Coronavirus
Kanton überlässt ihnen die Entscheidung: Basler Kitas im Masken-Dilemma

Basel-Stadt will keine strikte Maskenpflicht für Kita-Mitarbeitende. Das bringt Kindertagesstätten in die Bredouille.

Tanja Opiasa-Bangerter
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Immer mehr Kitas in Basel führen eine Maskenpflicht ein. (Symbolbild)

Immer mehr Kitas in Basel führen eine Maskenpflicht ein. (Symbolbild)

Bruno Kissling

«Es ist uns allen bewusst, dass es sich hierbei um eine sehr einschneidende Massnahme handelt», beschreibt die Geschäftsleitung der Basler Kita-Betreiberin Familea die Einführung der Maskenpflicht für Mitarbeitende in einem Elternschreiben.

Der freiwillige Schritt zur «hoffentlich nur kurz angesetzten Massnahme» der grössten Kita-Trägerschaft der Region kommt nicht überraschend. Bereits seit Ende Oktober wurde die Übergabe der Kinder in den Aussenbereich verlegt und die Eltern gebeten, eine Maske zu tragen, wenn sie ihre Kinder abholen.

Das Basler Erziehungsdepartement kommunizierte Anfang November zur Maskenpflicht. Die neue Regelung sieht vor, dass «Mitarbeitende während der Betreuungszeit innerhalb einer festen Gruppe keine Maske tragen müssen». In Baselland hingegen herrscht schon seit zwei Wochen Maskenpflicht.

Familea will weniger Quarantäne-Ausfälle

Die Basler Regelung sei problematisch, betont der Leiter der Tagesbetreuung bei Familea, Aron Reichenbach: Falle Personal wegen Krankheit, Wartefenstern nach einem Coronatest oder einer angeordneten Quarantäne aus, könne die gleiche Betreuungskonstellation nur schwer garantiert werden, sagt Reichenbach.

Ich hatte weinende Eltern am Telefon, die Angst um ihre Arbeitsstelle haben.

(Quelle: Aron Reichenbach, Leiter Tagesbetreuung Familea)

Zudem wolle man mit der strikten Regelung die Quarantänefälle eindämmen. Kam es bisher zu einem positiven Fall, mussten ganze Kindergruppen und Belegschaften in Quarantäne. Dies sei nicht nur von betriebswirtschaftlicher Seite her problematisch, betont Reichenbach: «Ich hatte schon weinende Eltern am Telefon, die wegen des Geschwisterkindes in der Schule zum zweiten Mal in Quarantäne mussten und Angst um ihre Arbeitsstelle haben.»

Die umfassende Maskenpflicht ermögliche es, eine mögliche Exposition besser abzuschätzen, damit das Betreuungsangebot aufrechterhalten werden kann. «Viele Eltern sind auf die Betreuung der Kinder angewiesen», sagt Reichenbach.

Frischgebackene Eltern könnten verunsichert sein

Auch maskenfreie Zeitfenster sollen dokumentiert werden. Diese Zeitfenster sollen weiterhin aufrechterhalten werden, um auf mögliche Verunsicherungen der Kinder zu reagieren. Reichenbach sagt: «Aus entwicklungspsychologischer Perspektive ist das Maskentragen nicht ideal.»

Aber man übernehme damit auch Verantwortung für die Mitarbeitenden, die täglich über einen langen Zeitraum sehr nahe mit den Kindern arbeiten. «Der Schutz wird geschätzt», betont Aron Reichenbach, der bisher auf Verständnis seitens der Elternschaft stosse. «Gerade frischgebackene Eltern könnte die Maskenpflicht verunsichern», kann sich der Tagesbetreuungsleiter jedoch vorstellen. Kündigungen seien bei Familea bisher noch keine eingegangen.

Im Baselbiet kündigen Eltern wegen Maskenpflicht

Anders klingt es bei der Kita-Trägerschaft Familycare, die nach zwei Wochen genereller Maskenpflicht an den Baselbieter Standorten bereits erste Auswirkungen zu beklagen hat: «Es gibt Baselbieter Eltern, die sich überlegen, den Kitaplatz ihrer Kinder im Babyalter zu kündigen», berichtet die Geschäftsführerin von Familycare Basel, Daniela Bader.

Eine Kündigung sei bereits ausgesprochen worden, sagt sie mit einem gewissen Verständnis: «Besonders für kleine Kinder, die den Ausdruck über die Mimik ablesen, sollte die Möglichkeit bestehen, zu gewissen Zeiten ohne Maske mit den Kindern im Austausch zu sein.» An den baselstädtischen Standorten halte man sich an das Schutzkonzept des Kantons.

Das permanente Tragen von Masken in der Betreuung, insbesondere von kleinen Kindern, erscheine nicht als adäquat, sagt Simon Thiriet, Sprecher des Basler Erziehungsdepartements. In besonderen Situationen und aufgrund der einzelnen örtlichen Gegebenheiten, so Thiriet, könnten von den Kitas jedoch weitergehende einschränkende Massnahmen veranlasst werden.

Mehrere Kitas in Basel haben Maskenpflicht bereits eingeführt

Für die Kinder und Betreuer sei es pädagogisch gesehen eine schwerwiegende Massnahme, sagt die Geschäftsführerin der Kinderbetreuung beider Basel, Beatrice Breu. Vorläufig habe man noch keine umfassende Maskenpflicht eingeführt, sagt Breu, die nicht ausschliesse, dass man diese Woche auch mitziehe.

«Die Kinder kommen mittlerweile gut damit zurecht», betont auch Tarik Kocak von der Kita Luna. Er räumt jedoch ein, wie ermüdend die Arbeit mit der Maske sei, und berichtet von «Kopfschmerzen und Allergien».

Vier weitere Basler Kita-Trägerschaften, mit welchen die bz im Kontakt stand, haben die generelle Maskenpflicht für die Mitarbeitenden bereits eingeführt. In den meisten Fällen überwiegen die gesundheitlichen Argumente. «Unser Team hat sich einstimmig für die Maskenpflicht entschieden», sagt die Geschäftsführerin einer privaten Basler Kita.