Coronakrise

Kampf für die Kongressstadt Basel: Der Bund soll den Inland-Geschäftstourismus wieder ankurbeln

Basel gilt als Anziehungspunkt für Kongresstouristen aus der ganzen Schweiz. Zurzeit herrscht dahingehend aber immer noch Lichterlöschen.

Basel gilt als Anziehungspunkt für Kongresstouristen aus der ganzen Schweiz. Zurzeit herrscht dahingehend aber immer noch Lichterlöschen.

Die Kongressstadt Basel sitzt auf dem Trockenen. Während Coiffeurbesuche, Fussmassagen und jetzt sogar Bordellbesuche erlaubt sind, dürfen Kongresse immer noch nicht stattfinden. Dabei bietet die MCH Group in ihren Hallen erstklassige Voraussetzungen für Schutzkonzepte.

Trotz eingestellter Baselworld, trotz abgesagter Art Basel: Die Stadt am Rheinknie ist und bleibt vorerst eine Messe- und Kongressstadt. Entsprechend hart ist der ganze Wirtschaftsraum von den Folgen des Corona-Lockdowns und der Schutzmassnahmen betroffen. Gastronomie, Hotellerie, vor allem aber die MCH Group können so lange kaum hochfahren, bis der Bund das Stattfinden von Kongressen wieder erlaubt.

In der Zwischenzeit sind zwar Versammlungen von bis zu 300 Personen wieder zugelassen, man darf zum Coiffeur, zur Fussmassage, sogar ins Bordell. Aber ein Kongress – es würde schon ein nationaler reichen – darf immer noch nicht stattfinden. Dabei war Basel vor der Coronakrise auf dem besten Weg, zum Schweizer Kongressmekka zu werden: Monatlich wurden Übernachtungsrekorde gebrochen, der Ballsaal unter dem neuen Hotelturm auf dem Baloise-Areal wurde sogar extra darauf ausgelegt.

Die Parlamente der beiden Basel zeigen: Es geht ja

Tatsächlich bedauert die MCH Group die lange Wartezeit. Die Voraussetzungen für die Durchführung von nationalen Anlässen wären gegeben, sagt Unternehmenssprecher Christian Jecker: «Wir haben die Infrastruktur, wir haben sehr viel Platz in unseren Hallen und wir haben eine ausgewiesene Expertise mit Registrationen bei Veranstaltungen.» Alles Faktoren, die der Durchführung von Events in einem maximal gesicherten Rahmen dienlich sind. Die Parlamente der beiden Basel nutzen diese Infrastruktur schon heute: Sie führen im Kongresszentrum ihre regulären Parlamentssitzungen durch.

Doch in Bern fanden die Veranstalter über ihren eigenen Verband bislang wenig Gehör. Im Gegensatz zur Gastronomie hatte die Messe- und Kongressszene bislang wenig Bedarf für ausgereiftes und intensives Lobbying in Bern. Denn insbesondere bei den Messegesellschaften erwies sich unter normalen Umständen die Nähe zur kantonalen Politik, die oft in den Verwaltungsräten vertreten ist, als nutzdienlicher.

LDP-Nationalrat Eymann springt in die Bresche

Doch nun tritt die nationale Politik auf den Plan. Zumindest die Abgeordneten dieser Region: LDP-Nationalrat Christoph Eymann, jahrzehntelanger Vertrauter von MCH-Präsident und Parteikollege Ueli Vischer, lancierte Anfang Juni eine Motion mit der Forderung, das Verbot aufzuheben. Konkret will er den Bundesrat beauftragen, «das Durchführungsverbot für Fachveranstaltungen, Messen und Kongresse zeitnah aufzuheben oder zu lockern, falls die Veranstalter die vom Bund geforderten Schutzmassnahmen einhalten.»

Mitunterzeichner fand er einige, vor allem aus der Region. So ist etwa der Neo-SP-Nationalrat Mustafa Atici aus Basel mit dabei, aber auch die SP-Nationalräte Samira Marti und Eric Nussbaumer haben unterschrieben. Weiter sicherte die Baselbieter CVP-Nationalrätin und Präsidentin der Handelskammer beider Basel, Elisabeth Schneider-Schneiter, ihre Unterstützung zu.

Gerade nach dem Aus der Baselworld mehr Kongresse

In der Logik der Veranstalter macht das Sinn. Denn Eymann weist in seinem Motionstext explizit daraufhin, dass bei den meisten Anlässen ein Grossteil der Gäste aus der Schweiz kommen. In der Schweiz finden jährlich durchschnittlich 200 Messen mit 30000 inländischen und 6000 ausländischen Ausstellern statt.

Zudem würden rund 600 Kongresse mit insgesamt etwa 300000 Teilnehmenden aus der Schweiz und 50000 Teilnehmenden aus dem Ausland durchgeführt. Das treibt eine Wertschöpfungskette an, von der wiederum Basel bislang enorm profitiert hatte – und, wenn es nach dem kantonalen Parlament geht – insbesondere nach dem Ende der Baselworld noch mehr profitieren soll.

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