Jungbürgerfeier
Jungbürger wollen eine gediegene Feier – und erhalten ein nicht ganz billiges Fest

Der Kanton und die Zünfte heissen die jungen Erwachsenen mit Essen, Trinken und Musik willkommen.

Dominique Waldmann
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Eine vergnügte Schar, die ordentlich feiern kann: Blick in den grossen Saal des «Union»

Eine vergnügte Schar, die ordentlich feiern kann: Blick in den grossen Saal des «Union»

Paul Wichert/ZVG

Kurz nach Mitternacht sah es am Samstagmorgen im Volkshaus so aus: Im Vorhof tummeln sich die Jungbürger schön dicht beieinander, ziehen an ihren Zigaretten, die meisten haben einen Becher Bier in der Hand. Beim Vorbeilaufen hört man sie zwar fragen «Bist du auch schon betrunken?», das Ganze wirkt aber friedlich.

Innen: Da läuft die Disco, nur wenige getrauen sich, das Tanzbein zu schwingen. Dafür sind im ersten Stock die Hemmungen verflogen. Die Karaoke Station wird von allen genutzt, auch von denen, die nicht singen können. Daneben wird der Bulle von Wagemutigen geritten, die Play4You-Tische sind auch besetzt.

«Wollte gar nicht kommen»

«Eigentlich wollte ich gar nicht kommen», sagt eine nüchterne Jungbürgerin. Auf blödes Prahlen, wer was bisher erreicht hat, habe sie nämlich keinen Bock. «Aber dann haben sich viele Kollegen von mir angemeldet, die wollte ich halt trotzdem sehen», sagt sie. Sich wie die meisten andern edel aufzupeppen, sei ihr zu viel gewesen. An den zwei Bars reihen sich feine Hemdenträger neben Kleidchenträgerinnen, viele sind auch gemütlich mit Jeans und T-Shirt unterwegs.

Gute Stimmung auch im Innenhof.

Gute Stimmung auch im Innenhof.

Dw

«Easy» – mit diesem Wort beschreiben die meisten die Stimmung des Anlasses. «Ich finde es einfach easy, dass hier so viele Leute sind, die man kennen lernen kann», sagt ein junger Mann. Tatsächlich herrscht ein Geläuf zwischen Bar, neuen Menschen und den Räumlichkeiten. Natürlich sei auch das gratis Essen und Trinken easy. Für viele dürfte das Motto des Abends «Essen» und «Trinken» gewesen sein. «Nachher geht’s dann noch weiter, heute wird gefeiert», sagt der Kollege. Andere wollen den Abend geniessen: «Chillen und mit meinen Freunden hängen, darum bin ich hier», sagt eine Frau.

190'000 Franken

Ein Gala-Dinner gehört anscheinend bei einer Feier dazu. Damit die Gästezahl wieder steigt, hat sich das OK des Events gedacht, auf die Interessen der Jungbürger zu hören. «Dabei kam raus, dass ganz viele eine gediegene Feier haben wollen, mit Lounges, wo man sich hinsetzen und zusammen reden kann», sagt Oliver Piel, Präsident des OKs. Die frischen Basler Bürger erhielten dann, für rund 190'000 Franken, ein Fest, dass sich sehen lässt. Weisses Tischtuch, Dreigangmenü und die Band «Weird Fishes», die noch während dem Dessert einheizt.

Bemerkenswert war, wie die 18-Jährigen in der ersten Reihe vor der Bühne tanzten, während die Ehrengäste und das OK im Takt wippend zusahen. Und als die Bannerträger der Basler Zünfte, die Organisatoren der Veranstaltung, mit Trommelwirbel aufmarschierten wurde applaudiert und mit Snapchat dokumentiert. 1400 Anmeldungen gab es, wieviel schliesslich gekommen sind, ist schwer eruierbar, weil nach 22.30 auch Freundinnen und Freunde der Jungbürger willkommen geheissen wurden.

«Für mich geht es bei der Feier darum, die jungen Erwachsenen willkommen zu heissen und zu sagen: Habt einen unvergesslichen Abend», erklärt Piel. Die Politik spiele natürlich auch eine Rolle, die Gäste könnten jetzt immerhin abstimmen. Während dem Essen hält Joel Thüring, Grossratspräsident, eine Ansprache zur Politik. «Die Rede hat mich jetzt nicht so überzeugt», sagt Bruno, der sich für die Politik interessiert. «Aber hier hat man wohl ein schwieriges Publikum. Nur wenige werden sich jetzt schon für so ein Thema interessieren». Für ihn ist die Feier eine Plattform, um viele andere in seinem Alter kennenzulernen.

Wer am Samstagmorgen ein mehr oder weniger volles Volkshaus mit lachenden, singenden und vielleicht auch etwas alkoholisierten Jungbürgern sieht, denkt erst mal an Ausgang, an Party. Die Fahnen der Zünfte, das Einbürgerungsspiel, die Jungpolitiker und die Ansprachen wollen da zunächst nicht so recht reinpassen. Aber Basel anerkennt die 18-jährigen mit der Jungbürgerfeier genauso, wie sie sind: Jung, motiviert und am Ausgang interessiert.

In den vergangenen Jahren wurde immer wieder diskutiert, wie sinnvoll oder gewünscht eine Jungbürgerfeier überhaupt ist. In Basel wurden diese von 1951 bis 1973 von der Regierung organisiert, dann mangels Interesse aufgegeben und 1984 von den Zünften wiederbelebt.