Grenzkontrolle
Kameras ersetzen Grenzwächter

Auf Schmugglerwegen entlang der Grenze herrschte einst Hochbetrieb. Heute fahren Kriminelle im Zug ein. Eine geheim gehaltene Anzahl Kameras überwacht die Landesgrenze – Hinweise lieferten sie beim Casino-Raub.

Andreas Maurer
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Schweiz am Sonntag

Früher hat die Grenzwache dafür gesorgt, dass Grenzwege ständig gehegt und gepflegt wurden. Mit Schäferhunden patrouillierten Grenzwächter regelmässig auf diesen Fussgängerpfaden entlang der Grenze. Ein sehr beliebter Schmugglerweg war jener, der auf dem Foto rechts eine Strasse im Basler St.Johann-Quartier kreuzt. Der Weg führt entlang der Zollfreistrasse zum Flughafen. Er erlangte aber nicht wegen des Flughafens seine Beliebtheit bei Schmugglern, sondern weil sie sich darauf auch nachts leicht orientieren konnten. «Ihre Auftraggeber sagten ihnen: ‹Folgt einfach dem Zaun›», berichtet Grenzwachtsprecher Patrick Gantenbein. Der Grenzweg bot sich auch wegen einer rechtlichen Besonderheit an: Erst wer den Zollfreiweg verlässt, tritt mit seiner Ware ins Land ein. Der Schmugglerweg führt daher gewissermassen durch Niemandsland. Schmuggler folgten dem Weg oft bis zu einer Brücke, von der sie ihre Ware Komplizen zuwarfen.

Schleichwege haben ihre Bedeutung verloren

Die dunklen Geschäfte, die sich auf den Grenzwegen abspielten, wechselten mit der Zeit: Statt Schmuggler schlichen illegale Migranten darauf. «Heute hat sich dies wieder verlagert: Illegale Migranten oder gesuchte Personen reisen heute auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ein», weiss Gantenbein. Mit der Öffnung der Grenzübergänge haben die Schleichwege ihre Bedeutung verloren. Viele Grenzwege wachsen zu oder werden überbaut. Kriminelle sind dadurch teilweise mit grösseren Hindernissen konfrontiert als früher. «Ein Brombeergestrüpp hat manchmal mehr Wirkung als ein Grenzwächter», bemerkt Gantenbein.

Noch heute werden aber viele Grenzwege rund um die Uhr bewacht. Statt Grenzwächter aus Fleisch und Blut liegen elektronische Wächter auf der Lauer. Die Zahl der Kameras hütet der Grenzwachtsprecher als Geheimnis. Obwohl die Schleichwege entlang der Grenze ihre Anziehungskraft für Kriminelle verloren haben, sind die schwarzen Augen für die Grenzwache immer noch hilfreich. Die auf dem Foto abgebildete Kamera habe Hinweise für die Ermittlungen des Casino-Überfalls geliefert. Mehr verrät Gantenbein nicht, da der Fall noch nicht abgeschlossen ist.

Nie mehr allein im Dienst

Radikal verändert hat sich auch der Alltag der Grenzwächter in den letzten dreissig Jahren. «Den Beruf, den ich 1977 gelernt habe, gibt es nicht mehr», sagt Grenzwächter Ernst Walthard. Anfangs patrouillierte er in der Regel alleine. Auch über Funk war er nicht mit seinen Kollegen verbunden. «Man fühlte sich manchmal einsam: Oft stand ich stundenlang an einem Waldrand, wartete und beobachtete - und das bei jedem Wetter», erinnert er sich. Das brauchte Mut. Auch wenn Walthard auf verdächtige Gestalten in Überzahl traf, stellte er sich ihnen alleine in den Weg. Dabei wurde er nie verletzt. Er verrät den Trick: «Man muss mit seinem Auftreten Autorität ausstrahlen.» Ob der Beruf des Grenzwächters heute besser oder schlechter als früher ist, sagt Walthard nicht. «Heute ist er vielseitiger.»

Zu einem Praxiswechsel waren die Grenzwächter in der RAF-Zeit gezwungen. In der Region Basel wurden damals mehrere Grenzwächter angeschossen und verletzt. Seither sind Grenzwächter nie mehr alleine im Dienst.