Gericht

Junger Mann erzwingt Date mit Sexvideo – Nun wurde er verurteilt

Ein heute 20-Jähriger drohte mit der Veröffentlichung von Sexvideo, damit die junge Frau einwilligt, ihn zu treffen. (Symbolbild)

Ein heute 20-Jähriger drohte mit der Veröffentlichung von Sexvideo, damit die junge Frau einwilligt, ihn zu treffen. (Symbolbild)

Über Social Media kamen ein heute 20-jähriger mässig erfolgreicher Fussballer und eine junge Frau in Kontakt. Doch mit der Zeit wurde ihr sein Verhalten unangenehm. Da begann er ihr zu drohen. Nun wurde er am Donnerstag wegen sexueller Nötigung verurteilt.

«Ich wollte sie treffen, damit wir reden können und ich die Sache klarstellen kann», erklärte der 20-Jährige am Donnerstag im Basler Strafgericht. Im Mai 2019 nahm ihn die Polizei in Kleinhüningen fest, nachdem eine 20-jährige Frau den Notruf gewählt hatte. Wie sich später klärte, ist an jenem Tag in Basel zwar nichts geschehen, doch die Vorgeschichte stufte das Gericht nun als strafbar ein.

Etwa zwei Wochen zuvor lernte sich das Paar über Instagram kennen: Sie, eine lebenslustige junge Frau, er, ein angeblich erfolgreicher Fussballer, der gerade ein Fünfsternhotel gekauft hatte. Die Wahrheit sah anders aus: Sie nagte an einer Trennung, und der Mann aus dem Elsass spielte in der Türkei in einer Jugendmannschaft ohne Lohn. Er wohnt noch zuhause, das Hotel gehörte seinem Onkel, und für den Herbst hat er in Frankreich einen Job als Verkäufer für 200 Euro im Monat in Aussicht.

Er drohte damit, das Video zu veröffentlichen

Der Fussballer schickte ihr ein Video, auf dem er masturbierte, danach forderte er, sie solle auch etwas zeigen, woraufhin sie ihm ein Video schickte, auf dem ihre Brüste zu sehen waren. Die Unterhaltungen mit ihm in diversen sozialen Medien wurden ihr danach zu unangenehm, sie blockierte ihn.

Per Zweitaccount drohte er ihr danach, das Video in ihrem Freundeskreis zu veröffentlichen. Schliesslich gab sie nach und chattete wieder mit ihm, später forderte er ein weiteres Video von ihr mit explizit sexuellen Inhalten. Auch hier gab sie irgendwann nach. Danach verlangte er ein Treffen und drohte damit, beide Videos zu veröffentlichen, wenn sie nicht zustimmt.

Ende Mai 2019 flog er schliesslich aus dem Trainingslager in der Türkei nach Basel, sie holte ihn ab, gemeinsam fuhren sie durch die Stadt. An einer Tankstelle nutzte sie die Pause, um eine Notfallpsychologin anzurufen, die ihr schliesslich dazu riet, die Polizei zu benachrichtigen.

Neun Monate bedingt wegen Nötigung

«Wieso schickt sie mir solche Sachen, wie das Video mit den Brüsten, wenn sie das nicht will?», fragte der 20-Jährige im Gerichtssaal. Er betonte, nach dem Treffen habe er die Videos löschen wollen. «Sie war nie beschämt, etwa als wir telefoniert haben. Sie lachte immer», so der Mann.

«Es war beidseitig ein ambivalentes Verhalten. Da waren zwei junge Leute, die sich aufgespielt haben», argumentierte Verteidigerin Eva Weber. «Da schickt man intime Bilder und Videos und man wird erpressbar. Aber auch er wurde erpressbar», so Weber. Die Frau habe nie gesagt, sie wolle das nicht.

Die Einzelrichterin sah das anders: Sie verhängte eine Freiheitsstrafe von neun Monaten bedingt. Das Erpressen des zweiten Videos stufte sie als sexuelle Nötigung ein, das Erzwingen des Unblockierens sowie des Treffens jeweils als «normale» Nötigung.

Zu wenig Hinweise auf Rückfallgefahr

Wegen der sexuellen Nötigung wäre auch zwingend ein Landesverweis fällig worden, für EU-Bürger liegt die Hürde aber hoch. Das Gericht verzichtete bei dem Franzosen auf den Landesverweis, für eine konkrete Rückfallgefahr gebe es zuwenig Hinweise. Der Mann muss der Frau auch eine Genugtuung von 1000 Franken bezahlen. «Es geht ihr nur um das Geld», hatte der Mann betont. Das Urteil kann er noch weiterziehen.

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