Wer hätte das gedacht? Wenn man es genau nimmt: niemand. Stur ist er, der Staat, oft überkorrekt. Steine legt er allen in den Weg, die etwas auf die Beine stellen wollen. Und er verhindert Leben in der Stadt.

Alles Humbug – zumindest in diesem Fall. Obwohl die Auflage klar sagt, dass die temporären Beizen am Kleinbasler Rheinbord nur sechs Monate pro Jahr offen haben dürfen, werden die Buvetten-Gäste auch jetzt, im fortgeschrittenen Herbst, noch bedient. Die vier Buvetten haben Anfang April geöffnet, ergo müssten die Schotten seit Anfang Oktober dicht sein. Handeln sie also illegal, die Patentinhaber?

Nein. Es ist der Kanton, der seine eigene Auflage lockert und sagt: Bei dem schönen Wetter drücken wir ein Auge zu und lassen Euch gewähren. «Ausserdem hatten die Betreiber Pech mit dem Wetter im Sommer», sagt André Frauchiger vom Tiefbauamt im zuständigen Bau- und Verkehrsdepartement. «Darum sind wir ihnen entgegen gekommen.» Der Entscheid habe nichts mit einem Vorstoss zu tun, den Grossräte von links bis rechts im Frühling eingereicht hatten. Die Forderung lautete: Wenn es das Wetter zulässt, sollen die Buvetten länger als sechs Monate offen haben dürfen. Der Regierungsrat hat den Anzug entgegen genommen. Er ist derzeit in Bearbeitung.

Eine Sommerstory ohne Verlierer

Der Kanton wäre nicht der Kanton, würde er seine Grosszügigkeit nicht einschränken: Stichtag ist der 25. Oktober. Dann ist wirklich Schluss, dann müssen die Container schliessen und abziehen. Traurig darüber ist niemand. Im Gegenteil: Buvetten-Betreiber und Verwaltung liegen sich quasi in den Armen. «Die Zusammenarbeit läuft gut», heisst es bei allen vier Buvetten. Und: «Es ist super, dass wir ein bisschen länger machen dürfen.» Philipp Geisinger von der Flora-Buvette sagt gar: «Eigentlich gibt es in der Geschichte nur Gewinner.» Die Buvetten hielten, was von Anfang an versprochen worden sei – und sorgten für Ordnung und Sicherheit im Quartier. Und die Anwohner reklamierten nicht mehr wegen Lärm – was André Frauchiger so bestätigt.

Noch länger als bis zum Herbstmesse-Beginn Ende Oktober wollen auch die Wirte nicht offen haben. Es werde rasch kalt abends, sagen sie unisono, und umsatzmässig sei der Herbst nicht mit dem Sommer zu vergleichen. «Wir verlängern nicht aus wirtschaftlichen Gründen – wir tun es vor allem für unsere Gäste», sagt Simon Baudenbacher von der Oetlinger-Buvette.

Grill-Obligatorium nicht vom Tisch

Ein Thema, das zu Kontroversen führen dürfte, steht aber noch im Raum: Sollen die Buvetten-Wirte künftig einen öffentlichen Grill anbieten müssen, wie es die Baudenbacher-Geschwister von der Oetlinger-Buvette freiwillig und als Teil ihres soziokulturell ausgerichteten Konzepts machen? Die Verantwortlichen in der Verwaltung waren zu Saisonbeginn Feuer und Flamme für die Idee: «Der Staat liebäugelt mit Grill-Auflage für die Betreiber», titelte die bz im April. Doch jetzt, ein halbes Jahr später, scheint das Thema nicht mehr ganz so heiss zu sein wie im Frühjahr: «Nicht jeder Standort ist für einen öffentlichen Grill geeignet», sagt André Frauchiger. Klar sei erst, dass die Buvette auf der anderen Seite am Birsköpfli einen Allgemein-Grill anbieten müsse. Ob die Auflage für die Kleinbasler Buvetten geändert würde, sei offen.

Die drei Buvetten-Betreiber, die keinen Grill anbieten, äussern sich bis auf Rolf Obrist von der Dreirosen-Buvette ungern zum Thema: «Ein solcher Grill würde die Atmosphäre zerstören, die wir in den vergangen acht Jahren aufgebaut haben.» Man sehe bei der Oetlinger-Buvette, zu was für einem Gedränge ein Self-Service-Grill führen könne. Ausserdem sei es paradox, vom jetzigen Verbot, Geruchsemissionen zu verursachen, ins andere Extrem zu schwenken. Doch wie gesagt: Das Thema ist nicht spruchreif, die Bewilligungen gelten noch mindestens eine Saison. Wann diese wieder beginnt, ist offen. Gemäss Auflage dürfen die Buvetten frühstens im März öffnen.