Selten bietet sich eine Gelegenheit wie diese: Mit dem Kauf und der geplanten Neugestaltung des Klybeck-Areals winkt die Chance, ein ganzes Quartier von seiner Entstehung an zu konzipieren. Kaum ein Architekt in dieser Stadt, der das Projekt nicht verfolgt. Zumal auch die Öffentlichkeit dazu eingeladen worden ist, Ideen und Vorstösse einzureichen. Die laufende Testplanung wird unter dem Namen Klybeckplus zusammengefasst. Im Juni wurden erste Ergebnisse bekannt. Vier Architekturbüros präsentierten ihre Vorstellungen.

Grosses grünes Dorf

Zu «investorentauglich» findet diese die Juso. «Wir sehen in der Testplanung keine schöpferische Idee, keinen Entwurf in die Zukunft hinaus, keinen Ausdruck einer geistigen Zielsetzung» zitieren die Jungsozialisten Max Frisch. Unter der Leitung von Architekt Lukas Gruntz haben sie deshalb ein eigenes Konzept ausgearbeitet. Dieses sieht vor, dass der Kanton den Boden entweder selbst bebaut oder im Baurecht an Stiftungen und Genossenschaften abgibt. Optisch fällt sofort auf: Die Visualisierungen sind deutlich grüner.

Grüne Korridore sollen das Gebiet erschliessen.

Grüne Korridore sollen das Gebiet erschliessen.

Das gesamte Gebiet ist fein verästelt mit Korridors aus Bäumen erschlossen, so zumindest legen es die Skizzen nahe. «Coulée verte» heisst dieses Prinzip, auf Deutsch Grüngürtel, und hat seine Vorbilder in New York, München und Paris. Mit diesem System wollen die Jungpolitiker Wiese und Rhein verbinden. Auch die Dächer sollen komplett begrünt werden, sofern sie nicht gleich als Nutzgärten dienen. Die Nutzung soll stark dem günstigen Wohnen zugutekommen. Mehr, als dies die renommierten Planer bislang vorsahen. «Wir fordern, dass auf dem Klybeck-Areal in Zukunft Wohnraum für doppelt so viele Menschen wie Arbeitsplätze errichtet wird», sagt Architekt Gruntz. Neubauten, die das Areal verdichten könnten, sind aber nicht in seinem Sinn.

Zentral für Gruntz: «Wir wollen die Gebäude weitestgehend so belassen.» Das alte Industriegebiet sei ein historisches Zeugnis dieser Stadt. Zudem sei ein Fortbestand ökologischer und ökonomischer. Gundeldingerfeld statt Erlenmatt. Dafür wollen die Juso auch auf grosse Plätze verzichten. «Das Areal darf ruhig komplex und kleinteilig bleiben», so Gruntz.

Altlasten-Rechnung an Pharma

Zuerst aber sollen die Verkäufer und bisherigen Nutzer des Gebiets, Novartis und BASF, den Boden von Altlasten reinigen: «Die beiden Firmen erzielten satte Gewinne. Es kann nicht sein, dass die Allgemeinheit für die Kosten der Reinigung aufkommen muss», heisst es in der Broschüre, die in den nächsten Tagen veröffentlicht werden soll.

Im Widerspruch zu allem Idealismus: Allzu überzeugt von ihren Ideen zeigen sich die Jungpolitiker nicht. So steht am Ende ihrer Erklärung: «Wir sehen es kommen: Die Kritiker werden unser Projekt als unrealistisch abtun.»