St. Jakob-Arena

Kantonsangestellter wirtschaftet ins eigene Kässeli

Thomas Kastl ist seit 2013 Manager der St. Jakobshalle. Er war bereits von 2006 bis 2009 in derselben Funktion tätig. Gleichzeitig ist er Inhaber einer Firma, die unter anderem auch Personal für Veranstaltungen vermittelt.

Thomas Kastl ist seit 2013 Manager der St. Jakobshalle. Er war bereits von 2006 bis 2009 in derselben Funktion tätig. Gleichzeitig ist er Inhaber einer Firma, die unter anderem auch Personal für Veranstaltungen vermittelt.

Thomas Kastl ist einerseits beim Kanton Basel-Stadt angestellt und dort zuständig für die St. Jakobshalle, andererseits führt er deren Vermarktung mit seiner eigenen Firma gleich selber durch. Veranstalter erheben nun schwere Vorwürfe an Kastl. Und der Kanton schweigt.

Ein internes Dokument, das der bz vorliegt, zeigt: Der Kanton will mit dem beim Erwerb der Eishalle St. Jakob Arena erlassenen Event-Stopp Zusatzeinnahmen in der Joggeli-Halle generieren. Eine Reservationsanfrage für ein Konzert durch die vor der Übernahme des Kantons für die Hockey-Arena zuständige More Entertainment Group wurde abgelehnt.

Gleichzeitig wurde dem Veranstalter angeboten, das Konzert in der grösseren St. Jakobshalle durchzuführen. «Damit füllt der vom Kanton angestellte Hallen-Verwalter Thomas Kastl sein eigenes, privates Kässeli – das ist ein Skandal», sagt Piero Vecchioli von der More Entertainment Group.

Der Grund dafür liegt in der bereits mehrfach kritisierten Doppelrolle des Hallenvermarkters. Dieser ist einerseits beim Erziehungsdepartement angestellt, führt die Vermarktung aber über seine eigene Eventagentur Levent AG mit Sitz in Itingen durch – und erhält für jeden Vertragsabschluss eine Provision.

Der SP-Grossrat Thomas Gander will nun überprüfen lassen, ob diese Doppelrolle durch den Erwerb der Hockey-Arena durch den Kanton ausgebaut wird. In einer am Montag eingereichten Interpellation fragt er: «Wie gewährleistet der Regierungsrat, dass verschiedene Eventanbieter die Halle(n) für Veranstaltungen nutzen können und keine Monopolstellung entsteht?»

Departement schweigt

Auch die bz hätte vom zuständigen Erziehungsdepartement gerne eine Antwort auf diese und weitere Fragen erhalten. Doch das Departement schweigt, mit Verweis auf das «hängige Regierungsgeschäft», wie Sprecher Simon Thiriet mitteilt. Er fügt jedoch an, dass die Levent AG im aktuellen Vertrag nicht für die Events in der Hockey-Arena zuständig sei.

Mehrere Event-Organisatoren bestätigen aber gegenüber der bz die zweifelhafte Stellung des Kantonsangestellten mit Privatkässeli. Und sie kritisieren besonders, dass Kastl mit seiner Firma nicht nur beim Vermitteln von Konzerten Provisionen verdiene, sondern offenbar auch gleich selbst das Personal liefert. In mindestens zwei Fällen ist dies auf der Homepage der Levent AG auch dokumentiert: Beim Rihanna-Konzert 2007 und bei mindestens einer «Apassionata»-Veranstaltung standen Verkäufer oder Barpersonal der Firma im Einsatz. Auch dazu nimmt der beim Erziehungsdepartement angestellte Firmeninhaber keine Stellung. Auf der Homepage wird aber weiterhin «laufend hoch motiviertes Personal» gesucht für kürzere Einsätze als Verkaufspersonal, Garderobenbetreuung, VIP-Betreuung oder als Springer.

Vermarkter in Staatsdiensten

Ein Vorgänger des heutigen Hallen-Vermarkters, der namentlich nicht genannt werden will, sagt: «Dass ein Vermarkter in Staatsdiensten über seine private Firma auch noch Personal vermittelt, ist sehr fragwürdig. Als ich für die Joggeli-Halle zuständig war, habe ich kein einziges Mal Geschäfte mit meinem Arbeitgeber gemacht. Und auf Personalvermittlung für die Halle haben wir sowieso konsequent verzichtet.»

Interpellant Gander sagt, dass er mit seiner Anfrage insbesondere herausfinden will, ob die bereits mehrfach untersuchte und als korrekt eingestufte Doppelfunktion mit der Ausweitung auf die Hockey-Arena zu einem Angebots-Monopol führe. «Ich kann nachvollziehen, dass der Kanton die Halle nur noch als Eishalle verwenden will, aber der abrupte Strategiewechsel ist doch sehr fragwürdig», sagt er.

Dies findet auch More-Entertainment-Geschäftsführer Vecchioli. Er sagt, das anfangs erwähnte Konzert der Band «Biffy Clyro» werde nun vermutlich in Zürich stattfinden. Die Band habe einen vollen Terminkalender und habe deshalb nicht auf das von Kastl angebotene Ausweichdatum in der Joggeli-Halle umschwenken können.

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