Fünf gezackte Linien aus blauen Rohren, ein ausgestopfter Falke, der von oben auf die Szenerie blickt: Fertig ist die Ausstellung. Gerade einfach ist es nicht, mit der Installation in der Basler Galerie von Bartha in Verbindung zu treten. Auch wenn ihr Titel «Connect with us» lautet. Abhilfe bietet da ein Gespräch mit Jakob Fenger. Er ist Mitglied der dänischen Künstlergruppe Superflex und hat die Arbeit in Basel aufgebaut.

«Der Titel ist eigentlich ein Slogan der Zürcher Investment-Bank Falcon», erklärt er. Sie sei die erste Bank weltweit gewesen, die mit Bitcoins gehandelt habe. Womit wir beim zentralen Thema der Ausstellung sind. «Connect with us» ist eine Reflexion über die Kryptowährung. Der Künstler, ganz im blauen Arbeiterdress, gibt eloquent Auskunft über sein Interesse an diesem Zahlungsmittel, auch wenn er selbst keine Bitcoins besitzt. «Mit dem Bitcoin und anderen solchen Währungen erreicht die Ökonomie einen neuen Level. Trotz aller Schwierigkeiten ist die ihm zugrunde liegende Blockchain-Technologie vergleichbar mit den ersten Banknoten. Auch diese haben die Ökonomie grundlegend verändert.»

Fenger interessiert die Mehrdeutigkeit solcher Entwicklungen. Einerseits stehe der Bitcoin für individuelle Freiheit, weil er uns erlaube, unabhängig vom Bankensystem Handel zu treiben. «Andersherum ist er ein Symbol für einen aggressiven Neo-Kapitalismus, der das Steuersystem untergräbt und Kriminalität fördert.»

Als Trio weltweit unterwegs

Das Interesse an ökonomischen Vorgängen ist bei Superflex nicht neu. Das Männer-Trio arbeitet seit 1993 zusammen. «Wir können uns gar nichts anderes mehr vorstellen», sagt Fenger. Er zieht das Modell des Kollektivs dem alleine arbeitenden Künstler vor. «Wir haben den Vorteil, dass wir unsere Projekte intensiv diskutieren können.» Und genug Manpower, um der Nachfrage des Kunstmarkts nachzukommen. Letzte Woche haben sie zeitgleich mit Basel eine Ausstellung in Miami eröffnet. Superflex gehört zu den global agierenden Kunstmarken. Ihre Projekte haben subtil subversiven Charakter und lange Laufzeiten. Ein wiederkehrendes Thema ist eben die Ökonomie.

Letztes Jahr haben sie, pünktlich zur Brexit-Abstimmung, die Turbinenhalle der Tate Modern in London mit einem Teppich in den Farben der britischen Banknoten ausgelegt. Eine weltweit – derzeit auch im Naturhistorischen Museum Bern – gezeigte Installation besteht aus einer mit Wasser gefluteten McDonald’s- Filiale. Bei von Bartha hat das Trio vor zwei Jahren eine Ausstellung denjenigen Banken gewidmet, die beim Crash 2008 pleite gegangen sind. 2005 luden die drei Künstler das Publikum mit diesem Slogan in die Basler Kunsthalle: «Eintritt frei. Sie erhalten zwei Franken.» Die so Belohnten standen dann aber in völlig leeren Räumen, und begannen das Gespräch untereinander zu suchen. Ohne zu wissen, dass ein Teil der Besucher von den Künstlern gecastete Ökonomie-Spezialisten waren.

Ökonomie und Natur

Die Arbeiten von Superflex sind stringent durchdacht und mit Witz unterfüttert. Die blauen, chaotisch gezackten Rohre bei von Bartha zeigen die Abstraktion einer allseits bekannten Zick-Zack-Linie: diejenige der Börsenkurse, in diesem Fall die Berg- und Talfahrten, welche der Bitcoin in den letzten 18 Monaten durchgemacht hat. Die eigentliche Linie ist aber für Fussgänger nicht erkennbar, sondern nur aus der Vogelperspektive. Deshalb hockt da dieser Falke, stellvertretend für die Natur, die unserem Treiben argwöhnisch zuschaut.

«Darum geht es in unseren Arbeiten meistens: Wir wollen eine andere Sicht auf die Wirklichkeit etablieren», erklärt Fenger. Hier gehe es eben auch um die Begegnung zweier Systeme: der Ökonomie und der Natur. «Es ist doch schon erstaunlich, dass wir alle bereits mit der Idee in den Köpfen leben, dass der Klimawandel die Meere über die Ufer treten lassen wird. Wir ziehen den Weltuntergang in Betracht. Dass das globale kapitalistische System untergehen könnte, daran mag niemand glauben», so der Künstler. «Wir wissen zwar, was zu tun wäre, tun es aber nicht, gerade aus ökonomischen Gründen.» Der sonst mit ruhiger Stimme sprechende Mann kommt bei diesem Thema in Fahrt. Aber wieso machen er und seine Freunde zu so aufwühlenden Erkenntnissen so stille Arbeiten wie diese? Und dazu noch in einem Kunstraum?

«Wir machen ja auch viele Arbeiten im öffentlichen Raum. Und wir haben uns entschieden, im Feld der Kunst zu arbeiten, weil wir daran glauben. Ich glaube sehr an die Macht der Kultur und der Kunst. Sie kann Dinge verändern.»

 

Superflex «Connect with us». Bis 19. Januar 2019. Galerie von Bartha, Basel.