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Kabale und Liebe in Riehen: Wer geht für die SVP ins Kandidaturen-Rennen?

In Riehen startet das Rennen um den Gemeinderat, der in knapp einem Jahr neu gewählt wird. Die SVP wartet mit einer brisanten Personalie auf.

Bis zu den Gesamterneuerungswahlen in Riehen dauert es noch fast ein Jahr. Aber bei der SVP gehen die Wogen bereits jetzt hoch. Der Grund: Offenbar liebäugelt die Grossrätin Daniela Stumpf mit einer Kandidatur für den Gemeinderat. Das ist in mehrfacher Hinsicht brisant. Stumpf ist die Partnerin von Eduard Rutschmann, seines Zeichens Grossrat und Präsident der Riehener SVP. Rutschmann hatte vor vier Jahren selber auf dem bürgerlichen Ticket für den Gemeinderat kandidiert, die Wahl aber knapp verpasst. An seiner Stelle wurde LDP-Kandidat Christoph Bürgenmeier gewählt.

Dass nun seine Partnerin für die SVP ins Rennen steigen soll, sorgt parteiintern für Unruhe. Denn eigentlich ging man bisher davon aus, dass der frisch gewählte Grossrat Felix Wehrli als SVP-Kandidat gesetzt ist. «Ich wäre die Person mit den besten Wahlchancen», meint dieser. Tatsächlich hat der Detektiv vergangenes Jahr bei den Grossratswahlen im Wahlkreis Kleinbasel den ersten Listenplatz belegt. In Riehen selber belegte er 2014 bei den Wahlen für den Einwohnerrat allerdings lediglich den siebten Platz auf der SVP-Liste.

Die Plätze drei und vier belegten damals Heinrich Ueberwasser und Christian Heim. Beide bestätigen auf Anfrage, dass sie für die SVP als Gemeinderat kandidieren wollen. Ein Déjà-Vu:
Ueberwasser und Heim hatten sich letztes Jahr auch beide als Kandidat für die Regierungsratswahlen beworben, blieben am Parteitag aber chancenlos. «Ich glaube, ich wäre ein geeigneter Kandidat», sagt Heim.

Er sei seit längerem in Riehen politisch aktiv und amtiere als SVP-Fraktionspräsident sowie als Vorsitzender der Fachkommission für Siedlung und Landschaft. Ausserdem würde er genügend Zeit mitbringen. Der Kantonsangestellte lässt sich nächstes Jahr frühpensionieren.

«Völlig unprofessionell»

Die Kür des SVP-Kandidaten bei den bevorstehenden Wahlen in der grössten Agglomerationsgemeinde ist brisant wie nie zuvor. Die Partei ist trotz ihrer 25 Prozent Wähleranteil nicht im Gemeinderat vertreten. Nach dem knappen Scheitern des Hardliners Rutschmann vor vier Jahren stehen 2018 die Chancen ausserordentlich gut. Das zeigten auch die letztjährigen Regierungsratswahlen.

In Riehen schaffte es SVP-Kandidat Lorenz Nägelin unter die sieben Auserwählten, im Gesamtkanton lag er chancenlos auf Platz neun. Dazu kommt: Zwei der bisherigen Riehener Gemeinderäte politisieren parteilos, treten also ohne grosse Unterstützung an.

In dieser aussichtsreichen Ausgangslage sorgt nun die Personalie Stumpf für Unmut: «Das ist unglücklich, aber nicht wirklich überraschend», meint ein Parteimitglied. «Völlig unprofessionell», sagt ein weiteres. «Es schafft Misstrauen und behindert die Zusammenarbeit.»

Viele setzen ein grosses Fragezeichen hinter eine Kandidatur Stumpf. So sei sie als Zugezogene in Riehen nur schlecht vernetzt. Auch hat sie keine Erfahrung in der Gemeindepolitik. Weiter fragen sich viele, wie unabhängig sie von ihrem Partner politisiert. Andererseits könnte eine weitere Frauenkandidatur dem bürgerlichen Ticket Wahlvorteile bringen.

Stumpf war gestern telefonisch nicht erreichbar. Ihr Partner Eduard Rutschmann sagt: «Wir haben noch nicht darüber gesprochen.» Es werde eine Findungskommission eingesetzt «mit Leuten, die auf keine Art mit den Kandidaten verbandelt sind», betont der SVP-Präsident. «Ich will eine saubere Sache und keine Intrigen», sagt Rutschmann.

Zwei spannende Politiker haben hingegen bereits abgewinkt: Nationalrat Sebastian Frehner und Wirtschaftsmann Pascal Brenneisen.

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