit über einen beklagen. Es muss schrecklich sein, wenn Mitarbeiter sich nicht mehr anders zu helfen wissen, als mit einem Beschwerdebrief an den Angestellten-Verband zu gelangen. Nun endet der seit vielen Monaten schwelende Konflikt zwischen Angestellten und der Direktorin des Historischen Museums Basel mit dem Weggang der Direktorin.

«Das Arbeitsverhältnis zwischen dem Präsidialdepartement und Marie-Paule Jungblut wird in gegenseitigem Einvernehmen per 30. September 2015 aufgelöst», sagte gestern Basels Regierungspräsident Guy Morin an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz. Und er fügte hinzu: «Sie werden verstehen, dass wir über die Gründe und Inhalte Stillschweigen vereinbart haben.»

Die Gründe liegen auch ohne weitere Erklärungen auf der Hand: Jungbluts Führungs- und Kommunikationsstil. Immerhin 20 ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschreiben in ihrem Beschwerdebrief «eine Atmosphäre der Angst», in der einige Mitarbeiter «gezielt ignoriert» würden. Die Chefin kommuniziere «widersprüchlich» und verhalte sich «unberechenbar und respektlos». Jungblut wies diese und weitere Vorwürfe in einem Interview von sich: «Drohungen, Verdächtigungen und Falschaussagen hat es nie gegeben.» Das sei nicht ihr Führungsstil. Es gab tatsächlich auch Mitarbeiter, die gut mit ihr ausgekommen sind.

Erzürnte Sammler

Damals im Mai äusserte Jungblut noch die Hoffnung, dass ihr Team und sie dank laufender Anhörungen, Gesprächen und einer Analyse der Situation diesen Konflikt würden bereinigen und zusammen weiterarbeiten können. Das ist nun nicht der Fall. Die dreimonatige Analyse mit Einbezug eines externen Experten endet stattdessen in der «einvernehmlichen Trennung». «Das ist keine Floskel», betonte Philippe Bischof, Leiter der Abteilung Kultur.

Umstritten war auch Marie-Paule Jungbluts programmatische Neuausrichtung des Museums. Sinnlicher, interaktiver, aktueller, im besten Sinn unterhaltsam wollte sie die Ausstellungen gestalten – was ihr auch immer wieder gelang. In ziemlich kurzer Zeit machte sich das HMB unter ihrer Leitung zudem einen Namen als führendes Schweizer Museum im Umgang mit digitalen und sozialen Medien.

Wenig erfreut über Jungbluts Neuausrichtung zeigten sich allerdings der mitgliederstarke Verein für das Historische Museum Basel sowie einige Leihgeber. Zwei mit der Direktorin unzufriedene Stifter ziehen ihre Sammlung ins Ausland ab – darunter sind die Porzellanfiguren der Pauls-Eisenbeiss-Stiftung. Die Pflege und der Einsatz der historischen Sammlungsobjekte seien «zugunsten des starken Fokus auf gesellschaftspolitische Ausstellungen vernachlässigt» worden, sagt Vereinspräsidentin Christiane Faesch. «Wir hoffen, dass nun keine weiteren Sammler Basel den Rücken kehren und wieder Ruhe einkehrt.»

Nachfolge in einem Jahr

Die gebürtige Freiburgerin Marie-Paule Jungblut (50) hat ihre Stelle in Basel vor drei Jahren angetreten. Sie war von einer Findungskommission ausgesucht und von der Museumskommission einstimmig angenommen worden. Auch daran erinnerte Guy Morin. Die Rahmenbedingungen seien klar gewesen. Innerhalb gewisser Leitlinien sei die Direktion selbstständig: «Auf den Inhalt nehmen wir auf keine Art und Weise je Einfluss», betonte Morin.

Neben Jungblut stand zuletzt auch Matthias Gnehm, Leiter Verwaltung und Betrieb, in der Kritik. Zu weiteren Personalentscheiden gab das Präsidialdepartement aber keine Auskunft. Die freigewordene Direktionsstelle wird per Ende Jahr ausgeschrieben. Bis dahin wolle man intern alles klären. Nächsten Sommer soll die Nachfolge verkündet werden. Die heutige Vizedirektorin Gudrun Piller leitet das Museum ad interim. Sämtliche Ausstellungen können gemäss Bischof wie geplant stattfinden.