Corona-Virus

Kanton bereitet nächste Phase vor – die Senioren sind im Fokus

Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger und Spital-CEO Werner Kübler

Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger und Spital-CEO Werner Kübler

Kanton will Personen, die durch das Corona-Virus am meisten gefährdet sind, besser schützen. Das Unispital versucht derweil, seine Kapazitäten auszubauen.

Am Donnerstag vor einer Woche ist im Kanton Basel-Stadt der erste Corona-Fall bekannt geworden. Rund eine Woche später bereiten sich die Behörden auf einen starken Anstieg der Fallzahlen vor. In den ersten Tagen sei es darum gegangen, das Virus zurückzudrängen und die Ansteckungsketten zu unterbrechen. Gleichzeitig werde versucht, durch verschiedene Massnahmen eine schnelle Ausbreitung zu verhindern, um Zeit zu gewinnen. Aber: «Niemand von uns hat noch die Idee, dass man das Virus einfach wieder wegbekommt», sagt Kantonsarzt Thomas Steffen.

«Das Corona-Virus wird uns mindestens noch mehrere Wochen begleiten», sagt Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger. Angesichts der Entwicklung, die man in anderen Ländern beobachten kann, stehe nun möglicherweise eine Phase mit vielen erkrankten Personen bevor. Damit müsse man neue Prioritäten setzen: «Die Behandlung von schweren Fällen sowie der Schutz von besonders gefährdeten Personen rückt stärker in den Fokus.» Besonders verletzlich sind gemäss den bisherigen Erkenntnissen vor allem ältere Menschen und Personen mit einer Vorerkrankung – etwa bei den über 3000 Personen, die im Kanton Basel-Stadt in einem Pflegeheim leben oder bei Patientinnen und Patienten im Spital.

Unispital stellt sich auf «garstiges Szenario» ein

Das Gesundheitsdepartement hat deshalb Empfehlungen für Pflegeheime und Spitäler erarbeitet. «Wir wollen nicht dazu aufrufen, die Besuche einzustellen», betont Engelberger. «Aber man sollte dabei Vorsicht walten lassen.» Pflegeheime sollen etwa besser kontrollieren und die Besuchszeiten einschränken. Ausserdem hat das Gesundheitsdepartement einen Fragebogen erarbeitet, damit Besucher, die ein Risiko darstellen könnten, erkannt werden können. Spitälern wird empfohlen, die Besuchszeiten auf ein Minimum zu beschränken. Soziale Kontakte sollten übers Telefon erfolgen.
Werner Kübler, Direktor des Universitätsspitals sagt: «Stand jetzt sind wir voll.» Die Belastung für das Personal sei sehr hoch. Bisher habe man aber nur wenige Personen mit dem Corona-Virus. «Wenn jetzt auf einen Schlag viele Personen erkranken, kommen wir unter Druck», so Kübler. Deshalb seien die präventiven Massnahmen entscheidend. «So schützen wir das System.» Man stelle sich am Unispital auf ein «garstiges Szenario» ein, mit mehr Fällen und gleichzeitig einer dünneren Personaldecke wegen erkrankten Mitarbeitenden.

Genügend Material für mehr Fälle vorhanden

Das Spital versucht nun, prospektiv seine Kapazitäten auszubauen. Einerseits indem etwa medizinisch nicht dringende Operationen verschoben werden. Andererseits wird versucht, dass Patienten schneller in ein anderes Spital, eine Klinik oder ein Pflegeheim verlegt werden können. Auch eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Privatspitälern soll die Situation am Universitätsspital entlasten. Helfen soll soll auch die neue Anlaufstelle in der umfunktionierten Predigerkirche, die am Montag in Betrieb geht.
Das Unispital hat eine Taskforce eingesetzt. Aktuell würde pro Woche rund zwei Mal das Regelwerk für den Umgang mit Corona-Patienten angepasst. «Wir sind auf dem Topstand des weltweiten Wissens», so Kübler. Im Wochentakt würden neue Substanzen bekannt, bei denen es Hinweise gibt, dass sie in schweren Fällen helfen könnten: dazu gehören frühere Medikamente gegen HIV, Malaria oder Arthritis. «Wir wenden jeweils die beste bekannte Therapiemöglichkeit an.» Entwarnung gibt Kübler punkto Material: «Wir laufen in den nächsten Wochen nicht in einen Engpass.»

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