Riehen
Junge Lehrer bekommen künftig mehr, ältere dafür weniger Lohn

Der Riehener Einwohnerrat definierte das neue Lohnsystem für die gemeindeeigenen Lehrkräfte. Bei 22 Prozent der Stellen erfolgt eine Erhöhung der Lohnklasse, zwölf Prozent erfahren eine Reduktion.

Tobias Gfeller
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Im Vergleich zum Kanton werden den Lehrkräften in Riehen künftig höhere Einstiegslöhne bezahlt.

Im Vergleich zum Kanton werden den Lehrkräften in Riehen künftig höhere Einstiegslöhne bezahlt.

bz Basellandschaftliche Zeitung

Der Kanton Basel-Stadt passte bis Ende 2014 das Lohnsystem seiner Lehrerinnen und Lehrer an. Die Gemeinde Riehen will und muss nachziehen, damit die Anstellungsbedingungen für die eigenen Lehrkräfte im Kindergarten und der Primarschule im Vergleich zum Kanton attraktiv bleiben.

Riehen hatte seinen Lehrkräften 2009, als die Kindergarten- und die Primarschulstufe in die Verantwortung der Gemeinde übergingen, versprochen, stets zum Kanton vergleichbare Bedingungen für die Lehrkräfte zu schaffen.

Mehrheit bleibt in gleicher Lohnklasse

Die Zeit drängt, will doch der Gemeinderat so rasch wie möglich mit dem neuen Reglement in die Vertragsverhandlungen mit potenziellen künftigen Lehrkräften gehen. «Schon jetzt läuft in den Schulleitungen die Rekrutierung der neuen Lehrpersonen für das kommende Schuljahr», mahnte die für Bildung zuständige Gemeinderätin Silvia Schweizer (FDP). Mehrfach betonte sie, wie wichtig die Wettbewerbsfähigkeit der Riehener Schulen in Bezug auf die Anstellungsverhältnisse sei.

Aus der Riehener Systempflege resultiert, dass rund zwei Drittel der Stellen in der gleichen Lohnklasse verbleiben wie bis anhin. Bei rund 22 Prozent der Stellen erfolgt eine Erhöhung der Lohnklasse; zwölf Prozent der Stellen erfahren eine Reduktion. Wird eine Stelle einer tieferen Lohnklasse zugeordnet, wird bereits angestellten Mitarbeitenden der Frankenbesitzstand gewährt.

Im Vergleich zum Kanton werden in Riehen künftig höhere Einstiegslöhne bezahlt. Damit soll Riehen als Arbeitgeber für junge Talente in der Region attraktiv sein. Auch noch in der Familienphase sind die Riehener Lehrkräfte besser gestellt. Die Löhne der älteren Lehrkräfte dürfen gemäss neuem System etwas tiefer sein als jene im Kanton. «Das gleicht sich aus», ist Gemeindepräsident Wilde überzeugt.

Weiterbildung in der Kritik

Überhaupt kein Verständnis für die Systempflege hatte die CVP/GLP-Fraktion, welche auf nicht Eintreten plädierte, da sie keine zwei Lohnsysteme für Lehrkräfte und Verwaltungsangestellte möchte. «Das schafft eine Zweiklassengesellschaft und sorgt für einen hohen Bürokratieaufwand», monierte Patrick Huber. Doch der Antrag der CVP/GLP hatte keine Chance. Der Vorschlag des Gemeinderats kam im Plenum grundsätzlich gut an.

Umstritten war die Regelung zur Weiterbildung von Kindergarten-Lehrkräften, damit diese auch in den ersten beiden Stufen der Primarschule unterrichten können, wie es die heutige Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule vorsieht. Die dafür vorgesehenen 100 Stunden Weiterbildung, die in der Freizeit absolviert werden müssen, wurde von Peter A. Vogt (SVP) als «Pseudoweiterbildung» bezeichnet.

Auch die anderen Fraktionen und mit ihnen die Sachkommission Bildung und Familie stellte in Frage, ob eine Weiterbildung in hoher Qualität in dieser kurzer Zeit möglich ist. Das Ganze wird erschwert, da der Einwohnerrat einen Antrag der SP-Fraktion deutlich annahm, dass die Kindergarten-Lehrkräfte nach dieser Weiterbildung sogar bis zur fünften Primarklasse unterrichten sollen dürfen. Nun muss noch genau definiert werden, wie viele Stunden Weiterbildung während der Arbeitszeit dazukommen. «Das können insgesamt 200 oder mehr sein», erklärte Gemeinderätin Schweizer.