Im ersten Wahlgang trennten Annemarie Pfeifer, Guido Vogel und Felix Wehrli nur gerade 280 Stimmen. Die 2054 Stimmen für Katja Christ waren für die grünliberale Kantonalpräsidentin ein Achtungserfolg. Vor den Gemeindewahlen war sie in Riehen politisch kaum in Erscheinung getreten.

Mobilisation wird entscheiden

Katja Christ wird Stimmen aus der Mitte auf sich vereinen. Auf diese ist vor allem auch Annemarie Pfeifer angewiesen, die sich in sozialen wie in konservativen Kreisen bewegt. Felix Wehrli braucht die Stimmen der CVP- und LDP-Wählerschaft, die nun mit Katja Christ eine liberale Alternative haben. Fraglich bleibt, wie stark die bürgerliche Wählerschaft ausserhalb der SVP überhaupt an die Urne streben wird, haben doch sowohl CVP, LDP und FDP ihre Schäfchen bereits im Trockenen. Bereits am Abend des ersten Wahlgangs wurde dies als mögliche Hypothek für Wehrli gehandelt. Kann davon Sozialdemokrat Guido Vogel profitieren, der mit allen Stimmen aus dem linken Lager rechnen kann? Er gilt als Unternehmer auch bei Mitte-Wählern und sogar Bürgerlichen als wählbar.

Katja Christ selber will sich auf solche Spekulationen erst gar nicht einlassen. Sie sieht sich als eigenständige Kandidatin, die für sich und nicht gegen jemanden antritt: «Der Ton zwischen den beiden politischen Blöcken hat sich vor dem zweiten Wahlgang nochmals verschärft. Da möchte ich mich raushalten. Ich trete mit mir als Persönlichkeit, mit meinen Ideen und Vorstellungen an.» Christ steht für das Neue und tritt gegen das politisch etablierte Riehen an. Sie sieht sich als «innovative Kraft in der Mitte», die Lösungen zwischen links und rechts finden möchte.

EVP-Gemeinderätin Pfeifer gibt sich nach der Enttäuschung im ersten Wahlgang wieder kämpferisch. «Ich habe auf der Strasse viele positive Rückmeldungen bekommen.» Natürlich stehe ihr in gewissen Themen Katja Christ nahe: «Aber ich denke nicht, dass wir die exakt gleiche Wählerschaft ansprechen. Und wer zwei Frauen oder zweimal die Mitte wählen möchte, der kann ja uns beide wählen.» Pfeifer hofft auf ihren Bündnispartner Guido Vogel. Mit 44 Prozent Wähleranteil bei den Einwohnerratswahlen stünden Mitte-links drei Sitze im Gemeinderat zu, findet auch dieser. «Die SP musste mit ihren Kandidierenden in der Vergangenheit in Riehen immer in den zweiten Wahlgang. Und das hat auch immer geklappt.» Auch Pfeifer geht von einer Korrektur der bisherigen bürgerlichen Dominanz im ersten Wahlgang aus. «Jetzt überlegen die Leute, wie die Mannschaft als Ganzes aussehen soll.»

Bürgerlicher Zusammenhalt

Annemarie Pfeifer warnt eindringlich vor einer Wahl von Felix Wehrli. Nicht aus persönlichen, sondern aus politischen Gründen. «Eine Sitzverteilung von fünf zu zwei für die Bürgerlichen im Gemeinderat wäre für das Dorf nicht gut.» Riehen brauche drei Sitze für Mitte-Links. «Ob das schliesslich zwei für die EVP, SP oder für die Grünen ist, das ist sekundär.»

Felix Wehrli will als erster SVP-Vertreter in den Gemeinderat einziehen. Gleich nach dem ersten Wahlgang haben die bereits gewählten Gemeinderäte von CVP, LDP und FDP sowie der parteilose Gemeindepräsident Hansjörg Wilde Wehrli ihre Unterstützung zugesagt. «Eine Prognose ist schwierig», glaubt der Berufsdetektiv selber. «Aber ich bin optimistisch, dass es klappt.» Die Einbruchsserie der vergangenen Wochen könnte ihm bei der Wahl helfen.

Doch für den SVP-Kandidaten wird es ebenfalls schwierig. Denn in Riehen äussern sich bereits Stimmen, die die SVP inhaltlich bereits mit Gemeindepräsident Wilde im Gemeinderat vertreten sehen. Hinter vorgehaltener Hand sagen viele Bürgerliche gegenüber der bz, dass sie den Sitzanspruch der SP keinesfalls bestreiten. Und auch Guido Vogel mache einen guten Job. Das Ziel sei aber die Doppelvertretung der EVP. Und eines darf man Ende aller Prognosen keinesfalls vergessen: Der Bonus des Bisherigen hat meist eben doch entschieden.