Preiserhöhung

Kaffeegenuss wird in Basel wegen Corona teurer

4.78 Franken zahlte man im Mai 2020 im Schnitt für einen Espresso in Basel.

4.78 Franken zahlte man im Mai 2020 im Schnitt für einen Espresso in Basel.

Cafés und Cafébars leiden unter der Pandemie. Erste Unternehmen in Basel reagieren mit einer Preiserhöhung.

Wie viele Gastronomen befindet sich auch die Café-Branche aufgrund der Coronapandemie in einer existenziellen Notlage. Das könnte auch Auswirkungen auf die Kaffeepreise haben. «Je nachdem, wie lange und in welchem Umfang die Massnahmen anhalten, muss die Gastronomie auf diese Auswirkungen reagieren», schrieb der Branchenverband CafetierSuisse Anfang Dezember in einer Mitteilung. In Basel sind alle Cafés schon seit sieben Wochen zu, und werden es sicher noch bis Ende Februar bleiben. Die Voraussetzungen für eine Preiserhöhung wären also gegeben.

Bis zu zehn Prozent mehr für eine Tasse Kaffee

Im Mai 2020 kostete ein Espresso in Basel laut dem statistischen Amt im Schnitt 4.78 Franken. Im Jahr zuvor waren es 13 Rappen weniger gewesen. Ob das bereits eine Reaktion der Cafés auf den ersten Lockdown war, ist schwer zu sagen.

CafetierSuisse schliesst aber einen happigen Preisaufschlag auf eine Tasse Kaffee in diesem Jahr nicht aus. «Nach der zurückhaltenden Preisentwicklung in den vergangenen Jahren und um den Umsatzrückgang aufzufangen, können Preiserhöhungen von bis zu zehn Prozent auf die Tasse Kaffee nötig werden», prognostizierte der Verband.

Und tatsächlich: Die ersten Kaffeeanbieter in der Stadt reagieren auf die Krise. Wer sich in diesen Tagen an der Espressobar Vicafe am Marktplatz oder beim Bahnhof SBB einen Coffee to go holte, dem wird das Infoschild auf dem Verkaufstresen aufgefallen sein. Das Kaffeeunternehmen setzt auf Transparenz und informiert seine Kunden gleich selbst über die höheren Preise seit Anfang Jahr. Als Grund wird unter anderem die Coronapandemie genannt.

Erste Preiserhöhung seit Eröffnung

Ein Espresso ist jetzt 50 Rappen teurer und kostet neu 3.50 Franken. Einen mittleren Cappuccino erhält man nicht mehr für 5.50, sondern für 5.80 Franken. Beim Espresso to go entspricht das einem Preisaufschlag von mehr als 16 Prozent.

Corona sei aber nicht der einzige Grund, weshalb man sich für eine Preiserhöhung entschieden hat, sagt Ramon Schalch, Geschäftsführer der Vicafe Rösterei & Espresso Bars AG: «Wir wollten eigentlich schon vor zwei Jahren die Preise anpassen, haben uns dann aber entschieden, zu warten und zu schauen, ob wir betrieblich noch etwas optimieren können.»

Beim diesjährigen Aufschlag handelt es sich um die erste Preiserhöhung seit der Eröffnung der ersten Espressobar vor sechs Jahren. Seit dann sind die Rohstoffpreise gestiegen und das Unternehmen beteiligt sich vermehrt an Nachhaltigkeitsprojekten. «Wir hätten uns sowieso irgendwann für eine Erhöhung entschieden, durch Corona haben wir es einfach früher gemacht», sagt Schalch.

Obwohl die Espressobars ausschliesslich Kaffee zum Mitnehmen verkaufen, waren auch sie heftig von der Pandemie betroffen: «Im ersten Lockdown hatten wir zwei Monate zu und eine Umsatzeinbusse von 99 Prozent.» Nach wie vor spüre man auch die reduzierte Pendleranzahl.

Aufschlag sei gerechtfertigt

Der Präsident des Wirteverbands Basel, Maurus Ebneter zeigt sich verständnisvoll für allfällige coronabedingte Preiserhöhungen: «Das muss jeder Betrieb selbst abschätzen. Wegen der Kapazitätseinschränkungen und der Mehrkosten durch Schutzkonzepte ist ein Aufschlag betriebswirtschaftlich sicher gerechtfertigt.»

Auch nach der Preiserhöhung liegt der Espressopreis bei Vicafe übrigens immer noch unter dem Durchschnitt. Laut Bundesamt für Statistik kostete ein Espresso in der Schweiz im Jahr 2019 im Schnitt 4.21 Franken.

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