Artenvielfalt

Käfersterben in Basel - Das ist ein Alarmsignal

Forscher der Universität Basel warnen: In der Region ist der Erdbockkäfer bedroht, in der Stadt bereits ausgelöscht.

Das Insektensterben hat die Region Basel erreicht. Forscher der Universität Basel haben den Bestand des seltenen Erdbockkäfers in den vergangenen 20 Jahren beobachtet und gemessen. Ihr Fazit: Die Population des Insekts ist im untersuchten Zeitraum um 90 Prozent geschrumpft und am einzigen Standort auf dem Gebiet der Stadt Basel sogar ausgestorben.

Seit 24 Jahren beschäftigt sich Bruno Baur mit dem Erdbockkäfer, einem flugunfähigen, 12 bis 18 Millimeter grossen Insekt, auf Lateinisch Iberodorcadion fuliginator genannt. Der Professor für Naturschutzbiologie hat in einer Langzeitstudie untersucht, wie sich die Population des Erdbockkäfers in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat. Das Krabbeltier gilt als ausgezeichneter Indikator für den Zustand der Artenvielfalt und des Ökosystems.

Das Käfersterben hat verschiedene Ursachen

An 13 Standorten in der Region Basel ging Baur jedes Jahr mit Kollegen zwischen Mitte März und Mitte April Käfer zählen. Im Kanton Basel-Landschaft lebt die Insektenart auf einer Wiese beim Allschwiler Weiher, in Basel-Stadt lag der einzige Standort am Rheinufer beim St.-Johanns-Park. Die restlichen Lebensräume des Käfers befinden sich in der Nähe des Euroairports auf elsässischem Gebiet und im Markgräfler Hügelland.


Das Forschungsdesign klingt simpel: Man läuft im Zickzack über eine im Voraus bestimmte Fläche und zählt, wie viele Erdbockkäfer sich in einem bestimmten Zeitraum finden lassen. Um sie aufzuspüren, muss man viel Geduld und das Auge dazu haben.


Bruno Baur hat das Auge und es scheint, als wisse er alles über das winzige Tier. Ein kurzer Blick in die Unterlagen genügt ihm, um herauszufinden, wann der letzte Käfer auf Stadtgebiet gesichtet wurde: «Das war am 13. April 2009. Der Käfer war zertrampelt.» Das sei denn auch das Hauptproblem am Standort Rheinufer gewesen: Dort sei der Käfer aufgrund der intensiven Freizeitnutzung und wegen Hundehaltern, die die Tiere ihr Geschäft in der Böschung verrichten liessen, vertrieben worden. Die Forscher haben aber auch in den Folgejahren immer wieder am Rheinufer gesucht. Je nach Standort sind die Ursachen für die Bedrohung unterschiedlich. So befinden sich mehrere Lebensräume in der Nähe von Ackerbaugebieten, wo unter dem Einsatz von Düngemitteln und Insektiziden nicht nur Schädlinge, sondern auch Nützlinge leiden. Eines haben die verschiedenen Ursachen für das Insektensterben aber gemein: Sie sind alle menschengemacht.


Was bedeutet das Aussterben des Erdbockkäfers für die Region Basel? Baur sagt: «Auch wenn der Mensch es noch nicht richtig wahrnimmt: Das ist ein Alarmsignal.» Er erklärt, das Verschwinden des Käfers sei ein Zeichen dafür, dass Insekten zentrale Dienste für das Ökosystem nur noch schlecht übernehmen könnten. Dazu gehören etwa das Bestäuben von Pflanzen oder das Auflockern des Erdbodens. Daher werde das Aussterben von Insekten zu einem Problem, das spätestens seit dem Film «More than Honey» den meisten bewusst sein sollte.

Der lange Untersuchungszeitraum macht Baurs Studie einzigartig. Dass der Bestand einer Käferart über 20 Jahre mit derselben Methode und an denselben Standorten gemessen wird, verhindert, dass falsche Schlüsse aus den Ergebnissen einzelner extremer Jahre gezogen werden.
Im nächsten Jahr wird Bruno Baur zum letzten Mal Käfer zählen, dann wird er pensioniert. Vielleicht zählt danach jemand anderes weiter.


Öffentliche Tagung
Die Studie wird im Rahmen der Tagung «Naturschutz in und um Basel» am 31. Januar, 13.15 bis 17.00 Uhr, im Hörsaal 1 des Pharma-/Biozentrums, Universität Basel, vorgestellt.

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