Nähkästchen

Kabarettistin Rosetta Lopardo: «Schon als Kind war ich ein Medium»

Im Nähkästchen der «Schweiz am Wochenende» verstecken sich verschiedene Begriffe. Das Thema für die Sängerin und Kabarettistin Rosetta Lopardo: «Lügen».

Im Nähkästchen der «Schweiz am Wochenende» verstecken sich verschiedene Begriffe. Das Thema für die Sängerin und Kabarettistin Rosetta Lopardo: «Lügen».

Wenn die Kabarettistin Rosetta Lopardo nicht gerade auf der Bühne steht, tritt sie in Kontakt mit Verstorbenen. Erstmals redet sie darüber.

Rosetta Lopardo, worüber reden wir?

Wir sprechen über Lügen.

Können Sie dazu überhaupt was sagen?

Und ob! Wo belügt man sich selber, sein Sein? Diese Fragen stelle ich mir oft. Und zwar mit dem Ziel, meinen Herzweg zu gehen – mit aller Konsequenz. Das ist nicht einfach. Sich zu belügen, wäre manchmal sicher bequemer.

Welches ist Ihr Herzweg?

Um diesen gehen zu können, muss ich ständig stehen bleiben und mich fragen: Ist es wirklich das, was ich zu sagen habe? Mein Bühnenprogramm über Sexualität beispielsweise lief so gut, dass es am einfachsten gewesen wäre, damit weiterzumachen. Doch ich hätte mich angelogen.

Wurden Sie dem Thema überdrüssig?

Nein, aber ich habe nicht mehr dafür gebrannt. Ich musste auch da stehen bleiben und mich erneut für mich entscheiden.

Inwiefern entscheiden Sie sich für sich?

Beispielsweise habe ich neulich zu malen angefangen und mich gefragt: Wie sieht das aus, wenn ich jetzt auch noch male? Bald habe ich mir gesagt, dass mir das egal sein kann, weil es für mich ja stimmt.

Sie malen nebst dem Singen und dem Kabarett nicht nur, sondern sind seit zwei Jahren auch als Medium tätig. Fürchteten Sie damals auch, die Leute könnten denken, hoppla, jetzt ist die Frau Lopardo auch noch ein Medium.

Was ich bin, bin ich sowieso. Ich war schon als Kind ein Medium. Diese Gabe habe ich von meinem Vater geerbt. Ich habe sie jahrzehntelang weggeschoben, da mir die Verantwortung zu gross war. Erst vor zwei Jahren kam der Punkt, an dem ich gemerkt habe: Jetzt kann ich damit umgehen, ohne auf einer Egoschiene zu fahren.

Sie beraten als Medium andere Leute, wo bleibt da Platz für die Egoschiene?

Hinter der Maske des Helfens kann man sein Ego sehr gut füttern. Das kann für beide Seiten gefährlich werden. Diese Gefahr tut sich in der Position, in der ich mich als Beraterin befinde, schnell auf. Das will ich nicht, denn es geht dabei nicht um mich. Ich erhalte lediglich gewisse Informationen und gebe diese weiter. Mehr nicht. Ich bin ein Medium, also eine Überbringerin. Basta.

Was für Informationen erhalten Sie?

Es kann sein, dass Verstorbene postum unbedingt noch eine Aufgabe lösen möchten. Ich kann aber auch sehen, wo jemand in seinem Leben gerade steht, wo die Dreh- und Angelpunkte im Moment sind. Dies geschieht immer in Verbindung zum Jenseits.

Was ist das, das Jenseits?

Wie auch immer Sie das nennen wollen, es sind höhere Mächte, die mit mir in Kontakt treten. Viele Leute wollen von Engeln oder Geistern sprechen, sie brauchen eine Bezeichnung, für mich ist das zweitrangig.

Erhalten Sie auch Informationen, ohne dass dies jemand von Ihnen verlangt?

Das passiert, doch es wäre übergriffig, dies jemandem mitzuteilen, ohne dass er zuvor auf mich zugekommen ist. Ich betrete ja auch nicht einfach Ihre Wohnung, auch nicht, wenn ich einen Schlüssel habe.

Was für Leute kommen zu Ihnen? Sind das Fans von Ihnen?

Im Gegenteil. Die meisten kennen mich nicht als Kabarettistin und Sängerin.

Wie oft müssen Sie Leute enttäuschen?

Der Kontakt zum Jenseits ist zu vergleichen mit einem Radioprogramm: Manchmal erwischt man die richtige Frequenz, manchmal nicht. Das sage ich meinen Kunden jeweils auch zu Beginn einer Sitzung. Bisher hat es aber immer funktioniert.

Was passiert in Ihnen, wenn jemand wissen will, wo er im Leben steht?

Ich muss zuerst die Radiofrequenz suchen. Was ich immer sehe, ist die Aura der Leute und was bei Ihnen ansteht. Ich bereite mich auf jede Sitzung vor – und zwar, bevor ich die Leute treffe. Ich gehe in eine Art Meditation und notiere mir, was mir für die Person mitgeteilt wird.

Stossen Sie auch Leute vor den Kopf?

(Überlegt lange). Dort fängt für mich die Verantwortung an – und damit auch das Ego-Getue. Ich bin für meine Kunden da, das heisst, ich merke auch, ob jemand mit einer Information umgehen kann oder nicht. Heftige Dinge sage ich nicht.

Das ist doch für Sie auch eine Last?

Darum musste ich jahrzehntelang warten, um mit meiner Gabe umgehen zu können.

Können Sie das Radio auch abstellen?

Ja, ganz klar. Ich habe Öffnungszeiten – und die halte ich auch ein. Sonst könnte ich ja keine normalen Beziehungen führen.

Mussten Sie sich schon den Vorwurf anhören, eine Scharlatanin zu sein?

Nein, noch nie, was aber auch daran liegt, dass ich immer gut vorbereitet bin.

Sie sind hauptberuflich nach wie vor Kabarettistin, was steht da an?

Ich arbeite am neuen Programm und bin mit meinem musikalischen Kabarett «la Stracciatella» unterwegs und bald erstmals als Medium auf der Bühne zu erleben.

Ein magischer Abend mit Rosetta Lopardo: Sa, 4. Nov., im «Papuni» Oberwil. www.rosettalopardo.ch

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