Fussball

Junioren-Trainer rufen die Polizei, weil sie sich vom gegnerischen Trainer bedroht fühlen

Auf dem Bild geht es fair zu und her, das ist aber auch bei den Spielen der Kleinen nicht immer der Fall.

Auf dem Bild geht es fair zu und her, das ist aber auch bei den Spielen der Kleinen nicht immer der Fall.

Bei einem Spiel auf dem Rankhof kam es zu verbalen Auseinandersetzungen zwischen Trainern – offenbar wegen Handy-Aufnahmen. Der Fussball-Verband verschärft die Regeln für Junioren-Spiele.

Trainer N. S.* redet sich in Rage. Auch fast zwei Wochen nach der verhängnisvollen Begegnung ist er kaum zu beruhigen. «Dummi Type» seien die beiden Trainer des Gegners. «Sie sind es, die sich zu entschuldigen haben», sagt er zur bz, «und sicher nicht ich.» Diese beiden «Unfähigen» hätten feige und nur fünf Minuten vor regulärem Abpfiff ihr Team abgezogen. Und dann auch noch die Polizei gerufen.

Das hitzige Spiel, das war die Begegnung zwischen D-Junioren des FC Nordstern und des SC Steinen Basel vom Samstagnachmittag, 30. April, auf dem Rankhof. Auf der Website des Schweizerischen Fussball-Verbands (SFV) wird die Begegnung mit 6:2 für Nordstern aufgeführt, als wäre nichts gewesen. Dabei brach der Schiedsrichter den Match in der 65. Minute ab (in dieser Altersklasse der Jahrgänge 2003/04 dauern die Spiele nur 70 Minuten). Anlass war, dass das Trainer-Duo des SC Steinen seine Spieler angewiesen hatte, das Feld zu verlassen.

Augenzeugen berichten der bz, dass zuvor Nordstern-Trainer N. S. das gegnerische Duo massiv beschimpft habe. Die beiden Steinen-Trainer fühlten sich offenbar derart bedroht, dass sie die Polizei riefen. Die Basler Polizei bestätigt den Einsatz, es sei jedoch niemand verhaftet worden.

Mit dem Handy gefilmt?

Der SC Steinen schweigt zum Vorfall. Einer der beiden erwähnten D-Junioren-Trainer verweist auf den Präsidenten des Klubs, dieser wiederum will sich nicht öffentlich zu den Vorkommnissen äussern: Man werde dem Verband die Ereignisse ausführlich schildern.

Umso auskunftsfreudiger ist N. S. Die beiden Trainer des SC hätten während der Partie seine Spieler verhöhnt und beleidigt. Dann hätten sie damit begonnen, das Geschehen auf dem Feld mit ihren Handys aufzuzeichnen. «Ich habe ihnen zu verstehen gegeben», sagt N. S., «dass das nicht gehe, dass man Minderjährige nicht einfach so filmen dürfe.»

Schliesslich habe ein Trainer die Handy-Kamera auf ihn gerichtet. «Es wurde dann schon laut zwischen uns, ich habe ihnen gesagt, was ich von ihnen halte – aber bedroht habe ich niemanden.»

Als ihn die Polizisten befragt hätten, beteuert N. S., sei das Spiel längst vorbei und er am Kaffeetrinken gewesen. «Für mich ist die Angelegenheit abgehakt.»

Vorfälle jedes Wochenende

Der Fussball-Verband Nordwestschweiz schreibt auf Anfrage, die Wettspiel-Kommission verlange von beiden Vereinen eine schriftliche Stellungnahme. Es handle sich um ein laufendes Verfahren – bis zum Abschluss der Untersuchung könnten deshalb keine weiteren Auskünfte zu allfälligen Sanktionen und Strafen gegen Vereine und einzelne Personen erteilt werden.

Zu Konflikten im Rahmen von Junioren-Fussballspielen kommt es immer wieder, wie der SFV einräumt: So müsse man auch bei Nachwuchs- und Kinderfussballtrainern Bussen und Zurechtweisungen aussprechen, durchschnittlich ein- bis zweimal pro Runde komme dies vor, dies bei ligaübergreifend rund 350 offiziellen Spielen in der Nordwestschweiz pro Spielwochenende.

Zu anderen Spielabbrüchen aufgrund von Gewalt oder Drohungen ist es laut SFV in der laufenden Spielzeit im Nachwuchs-Bereich bisher aber nicht gekommen.

Gefürchtete Pöbel-Papis

In der Regel sind nicht die Trainer die Unruheherde bei Junioren-Begegnungen, sondern Zuschauer. Berüchtigt sind übereifrige Väter, die sich für ihren Nachwuchs starkmachen – und das nicht nur verbal. Im vergangenen Juni etwa wurde ein Fall aus Luzern publik, bei dem ein Vater einem Trainer die Faust ins Gesicht schlug: Er hatte es zuvor gewagt, dessen Sohn auszuwechseln.

Der Fussball-Verband hat genug von den Pöbel-Papis: Ab den Sommerferien müssen die Klubs auch bei Kinderfussballspielen sogenannte Zuschauerzonen einrichten. Die Jungen sollen sich auf das Spiel konzentrieren können.

Probleme mit Neuen Medien

«Bei den Junioren sind Vorfälle mit Drohungen oder gar Gewalt sehr selten», sagt Bianca A. Jasmund (54). Sie leitet die Abteilung Breitenfussball beim SFV Nordwestschweiz. Daneben leitet sie auch «Zoffstopp», ein Projekt, das Gewalt im Sport entgegenwirken soll. Praktisch konfliktfrei sei der Spielbetrieb im Kinderfussballbereich.

Vom aktuellen Fall hat Jasmund, die früher ebenfalls Junioren trainiert hat, keine Kenntnis. Aber das Thema neue Medien sei hochaktuell: «Bei unserer laufenden Kampagne von Zoffstopp geht es genau um diesen Konfliktherd: unerwünschte Aufnahmen und wie man damit umgeht.»

*Name der Redaktion bekannt

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