Ausländische Fachkräfte
Kantone drängen auf Lockerung der Drittstaaten-Kontingente

Besonders betroffen ist Basel, wo das Drittstaaten-Kontingent bereits im Februar aufgebracht war. Die Kantone und Konzerne fordern den Bund nun zu einer Lockerung dessen auf.

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Christoph Brutschin sieht durch die Drittstaaten-Kontingente «zahlreiche Forschungs- und Entwicklungsprojekte gefährdet». Kenneth Nars

Christoph Brutschin sieht durch die Drittstaaten-Kontingente «zahlreiche Forschungs- und Entwicklungsprojekte gefährdet». Kenneth Nars

Kenneth Nars

Die Kantone drängen den Bund, die Kontingente für ausländische Fachkräfte aus Drittstaaten wie den USA noch 2016 zu erhöhen. Pharmaforscher oder IT-Spezialisten werden dringend benötigt, es sind jedoch nur noch 89 B-Bewilligungen und 532 L-Bewilligungen bis Ende Jahr übrig.

Eine Delegation der Volkswirtschaftsdirektorenkonferenz der Kantone (VDK) wird deswegen mit Bundesrätin Simonetta Sommaruga zusammenkommen, wie VDK-Präsident Christoph Brutschin am Mittwoch sagte. Er bestätigte einen Bericht des «St. Galler Tagblatts» und der «Neue Luzerner Zeitung». Das Treffen soll im September oder Oktober in Bern stattfinden.

Zudem wollen die Kantone, dass der Bundesrat für nächstes Jahr die Kontingente wieder auf das Niveau von 2014 anhebt. Damals gab es insgesamt 8500 Bewilligungen für Drittstaatler: 3500 B-Bewilligungen und 5000 L-Bewilligungen für Kurzaufenthalter.

Nach dem Volks-Ja zur SVP-Zuwanderungsinitiative kürzte der Bundesrat die Drittstaaten-Kontingente: 2015 gab es noch 6500 Bewilligungen, davon 2500 für Aufenthalter. Die Kantone und auch der Arbeitgeberverband möchten zurück zum alten Regime. Auf lange Sicht fürchten sie Nachteile für den Werkplatz Schweiz.

Mit der heutigen Praxis seien «zahlreiche Forschungs- und Entwicklungsprojekte gefährdet», sagte Brutschin. Solche Projekte seien «Arbeitsplätze von morgen». «Wir vergeben uns Chancen, wenn diese Projekte in Cambridge, Schanghai oder Berlin gestartet werden statt in Basel, Zürich oder Genf.»

Die Kantone haben ihre Kontingente längst ausgeschöpft: In Basel-Stadt waren die 136 Arbeitsbewilligungen B bereits Ende Februar weg, Zürich brauchte sein Kontingent Ende April und Genf Ende August auf. Deshalb müssen die Kantone auf die sogenannte Bundesreserve zurückgreifen.

Brutschin ist Volkswirtschaftsdirektor von Basel-Stadt. Dort klagt die Pharmabranche, dass sie nicht mehr genügend Forscher aus Drittstaaten engagieren könne.

Roche-Konzernchef Severin Schwan hatte im Juli erklärt, ohne die Fachkräfte aus dem Ausland könne das Unternehmen seine Aktivitäten in der Schweiz nicht im bisherigen Rahmen aufrechterhalten.

Novartis-Sprecher Satoshi Sugimoto erklärte am Mittwoch aber, bisher habe Novartis «für geschäftskritische Projekte alle notwendigen Stellen besetzen können». Der Pharmakonzern «spürt aber die Verschärfung bei den Drittstaaten-Kontingenten», obwohl man mit Basler Behörden und Politik gut zusammenarbeite. Doch der administrative Aufwand sei gestiegen.