Abwasser
Kanalratten verbrennen sich an diesem Roboter die Nase

Das Tiefbauamt Basel zählt beim Unterhalt der Kanalisation auf die Hilfe eines Roboters. Er filmt, was sich im Untergrund tummelt. Die häufigsten Kanalbewohner sind Ratten und Kakerlaken. Beide stellen ein Hygienerisiko dar.

Mark Walther
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Ähnelt einem bissigen Hund: Der TV-Roboter des Basler Tiefbauamts.

Ähnelt einem bissigen Hund: Der TV-Roboter des Basler Tiefbauamts.

zvg

Unter Basel erstrecken sich 360 Kilometer Abwasserkanäle. Davon sind aber nur 80 Kilometer für Menschen begehbar. Damit das Basler Tiefbauamt auch weiss, wie es im übrigen, grösseren Teil aussieht, setzt es auf die Hilfe eines TV-Roboters. Das achträdrige, hundeähnliche Mobil wird von einem Mitarbeiter an der Oberfläche gesteuert und filmt die Kanalisation von innen.

«Es ist wichtig, dass wir den Zustand des Kanalnetzes genau kennen», sagt Norbert Wüllner, Leiter der Abteilung Betrieb beim Tiefbaumamt. Er erklärt das wie folgt: «Wenn man da unten etwas reparieren muss, kostet das sehr viel Geld.» Das Tiefbauamt speichert die Aufnahmen deshalb in einem speziellen Programm, um bei Bedarf wieder darauf zugreifen zu können.

«Ratten sind neugierig»

Auf seinen Streifzügen durch die Basler Unterwelt trifft der TV-Roboter immer wieder auf Kanalbewohner. Das sind vor allem Ratten und Kakerlaken. «Ratten sind neugierige Tiere. Das Licht am Kopf des Roboters zieht sie an», sagt Thomas Zimmerli, der die Filmaufnahmen aus der Kanalisation aufbereitet. Auch schon hätten die Tiere ihre Nasen an die Halogen-Leuchten gedrückt, bis sie sich daran verbrannten. Seit Kurzem verfügt das Tiefbauamt über einen neuen, ähnlich aussehenden TV-Roboter. Dieser ist mit LED-Leuchten ausgestattet. Daran verbrennen sich die Viecher ihre Riecher nicht mehr.

Ratten und Kakerlaken sind ein Hygieneproblem. Sie tragen Krankheiten in sich, die sich in der Kanalisation schnell verbreiten können. Darum werden die Tiere bekämpft – die Kakerlaken dreimal pro Jahr, die Ratten einmal, aktuell im Kleinbasel.

Gegen die Kakerlaken geht das Tiefbauamt mit Giftgas vor, für die Ratten hängt man Köder in die Schächte. Die kleinen blauen Ringe enthalten Betäubungsmittel und Blutverdünner, der bei den Ratten tödliche innere Blutungen auslöst. Um die Mitarbeiter und die Umwelt vor den giftigen Substanzen zu schützen, herrschen strenge Vorschriften, an die sich die Mitarbeiter des Tiefbauamts halten müssen. Unter anderem überprüft ein Sicherheitsbeamter, ob sie die Regeln befolgen.

Diebesgut im Dolenschacht

Die Abteilung Betrieb des Tiefbauamts hält auch die 14 000 Basler Dolenschächte und Schlammsammler sauber. In Letzteren sammelt sich der Strassendreck, der im Regenwasser abfliesst. Aber auch die Beute von Dieben hat ein Reinigungsteam einmal gefunden. Die Schächte werden alle zwei Jahre geleert und gesäubert. Eine Ausnahme gilt für die Fasnacht: Vorher, nachher und vereinzelt auch während der «drey scheenschte Dääg» säubern die Kanalreiniger sämtliche Schächte entlang der Cortège-Route.