Es könnte noch anders kommen als erwartet: Die linken Fraktionen und die CVP könnten es sich in letzter Minute anders überlegen und wie die Bürgerlichen plötzlich der Meinung sein, der Ratschlag zum Kasernenumbau in ein Kulturzentrum sei doch zu teuer und «stümperhaft» aufgezogen. Dann würde der Ratschlag an die Regierung zurückgewiesen und die bereits jahrzehntelang andauernden Diskussionen über die Zukunft des Kasernenareals müssten einmal mehr geführt werden.

So wird es nicht kommen: Linke, Grüne und CVP betonen schon lange, dass sie am Vorschlag festhalten werden. Unterstützt werden sie von der GLP und einzelnen kasernenaffinen Abtrünnigen der Bürgerlichen, womit sie in der Mehrheit sein werden. Doch FDP, LDP und SVP haben bereits angekündigt, dass sie diese Niederlage nicht dulden werden: Sie werden alles tun, um den Ratschlag trotzdem zu verhindern – und zwar mit dem Referendum.

Dicker Batzen versus Kreativität

Wenn die bürgerlichen Parteien zusammenspannen, bekommen sie erfahrungsgemäss einen rechten Batzen für ihre Kampagne zusammen. Mit Schlagwörtern wie «zu teuer», «unprofessionell» und der Frage «Warum werden keine Privaten ins Boot geholt?» werden sie beim sensiblen Dauerbrenner Kaserne einige Gruppen hinter sich scharen. Der finanziell nicht auf Rosen gebettete Verein Pro Kasernenareal hat also einen harten Abstimmungskampf vor sich. Präsident Philipp Cueni hat trotz dieser Aussichten keine Angst.

Er ist überzeugt, dass seine Seite das Stimmvolk mit sachlichen Argumenten und ohne viel Geld überzeugen wird, den jetzigen Vorschlag anzunehmen. «Ich hoffe auf eine breite Bewegung, die sich eigendynamisch entwickelt», sagt Cueni – und verweist auf diverse Persönlichkeiten, die sich derzeit öffentlich für ein Ja zum Umbau des Hauptbaus aussprechen. Die Architekten Jacques Herzog und Christoph Gantenbein zählen ebenso zu dieser Gruppe wie der ehemalige FDP-Grossratspräsident Rudolf Grüninger, die Modedesignerinnen Tanja Klein und Claudia Güdel sowie Kleinbasler Gewerbler.

Cueni weiss, dass mit diesen Namen allein noch keine Abstimmung gewonnen ist, hofft aber auf «Kreativität von Seiten des Quartiers und der Kulturszene, den Bürgern zu zeigen, worum es geht.» Ja, worum geht es eigentlich? «Der Bau muss saniert werden, es gibt ein gutes Projekt, und es ist seit Jahren keine bessere Alternative vorgelegt worden», fasst Philipp Cueni im Namen der Kasernenareal-Nutzer zusammen.

Dieser Aussage stimmt Luca Urgese, FDP-Grossrat und Kopf des vermutlich bald agierenden Referendumskomitees, teilweise zu. Das Gebäude sei marode, das sei unbestritten. Doch: «Das jetzige Projekt erfüllt das ursprüngliche Ziel nicht, so ist unter anderem nur eine kleine seitliche Öffnung zum Rhein vorgesehen.» Ihm schwebe eine grössere Öffnung vor, wobei er diesbezüglich nur für seine eigene Partei spreche.

Aufbruch versus Unterschriften

Mit anderen Worten: Die Bürgerlichen haben keine Alternative in der Schublade, sondern bemängeln Grundsätzliches, wobei das Geld im Vordergrund steht: «Brauchen wir noch eine staatliche Kulturinstitution?», fragt Urgese. Eine Frage, die heute in der Ratsdebatte für lange Diskussionen sorgen wird. Cueni beschäftigt noch was anderes. Er versteht nicht, warum die Bürgerlichen bei der Kaserne als «Verhinderer» im Kernthema Stadtentwicklung und Kultur auftreten.

Das Projekt sei breit abgestützt. Überall spüre er Begeisterung für diesen «Aufbruch». Einen solchen werden die linken Parteien heute ebenfalls heraufbeschwören – und damit durchkommen. Doch schon am Samstag wollen Luca Urgese und seine Mitstreiter mit Unterschriftenbögen auf die Strasse gehen und das Stimmvolk von der Dringlichkeit einer Abstimmung überzeugen.