Der dröhnende Bass von türkischer Tanzmusik schallt einem schon beim Betreten des Gebäudes entgegen. Draussen stehen die Männer der Familie und weisen den ankommenden Frauen den Weg. Hineinkommen dürfen sie nicht. An der traditionellen Hennanacht vor einer türkischen Hochzeit sind nur Frauen zugelassen.

Über einen von Blumendekoration gesäumten Teppich gelangt man in den Festsaal. Eine Gruppe junger Türkinnen ist dort bereits in die Schrittfolge eines Reihentanzes vertieft, während andere sich herzlich begrüssen und zusammen Kaffee trinken.

Ein Fest nur für Frauen

Immer mehr Frauen in eleganten Abendkleidern, mit Hochsteckfrisuren oder bunten Kopftüchern, füllen den Raum. Die Musik macht Gespräche eher anstrengend, also tanzen die meisten schon bald ausgelassen. «Die Braut kommt», raunt es plötzlich durch die Menge. Handykameras richten sich auf den Eingang.

Sehnsüchtige Musik erklingt und das Brautpaar betritt unter Jubel den Raum. Sie tanzen Arm in Arm, bevor der Mann seine Braut verabschiedet und sie ihrer Mutter in die Arme eilt. Der Bräutigam verlässt den Saal wieder, denn auch er darf nur zur Zeremonie hereinkommen. Die Braut wird von Freundinnen und Verwandten begrüsst und beglückwünscht.

Man tanzt noch eine Weile, dann wird das Essen serviert. Fröhliches Geplauder und Gelächter füllen den Raum. Die Stimmung ist freudig, aufgekratzt. Irgendwann schwillt die Musik wieder an und diesmal bleibt kein Fuss still. Die ganze Gesellschaft fasst sich reihum am kleinen Finger und alles tanzt in Reihen durch den Raum, Freundinnen, Mütter, Töchter, Schwestern, Schwägerinnen, Cousinen, Nichten und Tanten.

Der Abschied von der Mutter

Den Höhepunkt des Abends bildet die Hennazeremonie. Junge Frauen zünden in einem Hinterraum Teelichter an, die sie mit verzierten Bändern in ihren Handflächen befestigen. Sie formieren sich in einer Reihe. Im Saal wird es dunkel. Die Frauen schreiten in den Saal, die Kerzen in den Handflächen vor sich erhoben. Die Vorderste trägt das kerzenerleuchtete Henna-Geschirr.

Im Rhythmus der Musik schreiten sie um die goldene Bank, auf der das Brautpaar sitzt und knien dann im Kreis nieder. Die Braut hat einen violetten Schleier vor dem Gesicht. Traurige Lieder werden angestimmt, um sie zum Weinen zu bringen. Die Hennanacht bedeutet für sie den Abschied von ihrer Familie vor der Hochzeit. Die Tränen sind Zeichen für ihre Traurigkeit in diesem Moment.

Die Mutter der Braut streicht liebevoll Henna auf die Hände ihrer Tochter. Die roten Punkte, die es auf der Haut hinterlässt, sollen Glück in der Ehe bringen. Im feierlichen Kerzenlicht stehen alle Frauen versammelt, schauen zu und fühlen mit. Erst als die Musik verklingt und das Licht wieder angeht, hebt sich die Szene auf. Man kehrt an die Tische zurück, einige tanzen schon wieder, andere machen sich auf den Heimweg. Schon bald werden sie sich in Istanbul zur Hochzeit wieder treffen.