Grabungen

«Juniorarchäologen» auf den Spuren der Stadtgeschichte

Konzentriert und vorsichtig sucht das Mädchen im Sand nach vergrabenen Gegenständen, die es nachher säubern und dokumentieren wird.

Konzentriert und vorsichtig sucht das Mädchen im Sand nach vergrabenen Gegenständen, die es nachher säubern und dokumentieren wird.

Bei den Workshops der Archäologischen Bodenforschung können Kinder erste Erfahrungen mit Ausgrabungen machen. Alle gefundenen Schätze werden fleissig dokumentiert. Am Schluss erhalten die «Juniorarchäologen» eine Urkunde.

Begeistert und neugierig graben die Kinder im Sand und in der Erde. Zu finden gibt es Keramikscherben, Tierknochen und andere Schätze. Nebenan verbirgt sich unter frischer, dunkler Erde ein Mauerstück. Alle Funde müssen genauestens dokumentiert werden, damit man am Schluss als Teilnehmer die Urkunde bekommt, die einen als «Juniorarchäologen» auszeichnet.

Zum zweiten Mal findet im Hof des ehemaligen Schulhauses an der Rittergasse, bei der Infostelle Murus Gallicus, eine Kindergrabung statt. Betreut vom Basler Präsidialdepartement Archäologische Bodenforschung können jeweils 30 Kinder zwischen 5 und 10 Jahren an einem Workshop gratis teilnehmen. «Die Kinder machen hier die Erfahrung, dass es nicht nur grosse Fundstellen wie Petra oder Augusta Raurica gibt», sagt Andrea Hagendorn, Archäologin und Co-Leiterin der Abteilung Vermittlung. «Durch diese Ausgrabungen lernen die Kinder etwas über ihren Wohnort», ergänzt Dagmar Bargetzi, wissenschaftliche Mitarbeiterin. Und sie lernen auch, dass Bodenfunde nur dann zu relevanten geschichtlichen Quellen werden, wenn sie richtig dokumentiert und aufgeschlüsselt werden.

Die Funde werden von den Mitarbeitern der Archäologischen Bodenforschung im Vorfeld vergraben. «Unsere Betreuer sind Studenten, Archäologen oder Personen, die sonst vor Ort ausgraben», sagt Hagendorn. Dies sei wichtig, damit den Kindern Fachwissen vermittelt werden könne. «Wir wollen ihnen auch eine Sorgfalt bei privaten Grabungen mitgeben.» Denn in den letzten 20 Jahren hätten sich die Möglichkeiten in der archäologischen Bodenforschung stark verbessert. «Deswegen halten auch wir uns daran, möglichst wenig zu zerstören», sagt Hagendorn.

Münsterführung als Highlight

Bei den Schätzen handelt es sich um echte Ausgrabungsstücke, die sich nicht einordnen lassen. «Alle Teile sind dokumentiert», sagt Hagendorn. Allerdings seien sie für die Forschung nicht von Nutzen. Behalten dürfen die Kinder ihre Funde nicht. «Doch das führt eigentlich nie zu Diskussionen, sie verstehen das sehr gut.» Die meisten Besucher seien zwischen 5 und 8 Jahren alt und kommen aus einem bildungsnahen Elternhaus, manche sprechen nur Englisch. «Wir möchten das Angebot in Zukunft fest im Basler Ferienkalender etablieren», sagt Hagendorn.

Das Highlight des rund zweistündigen Programms ist der Rundgang durch die Krypta im Münster. «Nur wenige Basler wissen, was unter dem Münster liegt», erzählt Bargetzi. Die Kleinen könnten mit einer Taschenlampe selbst eine echte Ausgrabungsstätte entdecken. Marc Schwegler leistet sein Zivildienst zum zweiten Mal im archäologischen Institut. «Die Freude der Kinder ist ansteckend», sagt der Helfer.

Kindergrabungsstätte Noch bis zum 5. Juli, jeweils 10.00, 13.00 und 15.00 Uhr. www.archaeologie.bs.ch

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