Internetprojekt
Kachelmann und Heeb wollen mit «Barfi.ch» Basel erobern

Bald kann jeder über sein Handy Botschaften auf das Leuchtband am Barfüsserplatz projizieren: «Barfi.ch» soll am 31. Juli 2015 online gehen. In Sachen Optik und Werbeformen sei «der ganz grosse Wurf gelungen», sagt Initiator Christian Heeb.

Matthias Zehnder
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Klaus Neumann-Braun, Christian Heeb und Jörg Kachelmann (v.l.) wollen auch Wetterprognosen auf dem Leuchtband am Barfi (links oben) zeigen.

Klaus Neumann-Braun, Christian Heeb und Jörg Kachelmann (v.l.) wollen auch Wetterprognosen auf dem Leuchtband am Barfi (links oben) zeigen.

Kenneth Nars

Der Basler Radiopionier Christian Heeb (Radio Basilisk, Radio Basel) startet gemeinsam mit drei Freunden ein Medienprojekt: «Barfi.ch» heisst die Plattform, die am 31. Juli 2015 online gehen soll. Zielpublikum sind vor allem jüngere Menschen mit Smartphone. Hauptinhalt werden regionale Nachrichten sein. Neu an dem Projekt ist, dass Heeb ein Angebot für Mobiltelefone mit dem kultigen Leuchtband auf dem Haus von Juwelier Seiler am Barfüsserplatz in Basel verbinden will. Das Leuchtband soll nicht nur Nachrichten zeigen, sondern Botschaften der Benutzer und so zu einem interaktiven Kult-Element werden.

Mit an Bord sind neben Heeb auch der Meteorologe Jörg Kachelmann, Klaus Neumann-Braun, Professor für Medienwissenschaft an der Uni Basel, und Ex-Ringier-Mann Fibo Deutsch. Gemeinsam wollen die vier ein neuartiges, elektronisches Medium vor allem für junge Leute auf die Beine stellen. Bemerkenswert ist das, weil keiner der vier zur Generation der «Digital Natives» gehört: Kachelmann ist mit 56 Jahren der Jüngste, Heeb und Neumann-Braun sind 62, Deutsch ist 75 Jahre alt.

Der Barfi ist das Zentrum

«Barfi.ch» heisst das Angebot nicht nur, weil das Leuchtband ein Schlüsselelement ist. Heeb: «Basel ist das Zentrum der Region und der Barfi ist das Zentrum von Basel.» Jeder kenne den Platz, der Name lasse sich in jeder Sprache aussprechen. Am Barfi gebe es zudem viele Outdoor-Restaurants mit kostenlosem WLAN. «Alle Jugendlichen haben zwar ein Handy, aber der Gebühren wegen brauchen sie öffentlich zugängliche Drahtlosnetze.»

Zum Kernangebot von «Barfi.ch» sollen regionale Wetterprognosen gehören. «In der Stadt Basel wird an keinem einzigen Ort professionell das Wetter gemessen», erklärt Kachelmann. Daten gebe es nur gerade für Basel-Binningen, den Chrischona-Turm und Rünenberg. «Wir wollen das ändern und in der Region Basel und Baselland das Wetter kleinräumig erfassen.» Das sei nötig, weil die Region Basel keineswegs einheitlich sei in Sachen Wetter. «Der nasseste Ort im Baselland hat mehr als doppelt so viel Regen wie gewisse Quartiere in Basel.» Die Wetterstationen in der Region will «Barfi.ch» zusammen mit Partnern aufbauen. Derzeit sei man, so Kachelmann, mit möglichen Partnern im Gespräch.

Die Firma der vier Freunde heisst Barfi AG. Sie sucht derzeit Büros in der Innenstadt und Mitarbeiter. Laut Heeb will Barfi AG acht feste Mitarbeiter anstellen und mit einer grossen Anzahl freier Mitarbeiter arbeiten. Namen will er noch keine nennen. Mit dem Team will Heeb «jeweils am Morgen und am Abend eine eigene, gute regionale Geschichte haben. Das ist der Auftrag an die Redaktion.» Zudem will er mit den existierenden Medienangeboten zusammenarbeiten. «Wir sind keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung zu den bestehenden Zeitungen.»

Neu: Optik und Werbeformen

Dies insbesondere deshalb, als «Barfi.ch» die ganze Region ansprechen will. «Die Landesgrenze gibt es bei uns in der Region nicht mehr», ist Heeb überzeugt. Alle Versuche der klassischen Medien, die Landesgrenze zu überschreiten, seien bisher gescheitert. «Man sieht die Schweizer Zeitungen nicht im Süddeutschen, aber viele Schweizer. Man sieht die Badische Zeitung nicht in der Schweiz, aber viele Deutsche in Basel. Aber: Alle haben immer ein Handy bei sich», erklärt Heeb.

Optisch soll «Barfi.ch» «etwas völlig Neues» sein, das auch «völlig neue Werbeformen» anbiete. Heeb: «Da ist uns der ganz grosse Wurf gelungen.» Es sei geglückt, «eine Seite zu entwickeln, die es in dieser Form heute noch nicht gibt». Es sei das Gegenteil einer auf den Bildschirm gedruckten Zeitung. Ein Vorbild seien «Angebote von der Generation Flipboard», ein aus Kacheln aufgebautes, individuell bestückbares Onlineangebot. Mehr will Heeb dazu nicht sagen und er will auch noch keine Bildschirmansichten veröffentlichen.

Das neue Angebot soll sich über Werbung und Sponsoren refinanzieren. «Es gibt keine Bezahlschranke und keinen Verleger im Hintergrund», erklärt Neumann-Braun. Laut Heeb ist das Geld für Start und Investitionen beisammen. Ziel sei eine Refinanzierung innert drei bis fünf Jahren. Das sei aber nicht unbedingt nötig: «Wir haben auch einen Businessplan ohne Refinanzierung.»

Echtzeit-Forschung für Studenten

Für Neumann-Braun bietet das Engagement die Möglichkeit, Studenten quasi am lebenden Objekt forschen zu lassen. «Das Projekt ermöglicht der Uni neue Formen der Echtzeit-Forschung.» Die Uni werde «Barfi.ch» im Rahmen der Berufsfeld-orientierten Ausbildung mit studentischen Arbeitsgruppen begleiten. Für die Studenten sei das interessant, weil man heute in Echtzeit mitverfolgen könne, welche Inhalte die Anwender lesen.