Eigentlich hätte der Mann gewarnt sein sollen: Die Gerichtspräsidentin hatte ihm vor eineinhalb Jahren im Basler Strafgericht erklärt, die verhängte Freiheitsstrafe von vier Jahren sei das absolute Minimum. Doch er zog den Schuldspruch weiter, und gestern Freitag verschärfte das Basler Appellationsgericht die Strafe: Statt vier Jahre muss er nun 4,5 Jahre ins Gefängnis. Ihm steht noch die Beschwerde an das Bundesgericht offen.

Der heute 22-jährige Mann hatte zusammen mit zwei Kumpels mehrere Passanten überfallen, alleine in einer Nacht im Dezember 2011 gab es fünf Attacken. Teilweise blieb es bei verbalen Drohungen, einzelne Opfer prügelte er allerdings krankenhausreif. Das Trio fuhr nachts im Auto in der Gegend herum, stoppte bei einsam herumstehenden Opfern und forderte das Mobiltelefon. Ein Opfer an der Basler Spitalstrasse erlitt durch Tritte ins Gesicht eine Gehirnerschütterung und einen Kieferbruch, am Aeschenplatz erlitt ein Mann Brüche im Bereich der Nase und der Augenhöhle.

Strafmass noch im unteren Bereich

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von 5,5 Jahren gefordert, drang damit aber nicht durch und zog das Urteil auch nicht weiter. Doch als der Verurteilte die Sache ans Appellationsgericht weiterzog, erhob die Staatsanwaltschaft ihrerseits die sogenannte Anschlussappellation, womit die zweite Instanz auch eine höhere Strafe verhängen konnte.
Inhaltlich stritten sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung nun vor allem darum, ob die Übergriffe als schwere Körperverletzung gelten und ob die drei Täter als Bande gehandelt hatten. Auch ging die erste Instanz von einem langen Raubzug in jener Nacht aus, das Appellationsgericht hingegen wertete die fünf Überfälle als mehrfachen Raub und kam deshalb zu dem höheren Strafmass. Bei einem Raub als Bande beträgt die Mindeststrafe bereits zwei
Jahre. Gerichtspräsidentin Marie-Louise Stamm sagte ebenfalls, das Strafmass sei angesichts der vielen Delikte noch im unteren Bereich.

Für diese Milde sorgten vor allem die Verurteilungen der Mittäter: Einer der zwei Kumpel war zum Zeitpunkt der Überfälle noch nicht 18 Jahre alt und wurde deshalb vom Jugendgericht verurteilt, er kam mit drei Monaten auf Bewährung davon. Der gleichaltrige Fahrer (der mindestens einmal auch selbst zugeschlagen hatte) wurde als Mittäter eingestuft und erhielt eine teilbedingte Strafe von drei Jahren. Diese Urteile sind inzwischen rechtskräftig.

Erbeutetes Handy landet bei Ricardo

Geschnappt wurde die Gruppe schliesslich, weil sie eines der erbeuteten Mobiltelefone auf der Auktionsplattform Ricardo versteigert hatte. Der 22-jährige hat inzwischen eine Ausbildung abgeschlossen und hoffte auf ein Strafmass von drei Jahren teilbedingt, was einen Vollzug mit elektronischer Fussfessel ermöglicht hätte. «Ich war damals noch nicht erwachsen», meinte er vor Gericht etwas hilflos zu seinen damaligen Raubzügen. Sein Verteidiger meinte, dem Verurteilten sei erst mit dem Urteil vor eineinhalb Jahren klar geworden, wie schlimm seine Delinquenz damals wirklich gewesen war.