113 Menschen sind im letzten halben Jahr auf Schweizer Strassen umgekommen, das sind deutlich weniger als im ersten Halbjahr 2012 – das schlechte Wetter hat Leben gerettet: Bei den Zweiradfahrern, wo die Unfallzahlen gar um 43 Prozent zurückgehen, gibt das Bundesamt für Strassen den in diesem Jahr extrem nassen und kalten Frühling an. Er habe viele davon abgehalten, das Zweirad zu benutzen.

Stephanie Fuchs vom Verkehrs-Club beider Basel ist diese Erklärung zu simpel. Es sei schwierig, die Unfallzahlen ohne Relation zur Anzahl Velofahrer zu interpretieren. «Vor allem Kinder und Jugendliche fahren immer weniger Velo.» Fuchs beruft sich dabei auf die Erhebung Mikrozensus Verkehr von 1994 bis 2010, die besagt, dass sich die Fahrradbenutzung bei Kindern und Jugendlichen in den letzten 20 Jahren halbiert hat.

Gründe für die «Velofaulheit» sieht Fuchs einerseits in Elterntaxis, andererseits im offenbar stetig wachsenden Bedürfnis, besonders junger Menschen, überall online zu sein. Auf dem Velo falle die Möglichkeit der ununterbrochenen digitalen Kommunikation weg, so Fuchs. Ein weiterer Grund sei, dass vermehrt Schulen zu regionalen Zentren zusammengelegt werden: «Dadurch entstehen längere Schulwege, die nicht mehr mit dem Velo zurücklegbar sind.»

In der Region sind davon besonders die Strecken Allschwil–Oberwil sowie Münchenstein–Bottmingen betroffen, die bis 2015 velokonform gemacht werden sollen. Ebenfalls Fortschritte versprechen das bis 2020 geplante kantonale Radroutennetz, die Ausweitung von Tempo-30-Zonen und direktere Velowege, die besonders das Fahren über Land attraktiver machen sollen. Die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel nimmt gesamtschweizerisch zu. Parallel dazu wachse allerdings auch der motorisierte Verkehr, so Hanspeter Kumli, Leiter Verkehrserziehung der Polizei Basel-Landschaft. Deshalb würden sich weniger Kinder mit dem Velo auf die Strasse trauen.

Bald gibt es neue Studie zur Basler Velounlust

Dass Junge allein wegen des Gratis-WLANs häufiger das Tram benutzen würden, bezweifelt Andreas Büttiker, Direktor der BLT. Nichtsdestotrotz sei der Internetzugang in den Drämmli ein hohes Bedürfnis: 42'500 Fahrgäste haben sich bereits registriert, zu Pendlerzeiten, sowie am Freitagabend, «wenn die Jungen in den Ausgang gehen,» sei ein Anstieg zu beobachten.

«Natürlich ist es bedenklich, dass die Leute nicht mehr sein können, ohne ihr virtuelles Leben pausenlos weiterzuführen», so Büttiker, er fände es auch gesünder, Velo zu fahren. «Aber wir können und wollen die Gesellschaft nicht ändern», es handle sich um freie, mündige Bürger, die selbst entscheiden könnten, ob sie vom WLAN-Angebot Gebrauch machen oder nicht. Dafür von Plänen, alle Trams der BLT mit WLAN auszurüsten, sei nicht sinnvoll.

Das Verkehrsdepartement Basel-Stadt und das Bundesamt für Strassen arbeiten an einer Studie, die diesen Herbst herausgegeben wird. Sie soll die Ursachen der momentanen «Velounlust» klären und Lösungen entwickeln. Damit die Stadt Basel auch beim aktuellen Wettbewerb das werden kann, was sie schon 2007 war: velofreundlichste Stadt der Schweiz.