Die Schweiz steuert auf einen Ärztemangel zu. Besonders in ländlichen Gebieten stehen immer mehr Hausarztpraxen leer. Um diesen Trend zu stoppen, haben sich nun die Erziehungsdirektoren der beiden Basel darauf geeinigt, die Ausbildungsplätze an der Medizinischen Fakultät der Uni Basel kontinuierlich zu erhöhen.

Bereits im Herbst 2014 wird die Kapazität um 40 Plätze erhöht, 2020 werden es schliesslich 240 Plätze mehr sein als heute – dannzumal werden in Humanmedizin, Zahnmedizin, Pflegewissenschaften und Sportwissenschaften zusammen 1020 Plätze zur Verfügung stehen, wovon die Humanmediziner den grössten Anteil ausmachen.

Diesen Entscheid, für den die beiden Basel finanziell grösstenteils selber aufkommen müssen, kommunizierten die beiden Bildungsdirektoren Christoph Eymann (BS) und Urs Wüthrich (BL) gestern im Kollegiengebäude der Uni. Um die zusätzlichen Studienplätze zu finanzieren, müssen die beiden Kantone zukünftig ziemlich tief in die Tasche greifen.

Für die Kapazitätserhöhung im Rahmen des Leistungsauftrags 2014–2017 steigt das Budget der Medizinischen Fakultät um 700'000 Franken jährlich auf Mehrkosten von 2,8 Millionen. Für die darauf folgende Leistungsperiode steigt das Budget weiter schrittweise.

Nicht gerüttelt werden soll derweil an der Zulassungshürde, dem Numerus clausus. Der hat sich gemäss dem Baselbieter Bildungsdirektor Urs Wüthrich bewährt. «Um die Qualität sicherzustellen, ist die Begrenzung der Studienplätze durch den Numerus clausus richtig.» So würden immerhin 80 bis 90 Prozent der Immatrikulierten das Studium abschliessen, währenddem in anderen Studienrichtungen ohne Eignungstests die Quote der Abbrüche bei rund 50 Prozent liege. Unirektor Antonio Loprieno machte zudem deutlich, dass auch bei einem Ausbau der Studienplätze die Nachfrage das Angebot deutlich übersteigen würde.

Kritik am Bundesrat

Christoph Eymann hatte für die Verhandlungspartner Lob und Kritik übrig. Lob gab es für den Landkanton, der trotz der finanziell ungemütlichen Lage bereit ist, einen Beitrag zu leisten. Kritik hingegen äusserte er am Bundesrat, der sich mindestens bis 2016 finanziell nicht an der Aufstockung der Studienplätze beteiligen will, ohne in anderen Fakultäten zu sparen.

«Steigt die Anzahl Medizinstudierender, so findet eine Umverteilung der Grundbeiträge gemäss interkantonaler Universitätsvereinbarung statt», heisst es in einem Papier, das die zuständigen Bundesräte Johann Schneider-Ammann und Alain Berset an die Bildungsdirektoren und Unis schickten. Weil die Beträge dann zunähmen, sähen sie für die Periode 2013–2016 keine zusätzliche Finanzierung vor. Der Bund habe sich da aus der Verantwortung «rausgeredet», sagte Eymann und betonte, dass er die Hoffnung nicht aufgegeben habe, dass der Bund nach 2016 seinen Beitrag leisten werde.

Hausarztmangel damit nicht gelöst

Die Probleme, das räumten die Bildungsdirektoren ein, werden mit der Aufstockung der Studienplätze nicht aus der Welt geschaffen. Viele Mediziner lassen sich heute in der Stadt oder zumindest in Stadtnähe nieder, zudem spezialisieren sie sich heute öfter – denn Spezialisten sind weit besser bezahlt. Ein Blick auf die heutige Hausärztedichte bestätigt: Insbesondere in den ländlichen Bezirken Sissach und Laufen herrscht ein grosser Mangel. Diesem Trend will die Uni nicht «polizeilich» entgegenwirken, wie Unirektor Loprieno betonte. Anreize könnten aber durchaus durch eine Stärkung der Hausarztprofessuren geschaffen werden.

Auch Wüthrich ist der Meinung, dass man den Medizinern nicht vorschreiben könne, wo sie ihren Beruf ausübten und spielte den Ball zu den Gesundheitspolitikern. Schliesslich sei der Trend auch über eine Steuerung der Tarife umzukehren.